ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 21:00 Uhr

Landratswahl Spree-Neiße
Erst die Fakten, dann entscheiden

Matthias Loehr  verteil im Häuserwahlkampf in Spree-Neiße rote Sonnenblumensamen und Flyer, um auf sich uhnd seine Ziele aufmerksam zu machen.
Matthias Loehr verteil im Häuserwahlkampf in Spree-Neiße rote Sonnenblumensamen und Flyer, um auf sich uhnd seine Ziele aufmerksam zu machen. FOTO: Andre Kaun
Spree-Neiße. Matthias Loehr (Linke) will als Landrat vor allem verfahrene Problemlagen ent­schärfen und enger als bisher mit Cottbus zusammenarbeiten. Von Andrea Hilscher

Frech ist er, dieser Matthias Loehr. Auf Wahlplakaten und Flyern lässt er sich schon mal als „Landrat Loehr“ titulieren, im Facebook-Video fragt er provokant, was ein Landrat überhaupt so machen würde – nur Häppchen essen?

Matthias Loehr, geboren 1977 in Cottbus, will am 22. April den Amtsinhaber Harald Altekrüger (CDU) ablösen – oder in die Stichwahl kommen. Sollte das nicht klappen, dann will er zumindest im Wahlkampf möglichst viele Menschen mobilisieren, aufwecken und mit den richtigen Fragen zum Nachdenken anregen. Auch wenn seine Chancen nicht die besten sein mögen – antreten sei wichtig. „Man muss den Wählern etwas anbieten“, davon ist der Linke überzeugt. Keinen Kandidaten aufstellen, so wie die SPD in Elbe-Elster, das sei keine Option.

Dennoch ist die Kandidatur von Matthias Loehr überraschend. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Cottbus. Der gelernte IT-System-Kaufmann hat seit fast 20 Jahren Führungspositionen in der damaligen PDS und der heutigen Linken inne. Cottbus, Potsdam, Berlin, da suchte und fand er seine Aufgaben. Warum jetzt ausgerechnet der Spree-Neiße-Kreis?

„Weil ich Cottbus und den Landkreis als Einheit wahrnehme“, sagt Loehr. Der Kreisverband seiner Partei – mit rund 650 Mitgliedern einer der stärksten in Brandenburg – fasst Cottbus und Spree-Neiße zusammen. „Das entspricht der Lebenswirklichkeit, so wie ich sie wahrnehme“, sagt Loehr. Schon allein deshalb habe sich die Linke im Vorfeld der geplanten Kreisgebietsreform für ein Zusammengehen der beiden Gebietskörperschaften ausgesprochen. Und auch jetzt wirbt der Cottbuser für ein Nachdenken über mehr gemeinschaftliches Handeln. „Warum brauchen wir zwei Nahverkehrs-Gesellschaften? Warum kann der Rettungsdienst nicht zusammengeführt werden? Und auch der Abfall könnte doch gemeinsam entsorgt werden.“

Zumindest, so sein Credo, sollte man nüchtern gucken, wo welche Kosten entstehen und wie sich öffentliche Dienstleistungen für den Bürger möglichst kostengünstig gestalten lassen. Dass er sich mit derartigen Überlegungen nicht nur Freunde macht, weiß der Politiker. Ein Beispiel: das Jobcenter, das Spree-Neiße in kommunaler Hand führt. „Es wird von Herrn Altekrüger und von Herrn Kostrewa als Erfolgsmodell angepriesen. Dabei zeichnen die Zahlen ein anderes Bild.“   Die nämlich belegen, dass die Südbrandenburger Jobcenter Menschen schneller wieder in Arbeit bringen als der Landkreis.  „Als Landrat würde ich gern gemeinsam mit den Mitarbeitern herausfinden, warum das so ist.“

„Zuhören, Nachdenken, Entscheiden“, das hat der Kandidat auf seine Wahlkampflyer geschrieben. „Das entspricht meinem privaten Naturell.“ Er sei ein Mann der langen Linie, sagt er, und dass er sehr viel Zeit mit der Politik verbringt. Heute als Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender, früher als Wahlkampfmanager und Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten.

 Was er gelernt hat in diesen Jahren, würde er jetzt gern umsetzen an der Spitze des Kreises. „Das Thema Schulentwicklung ist den Menschen enorm wichtig.“ Ob es eine neue Schule in Kolkwitz oder in Drebkau geben soll, dazu will sich Matthias Loehr noch nicht äußern. „Bisher haben nicht einmal alle Verantwortlichen an einem Tisch gesessen und alle relevanten Zahlen angeschaut.“ Wo gibt es die meisten potenziellen Schüler, wie lassen sich Fahrzeiten optimieren? „Erst wenn wir das alles wissen, können wir entscheiden – gemeinsam mit den Bürgermeistern, und mit Cottbus.“

Zweites Top-Thema auf seiner Agenda ist der Lkw-Verkehr auf der B 169. „Vielleicht schafft man es nicht, auf einen Schlag den kompletten Fernlastverkehr von der Straße zu kriegen.“ Eine deutliche Reduzierung der Belastung für die Anwohner müsse aber drin sein. „Lärmschutzfenster können nicht die Lösung des Problems sein.“

Der Wahlkampf jedenfalls, der macht ihm sichtlich Spaß. „Die Aufmerksamkeit ist größer als ich dachte“, sagt der Kandidat, und dass er nach Veranstaltungen erstaunlich oft angesprochen wird, auch wohlwollend. Ob es am Ende zum „Landrat Loehr“ reicht? Der 22. April wird’s zeigen.