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| 08:01 Uhr

Wahlkampf in Cottbus
AfD demonstriert Geschlossenheit in Cottbus

 Jörg Urban (v.l.), Andreas Kalbitz und Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt in Cottbus.
Jörg Urban (v.l.), Andreas Kalbitz und Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt in Cottbus. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Vor knapp 1000 Besuchern aus mehreren Bundesländern sprachen die Landesvorsitzenden Björn Höcke, AndreasKalbitz und Jörg Urban über ihre Verfassungsstreue, die Hoffnung auf eine erneute politische Wende und die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Verbale Ausfälle gab es kaum. Von Andrea Hilscher

Knapp eintausend Menschen sind es nach Schätzungen unabhängiger Beobachter, die sich am Samstag in Cottbus auf dem Stadthallenvorplatz versammeln. Sie kommen Cottbus, Berlin, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die meisten von ihnen im Rentenalter, viele männlich, fast alle frustriert. „Lumpenpack“ nennen sie Vertreter der Regierungsparteien, schimpfen über einige hundert Gegendemonstranten im Puschkinpark. „Was haben die schon geleistet“, sagen die Alten über die Jungen. Im Verlauf des Nachmittags bekommen sie Antworten. Zunächst aber heißt es warten. Warten auf den Beginn der Veranstaltung, warten vor allem auf Björn Höcke aus Thüringen. Er kommt zu spät, Gerüchte besagen, die Linken hätten die Autobahn blockiert. Eine Falschmeldung.

Andreas Kalbitz, Spitzenkandidat der AfD in Brandenburg, eröffnet den Reigen der Reden. Er verspricht den Zuhörern: „Wir vollenden die Wende.“ Einen Kohleausstieg werde es mit ihm nicht geben, sagt er und wettert gegen „die Raute des Grauens“. So tituliert er die Kanzlerin, erntet begeisterten Beifall.

 Der Stadthallenvorplatz beim Wahlkampfauftakt der AfD.
Der Stadthallenvorplatz beim Wahlkampfauftakt der AfD. FOTO: Michael Helbig

Lausitzer Kandidat ist neugierig

 Jugendliche aus dem Puschkinpark rufen „Nazis raus“.
Jugendliche aus dem Puschkinpark rufen „Nazis raus“. FOTO: Michael Helbig

Steffen Kubitzki, AfD-Landtagskandidat aus dem Spree-Neiße-Kreis, ist aus Neugierde gekommen. „Die Reden kenne ich alle auswendig. Aber im August habe ich in Peitz eine ähnliche Veranstaltung, da will ich wissen, wie das hier läuft.“

 Björn Höcke widmet dem brandenburgischen Innenminister eine Flasche Sekt, als Replik auf die Beobachtung des Wahlkampfauftaktes durch den Verfassungsschutz.
Björn Höcke widmet dem brandenburgischen Innenminister eine Flasche Sekt, als Replik auf die Beobachtung des Wahlkampfauftaktes durch den Verfassungsschutz. FOTO: Michael Helbig

Angesprochen auf den Richtungsstreit innerhalb der AfD winkt er ab. Das werde sich beruhigen. Er selbst sei auch wieder beim jüngsten Kyffhäusertreffen gewesen, dem jährlichen Treffen des rechten AfD-Flügels. „Den Personenkult um Höcke mag ich nicht“, sagt Kubitzki. Doch seine Parteifreunde schauen sehr genau auf seine Umfragewerte. Einige Kandidaten wollen Höcke nach Rechtsaußen folgen, wenn sie dafür vom Wähler belohnt werden.

Junge Alternative provoziert

Die Jugendorganisation der Partei, die Junge Alternative, verkauft T-Shirts auf dem Stadthallenvorplatz. Das Konterfei von Alexander Gauland ist darauf zu sehen, darunter steht #Jagen. Auf einem anderen ist zu lesen: „Merkel Jagd Club“. Ein Mann kauft das Shirt. Geschmacklos findet er den Spruch auch nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke nicht. „Wer gejagt wird, muss sich vestecken, dann erlegt man ihn nicht.“

Er will noch mehr sagen, doch ein Ordner geht dazwischen. „Vorsicht, passt auf. Überall Presse.“ Das Wort provoziert zu „Lügenpresse“-Rufen, dann skandiert die Masse wieder „Höcke, Höcke.“ Doch der ist noch immer nicht da, stattdessen redet der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen. Er beschwört die Einheit der Partei, ruft: „Wir lassen uns nicht spalten.“ Bevor jedoch sein parteiinterner Gegner Björn Höcke auftaucht, verschwindet Meuthen aus Cottbus. „Wir würden uns ja freundlich die Hand geben, aber ich muss noch 700 Kilometer fahren.“

Jörg Urban, AfD-Landeschef aus Sachsen, betritt die Bühne. Auch er bemüht das Bild von der Vollendung der Wende, schimpft auf „Altparteien“ und Seenotretter.

Dann kommt, sorgsam inszeniert, der verspätete Björn Höcke. Die Menge jubelt. Zeitgleich tauchen ein Dutzend Jugendliche aus dem Puschkinpark am Rande der Veranstaltung auf, rufen „Nazis raus!“. Als sie näher kommen, werden die AfD-Anhänger wütend. „Verschwindet“, rufen sie und fragen wieder: „Was habt ihr schon geleistet?“. Die jungen Leute antworten. Sie gingen zur Schule und zum Studium, damit sie die Renten für ihre Eltern und Großeltern erwirtschaften können.

Höcke für Recht auf Asyl

Björn Höcke redet weiter. Erzählt von seiner Cottbuser Ehefrau, macht den Brandenburger Verfassungsschutz lächerlich, beschwört die angeblich geplante „Abschaffung des deutschen Volkes.“ Jedes Wort wird mit mit Beifall bedacht. Als er aber bekräftigt, dass er für das Grundgesetz und das Recht auf Asyl eintritt, stutzen seine Fans kurz. Als er fortfährt, dieses Asylrecht einzuschränken und gegen eine „Zuwanderung in die Sozialsysteme“ abzugrenzen, jubeln sie wieder. Sie haben gehört, was sie hören wollten.

Andreas Kalbitz ist mit seinem Wahlkampfauftakt zufrieden. „Wir haben uns Cottbus natürlich bewusst ausgewählt.“ Hier wisse man, dass viele Menschen kommen.

Am Sonntagabend treffen sich die ostdeutschen Landeschefs erneut zum Wahlkampfauftakt im sächsischen Lommatzsch. Jörg Meuthen ist nicht eingeplant.

Botschafter für ein weltoffenes Cottbus