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| 21:00 Uhr

Wahlkampf
Er will viel mit den Bürgern reden

Steffen Kubitzki (54) könnte deutschlandweit der erste Landrat werden, der von der AfD gestellt wird.
Steffen Kubitzki (54) könnte deutschlandweit der erste Landrat werden, der von der AfD gestellt wird. FOTO: Hilscher Andrea / LR
Spree-Neiße. Steffen Kubitzki (54) kandidiert als Landrat im Spree-Neiße-Kreis. Hat er Erfolg, wäre er der erste, den die AfD bundesweit stellt. Von Andrea Hilscher

Wenn ihm jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass er einmal für das Amt des Landrats kandidieren würde – Steffen Kubitzki (54) hätte ihm einen Vogel gezeigt. Sagt er und schüttelt den Kopf, als könne er selbst noch nicht glauben, dass er möglicherweise in wenigen Wochen der bundesweit erste Landrat wird, der der AfD angehört.

Steffen Kubitzki, in Potsdam geboren, in Werder aufgewachsen, lebt seit 25 Jahren in der Region. 22 davon mit seiner Lebensgefährtin, die einen Sohn mit in die Beziehung gebracht hat. Kubitzki arbeitet als Richtmeister in der Kraftwerksbranche und hat – je nach Auftragslage – zehn bis 50 Mitarbeiter unter sich. „Da bin ich es auch gewohnt, mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen und mich durchzusetzen“, sagt er. Jetzt, in der Politik, habe er gelernt, dass man auch zuhören und Kompromisse eingehen müsse.

In die Politik ist er eher zufällig gekommen. 2013 hat er die AfD gewählt, wegen Europa und der Finanzkrise. Ein Jahr später wurde er Mitglied, übernahm bald den Kreisvorsitz und jetzt die Kandidatur für das Landratsamt. „Das ist unser großes Ziel, mehr Mitglieder in Kreistage und Stadtparlamente zu bekommen. Denn von da aus wird Politik gemacht.“

Was genau das für ihn heißt, dieses „Politik machen“, ist nur schwer an konkreten Projekten festzumachen. In seinem Wahlprogramm nimmt er Stellung zu Fragen der inneren Sicherheit, Asyl, Infrastruktur, Wirtschaft, Bildung, Gesundheitsversorgung. Er benennt Probleme, seine Lösungsansätze aber halten kaum einer Überprüfung stand: Mehr Polizei, bessere Bildung, Altersüberprüfungen minderjähriger Flüchtlinge – all das sind Themen, die nur am Rande in den Zuständigkeitsbereich eines Landrates fallen. Gern schlägt Kubitzki vor, sich „mit allen an einen Tisch setzen“ zu wollen, um über anstehende Probleme zu reden. Dass derartige Gesprächsrunden – etwa rund um das Thema Strukturwandel – längst auf unterschiedlichen Ebenen installiert wurden, interessiert den Mann aus Turnow-Preilack nicht. „Wenn es das alles längst gibt, warum wird es dann nicht besser kommuniziert“, fragt er. Und schiebt nach: „Man kann vieles wollen. Was man davon tatsächlich umsetzen kann, steht auf einem anderen Blatt.“ Doch das, was seine Gegenkandidaten ihm als  Manko ankreiden, sieht er selbst gelassen. „Ich kann nicht in einer halben Stunde einen Masterplan aus der Tasche zaubern.“ Informationsveranstaltungen, auf denen alle Kandidaten sich den Fragen der Bürger stellen, nennt Kubitzki gern „Trommelrunden“. Er wundere sich dort, wie toll die Ideen seiner Gegner seien – „aber warum haben sie die nicht längst schon umgesetzt? Sie sitzen doch seit Jahren auf einflussreichen Posten.“

Gerade kämpft er sich durch den Landesentwicklungsplan, will wissen, wie Brandenburg funktioniert. Gern spricht er über Bereiche, in denen er sich auskennt. Das Ehrenamt gehört zu seinen zentralen Themen, hier will er punkten. „Mit Feuerwehr oder  Sportverein gelingt es uns, junge Menschen in der Region zu halten. Das muss unser oberstes Ziel sein.“ Hier will er ansetzen, Vereine und Ehrenamt stärken, natürlich soll auch die regionale Wirtschaft unterstützt werden. „Warum sollen Firmen von außerhalb bei uns große Aufträge kriegen, wenn es zum Beispiel mit der Digitalisierung losgeht. Da kann doch auch der Straßenbaubetrieb aus Turnow ein Stück vom Kuchen abbekommen.“

Flüchtlinge und Asylpolitik, natürlich gehört auch das zu den Themen eines AfD-Mannes. „Man sieht ja an Cottbus, wie sehr die Zuwanderung die Gesellschaft spaltet.“ Er selbst gehe immer gern zu Demonstrationen von „Zukunft Heimat“, einen Rechtsradikalen habe er dort noch nicht gesehen. Die Zeit, um sich genauer über den Verein aus Golßen zu informieren, habe er nicht. „Ich kenne aber den Vorsitzenden. Ein kluger Mann.“

Gesetze und Zuständigkeiten, Verwaltungsabläufe und Realpolitik – Steffen Kubitzki will lernen, was es heißt, einen Landkreis zu führen. „Auf jeden Fall werde ich nicht mit erhobenem rechten Arm in den Kreistag einziehen“, sagt er. „Ich will mit allen reden. Vor allem mit dem Bürger. Abends beim Bier, ohne großes Drumherum.“ Ob sich das umsetzen lässt? „Ich hoffe.“