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| 13:54 Uhr

Wahlkampf
Talkmaster gründet Wählerinitiative

 Jens-Uwe Hoffmann hat eine Umfrageplattform installiert.
Jens-Uwe Hoffmann hat eine Umfrageplattform installiert. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Jens-Uwe Hoffmann will herausfinden, was Wähler bewegt. Die Wortwahl des Projektes ist zweifelhaft. Von Andrea Hilscher

Die Talkrunde von Jens-Uwe Hoffmann im Gut Branitz war gut besucht. Rund 120 Gäste wollten von den geladenen Kommunalpolitikern wissen, wie sie Cottbus voranbringen wollen. Hinter den Kulissen gab es allerdings schon im Vorfeld des Abends Unruhe: Hoffmann hatte nur sechs der im Rathaus vertretenen Parteien aufs Podium gebeten. Die viertgrößte Fraktion der AUB/SUB war nicht eingeladen. „Keine böse Absicht“, sagt Hoffmann, der Platz auf dem Podium habe schlicht nicht ausgereicht. „Ich musste mich entscheiden, und da ,Unser Cottbus´ ganz neu ist, habe ich die eingeladen.“ In seiner Talkrunde am 25. April, zu der Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und Stadtverordnetenchef Reinhard Drogla (SPD) kommen wollen, werde auch Torsten Kaps (AUB) eingeladen.

Auch mit Flyern einer neu gegründeten Wählerinitiative „WIR – Bürger, Unternehmen & öffentlicher Dienst für Brandenburg“ überraschte der langjährige CDU-Anhänger. Er wolle auf diese Weise die Wähler befragen, wo genau sie der Schuh drückt und diese Fragen dann in seinen nächsten Talkrunden an seine Gäste weiterleiten. Ungefragt erklärt Hoffmann: „Eine 5. Kolonne der AfD sind wir nicht.“ Er werde von fünf Ruheständlern unterstützt, darunter auch ein ehemaliger Amtsdirektor. Namen nennen wollte Hoffmann nicht.

Auf ihrer Internetseite nutzt „Wir“ den Begriff der „Eliten“ und stellt ihn dem der „Bürger“ gegenüber – eine rhetorische Figur, die auch die AfD häufig benutzt. Auch die EU wird  auf der Internetplattform in AfD-Manier als „Superstaat einer Elite“ bezeichnet. Jens-Uwe Hoffmann, dessen Konterfei die Webseite ziert, ist erschrocken. „Das habe ich noch nicht gelesen, das muss gelöscht werden.“ Er habe nichts gegen Eliten, zähle ja selbst als ehemaliger Unternehmer dazu. Er beteuert: „Ich will mit der Initiative wirklich nur erfahren, was die Menschen bewegt. Denn von selbst äußern sie sich ja selten konkret.“

Die Internetseite, die für sich mit dem Stempel „Demokratische Weltneuheit“ wirbt, stellt Fragen wie „Sind die GEZ-Zwangsgebühren noch zeitgemäß und will das Volk das überhaupt“ oder beschreibt ein „Experiment Deutschland“ in Berufung auf ein Zitat über die vermeintliche Verwandlung der „mono-ethnischen Demokratie in eine multi-ethnische“.