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| 02:33 Uhr

Waffenfund wächst weiter

Mittlerweile haben die Kampfmittelexperten mehr als 400 historische Klingen aus dem Waldboden befreit.
Mittlerweile haben die Kampfmittelexperten mehr als 400 historische Klingen aus dem Waldboden befreit. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus/Neuhausen. Kampfmittelexperten durchforsten derzeit ein Waldstück bei Neuhausen. Dabei haben sie nicht nur Weltkriegsmunition aus dem Boden geholt, sondern auch historische Hieb- und Stichwaffen. Der Fund ist mittlerweile auf über 400 Exemplare angewachsen. Peggy Kompalla

Als im Februar die ersten Degen im Waldboden bei Neuhausen auftauchten, war die Aufregung groß, trugen einige Exemplare doch auffällige Wappen. Da es sich bei den Funden um historische Klingen handelt, lag die Frage nahe, ob es sich dabei um Waffen aus dem Besitz Fürsten Pücklers handeln könnte. In der Zwischenzeit ist der Fund an historischen Waffen immens angewachsen. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege bestätigt, dass mittlerweile mehr als 400 Hieb- und Stichwaffen in dem Waldstück zusammengetragen worden sind.

Die Kunde vom Fund der historischen Waffen vor zwei Wochen hatte das Interesse der Stiftung Branitz geweckt. Experten nahmen die im Februar freigelegten Klingen für nähere Untersuchungen in ihre Obhut. Sie sind allesamt stark verrostet und damit zerbrechlich. Stiftungsdirektor Gert Streidt erklärt dazu: "Wir sind mit der ersten Sichtung noch nicht durch. Ich möchte nicht spekulieren."

Die Landesdenkmalpfleger lassen sich bereits mehr entlocken. Allein in Anbetracht der zutage tretenden Masse an Waffen halten sie ein Pückler'sches Erbe für eher unwahrscheinlich. Das erklärt der Archäologe Dr. Christof Krauskopf. "Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieses Konglomerat nicht so spektakulär, da die Waffen zusammengetragen wurden." Eine plausible - aber nicht belegte - Version lautet, dass Rotarmisten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 in den Gutshäusern der Region alle Arten von Waffen einsammelten und schließlich im Wald vergruben.

Die Landesdenkmalpfleger stehen durch den schieren Umfang des Fundes vor einer Herausforderung. "Für den Transport reicht ein Auto nicht mehr aus", sagt Krauskopf. Die Waffen sollen in den nächsten Tagen nach Wünsdorf ins Zentrale Landesfundmagazin gebracht werden. "Die Sichtung wird eine ganze Zeit in Anspruch nehmen." Genauere Angaben kann Christof Krauskopf nicht machen. Dabei stelle sich für die Fachleute unter anderem die Frage, ob es Besitzansprüche auf Einzelstücke gibt.

Die historischen Gerätschaften sind nur ein Beifang. Derzeit untersuchen Kampfmittelexperten ein rund ein Hektar großes Waldstück auf Weltkriegsmunition. Die Arbeiten werden noch bis in den April hinein andauern. Die Männer haben neben den relativ ungefährlichen Klingen, bereits Granaten, Minen und Gewehre geborgen - auch Bomben freigelegt, gesichert und entsorgt.

Die Neuhausener haben bereits beängstigende Erfahrung mit altem Kriegsgerät gemacht. Im Dezember 2011 waren mehrere Riegelminen an der Mühlenstraße entdeckt worden, nachdem ein Exemplar explodiert war.