Saspow mit seinem idyllischen Ortskern und den gewundenen Dorfstraßen ist in den vergangenen Jahrzehnten ordentlich gebeutelt worden. Das stellte der Stadtverordnete Hans Pschuskel gleich zu Beginn der Debatte um ein Ortsleitentwicklungskonzept dar: "Die Zwangsenteignung der Landwirtschaft hat das Dorf schwer getroffen." Später wurden Flächen für den Bau von Neu-Schmellwitz, für Rieselfelder und Mülldeponie gebraucht - alles auf Kosten von Saspow. "Aber so böse auch manches in der Vergangenheit war, heute profitieren wir von der Nähe zu Cottbus", sagt Pschuskel, und viele Einwohner stimmen ihm zu: kaum ein Ortsteil verfügt über eine so gute Infrastruktur.

Supermärkte in Neu-Schmellwitz, Bus und Straßenbahn in Fußnähe, mit dem Humboldt-Gymnasium und der Unesco-Grundschule Bildungseinrichtungen vor der Haustür und dem Aktivspielplatz als attraktivem Angebot für Kinder. Selbst die leidige Mülldeponie schickt seit ihrer Stilllegung keine üblen Gerüche mehr nach Saspow. Wunschlos glücklich sind die Menschen dort trotzdem nicht: Ihnen liegt die Zukunft ihres Dorfes am Herzen. Wie genau diese Zukunft allerdings aussehen kann, darum wurde in der Pension Frenzel - und nicht nur dort - heftig gerungen.

Doch zunächst zu den Fakten: Der Ort erstreckt sich von der Spreewehrmühle im Süden bis an den Willmersdorfer Bahnhof im Norden. Noch leben rund 650 Menschen hier, doch wenn man der aktuellen Bevölkerungsprognose glaubt, werden es in 20 Jahren nur noch 600 sein. Die Zahl der Haushalte allerdings soll um rund sechs Prozent steigen: Immer mehr vor allem alte Menschen werden dann allein ihre Grundstücke und Höfe bewirtschaften müssen.

Trotzdem setzen viele Saspower auf Wachstum, fordern die Ausweisung von neuem Bauland bei der Überarbeitung des Flächennutzungsplanes. Hans Pschuskel: "Es geht vor allem um junge Familien, die sich hier ansiedeln wollen. Oft Kinder von Alteingesessenen, die ihre Ausbildung im Westen oder in der Schweiz gemacht haben und jetzt zurück wollen."

Für diese Zuzügler soll nach dem Willen einiger Saspower Bauland an Stellen ausgewiesen werden, die derzeit noch als Außenbereich gelten. Planerisch eigentlich ein Unding. "Aber im Sinne der Gleichbehandlung müsste es erlaubt werden", sagt Horst Richart. Denn schon einmal seien Ausnahmen genehmigt worden, jetzt müsse gleiches Recht für alle gelten. "Wir wollen vernünftiges Wachstum ermöglichen."

Anders argumentiert etwa der Saspower Andreas Schwotzer. "Wir haben im Dorf so viele leer stehende Häuser und Grundstücke, die nicht mehr bewirtschaftet werden und verwildern. Da brauchen wir nicht unbedingt neues Bauland auszuweisen." Er plädiert zudem dafür, dass die derzeitigen Grundstücksgrößen beibehalten werden und nicht durch immer neue Teilungen kleine Parzellen entstehen. "Nur auf den größeren Grundstücken kann man eine echte Beziehung zu seinem Boden entwickeln. Das stärkt die Identität und den dörflichen Charakter."

Eben diesen dörflichen Charakter wollen die Anwohner auf keinen Fall verlieren. Er gehört zu den großen Stärken ihres Ortes, ebenso wie das rege Vereinsleben, der enge Zusammenhalt, die Nähe zur Spree und die unkomplizierte Integration von Zugezogenen. Eine Art Vereinszentrum wünschen sich viele, ob es finanziell tragbar ist, bleibt offen. Andreas Schwotzer: "Vielleicht findet man eine andere Lösung für eine Art Dorfzentrum. Mit Paketdienst, Einkaufsmöglichkeiten und einem Ort für die Jugend." Die "Jugend" allerdings meldet sich nicht selbst zu Wort. Martin Hellriegel von der Agentur "Cima": "Wir haben die Gespräche zu den Ortsteilentwicklungskonzepten an den unterschiedlichsten Wochentagen und zu den unterschiedlichsten Uhrzeiten angeboten. Die Jugend ist leider niemals gekommen, auch Online scheinen sich eher ältere Menschen in die Debatte einzubringen." Er bat daher die Vertreterin des Humboldt-Gymnasiums, ihm Kontakte zu jungen Menschen zu verschaffen. "Wir sind neugierig, wo deren Bedürfnisse liegen."

Die Saspower jedenfalls wünschen sich neben besseren Radwegeverbindungen zu Spree und vielleicht einer eigenen Badestelle, neben mehr Licht und besseren Fußwegen am Abenteuerspielplatz vor allem eine eigene politische Vertretung im Stadtparlament. Karsten Gohr: "Wir brauchen endlich einen Ortsbeirat, der unsere Interessen vertritt." Karsten Gohr ist Mitglied einer entsprechenden Initiativgruppe und die Stadt hat bereits signalisiert, dass auch Saspow demnächst den anderen Ortsteilen gleichgestellt werden kann und einen Ortsbeirat wählen darf.