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| 21:28 Uhr

Wahlkampf in Brandenburg
Grünen-Chef Habeck zeigt sich von Lausitzern beeindruckt

 Dem redegewandten Robert Habeck kommt das offene Diskussions-Format durchaus entgegen.
Dem redegewandten Robert Habeck kommt das offene Diskussions-Format durchaus entgegen. FOTO: LR / Jan Siegel
Cottbus. Das Braunkohlerevier Lausitz ist traditionell keine Heimspielstätte für die Grünen. Am Montag stellte sich Grünen-Chef Robert Habeck trotzdem in Cottbus den Lausitzern. Von Jan Siegel

Es ist Wahlkampf in Brandenburg und der geht rund drei Wochen vor der Landtagswahl in seine heiße Phase. Die Grünen hatten am Montag ihren Bundesvorsitzenden Robert Habeck in die Lausitz geschickt. In einem sogenannten Town-Hall-Format stellt der sich im alten Stadthaus am Cottbuser Altmarkt den Fragen. An die 300 Interessierte waren gekommen. Nicht alle hatten von Anfang an die Chance, einen Platz im Saal zu ergattern. Bei manchen sorgte das für Frust.

Habeck angespant in die Lausitz

Und Robert Habeck räumte auch ein, dass er mit einer gewissen Anspannung ins Revier gekommen war, das traditionell nicht gerade zu den Hochburgen der Grünen gehört. Den ganzen Tag über hatte auch er die Bilder auf sein Smartphone geschickt bekommen, die die Plakate in Cottbus zeigten, die ihn als eine Art grünes Mars-Männchen zeigten, die man im Revier nicht haben wolle.

Was Habeck dann in der knapp zwei Stunden dauernden Diskussion erlebt hat, beeindruckte ihn sichtlich. Und so sprach er am Ende auch von Zuversicht und von großem Respekt vor den Menschen hier. Die hatten durchaus kontrovers, aber immer sachlich, mit ihm diskutiert und ihm auch viele unbequem-konkrete Fragen gestellt, bei denen auch der redegewandte Robert Habeck nicht selten manchmal auf sichere Allgemeinplätze ausweichen musste.

 Kein Platz blieb frei bei der Diskussion mit dem Grünenchef im alten Stadthaus.
Kein Platz blieb frei bei der Diskussion mit dem Grünenchef im alten Stadthaus. FOTO: LR / Jan Siegel

Energiepolitik an erster Stelle

Natürlich spielte die Energiepolitik eine herausragende Rolle im Alten Stadthaus. Auffallend war die Betonung der entscheidenden Rolle des wirtschaftlichen Mittelstandes, auf den es auch in der Zukunft in der Lausitz ankommen – kein hierzulande allzu bekanntes Spielfeld der Grünen. „Eine Industrie aber einfach nur durch eine andere – möglichst noch subventionierte – zu ersetzen“, hält Robert Habeck für falsch. „Das bringt nichts.“ Es gehe darum, mittelständische Strukturen zu erhalten und neue Zweige zu erschließen.

Ungewöhnlich deutlich wurde der Grünen-Vorsitzende auch, als es um den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ging. „Planungsbeschleunigung – das würden wir auf jeden Fall machen“, sagte Habeck. Die Thematik ist unter den Grünen umstritten. Sind es in der Praxis doch oft Umwelt- und Naturschutzklagen, die Großprojekte jahrelang verzögern. Robert Habeck plädierte in Cottbus bei jedem Projekt für einen vernünftigen Dialog und für frühzeitige Kompromisse.

Kohleaustieg zu einem Erfolgsmodell machen

„Wie kann man den vereinbarten Kohleausstieg in der Lausitz am Ende zu einem Erfolgsmodell machen, von dem auch die anderen Kohleländer in der Welt lernen können. Wie gelingt es, dass die Welt auf uns schaut und sagt: Das wollen wir auch?“, fragte in Cottbus ein Lausitzer Bergmann, der wenig später zur Nachtschicht im Kraftwerk Jänschwalde starten musste. Robert Habeck gibt sich überzeugt, dass das gelingen kann. „Wenn wir das im reichen Deutschland nicht hinkriegen, wie soll man dann in Indien überzeugen?“

Das Themenspektrum in Cottbus reichte am Ende schließlich vom fehlenden Nahverkehr am Wochenende in der Lausitzer Provinz über die Zukunft der kleinen Krankenhäuser und die Grundrente bis zur Position der Grünen zu Kampfeinsätzen der Bundeswehr im Ausland. Und dabei präsentierte sich Robert Habeck als der Grünen-Realo, der nichts hält beispielsweise von einer neoliberalen Kahlschlagpolitik und pazifistischer Totalverweigerung.

Am Montag bekamen die Fragesteller im Alten Stadthaus von Robert Habeck nicht die einfachen Antworten, die sie sich vielleicht am liebsten gewünscht haben. Durchaus lautstark beklatscht aber wurde am Ende im Saal kein weltfremdes „Mars-Männchen“.