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Walnüsse für Specht Egon und Amsel Fridolin

Helene Ehnold
Helene Ehnold FOTO: Hirche/jul1
Briesen. Wenn Helene Ehnold morgens um 8 Uhr aufsteht, dann genießt sie den Blick auf ihre Birken, auf Kiefern, auf Stauden. Die großen Schlafzimmerfenster gewähren den Blick in den grünen Garten und den dahinter liegenden Wald. jul1

Die 93-jährige Briesenerin schätzt diesen Start in den Tag. Seit 2003 lebt sie mit ihrem Lebensabschnittsgefährten Dietmar Enderlin in den Häuschen im Grünen in guter Nachbarschaft mit ihrer Tochter Dr. Christa Viehweg. Ein bewegtes Leben liegt hinter der betagten Seniorin: Ihre Töchter sind 1942 und 1949 geboren, zwischendurch war sie gezwungen, ihre Heimat im Isergebirge zu verlassen. Sie kam zusammen mit ihrer Familie ins Erzgebirge, wurde Neulehrer. Später erhielt sie den Auftrag, Biologie zu unterrichten, weil diese Fachrichtung fehlte: "Ich habe vom Direktor ein Stapel Bücher bekommen und habe mich an die Aufgabe gemacht. Ich war den Schülern immer so gerade eine Stunde voraus im Wissen", erinnert sich die Naturliebhaberin. Die Liebe zu den Kindern in der Schule, und ihre Naturliebe waren die Basis für einen lebendigen Unterricht, der von den Schülern honoriert wurde. "Wir haben viele Experimente gemacht und unsere Klassenausflüge waren sehr beliebt", erzählt "Lenka", wie sie von ihren Freunden genannt wird. In den 70er Jahren zog Familie Ehnold nach Cottbus um. Hier musste sich die sympathische Seniorin wieder auf eine neue Aufgabe einstellen: Sie wurde Hortleiterin an der 13. Oberschule.

Nach dem Tod ihres Mannes lernte sie bei der Kur Dietmar Enderlin kennen. Das große Interesse an Tieren und Pflanzen vereinte die beiden gesundheitlich nicht mehr so fitten Menschen. Sie schlossen sich zusammen, verbrachten zwei Jahre in der Schwarzwaldheimat des leidenschaftlichen Gärtners und wechselten dann im neuen Jahrtausend in die Lausitz. Hier hat Dietmar seiner Helene ein Paradies geschaffen. Von der Bank vor dem Esszimmer des Einfamilienhauses ist nicht nur die Blütenpracht der Rosen, Stauden und Bäume zu beobachten, sondern auch die vielfältige Tierwelt. "Unsere Tiere haben Namen, auf die sie auch meist hören. Da gibt es Specht Egon, die Amsel Fridolin, das Eichhörnchen Tintu und die Erdkröte Babuschka. Die Vögel laben sich an der Futterröhre mit ausgewählten Wallnüssen. Jeden Morgen sitzen wir hier, frühstücken in aller Ruhe und genießen das grüne Umfeld, das Plätschern des Mühlenradspringbrunnens und unseren eigenen Tierpark", erzählt die Briesenerin und zum Vorführeffekt gehört das Erscheinen von Specht Egon mit dem roten Schopf an der "Futterkrippe". Jetzt im Sommer kommt noch oft ein ganz besonderes Erlebnis dazu:

Und die 93-Jährige verarbeitet diese Erlebnisse auf besondere Weise: "Mancher hackt Holz, um Dinge zu verarbeiten, ich schreibe." Geschichten für Kinder, Gedichte über die Natur, über Lebenserfahrungen und über das Alter liegen auf ihrem Schreibtisch. Kinder, Enkel und Urenkel sind aufmerksame Leser. "Im Leben gibt es sehr viel Schönes, Köstliches und Angenehmes, das zu genießen jederzeit bedingt nur eines: Gesundheit!" beginnt einer Ihrer Verse.