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| 18:01 Uhr

Der große Stollentest
Es schmeckt schon nach Weihnachten

Auch das Publikum verkostet die Stollen der Bäcker.
Auch das Publikum verkostet die Stollen der Bäcker. FOTO: LR / Angelika Brinkop
Cottbus. Der Butterstollen des Bäckers Klaus Merschank aus Forst überzeugt bei der Stollenprüfung der Bäckerinnung. Von Julian Münz

Einmal als Testesser für Süßwaren arbeiten - diesen Traum konnten sich die Besucher der Spreegalerie am Mittwochvormittag erfüllen. Bei der öffentlichen Stollenprüfung der Lausitzer und Spreewälder Bäcker- und Konditoreninnung  war neben der Meinung von vier Experten nämlich auch die des Publikums gefragt - während die Jury die Stollenexemplare der Lausitzer Bäckereien auf Tauglichkeit prüfte, konnten die Besucher 27 verschiedene Stollen Probe kosten und mit einem Stimmzettel aus diesen einen Publikumssieger wählen. Kein Wunder also, dass die Besucher in mehreren Reihen an den mit Stollen gefüllten Tischen standen - bereits nach einer Stunde waren alle gegessen.

„Ich habe fast alle Stollen probiert“, erzählte etwa Besucherin Sabine Brummack. Mit ihrer Schwester nimmt sie fast jedes Jahr am weihnachtlichen Vorkosten in der Spreegalerie teil: „Wir versuchen, jedes Jahr hinzugehen. Die Stollenprüfung ist für uns Tradition, wie eine Art Festival“, so Brummack.

Die Wahl der Testesser fiel in diesem Jahr auf den Butterstollen des Forster Bäckermeisters Klaus Merschank. Den zweiten Platz sicherte sich die Konditorei Klinkmüller aus Luckau mit einem Quarkstriezel. Ebenfalls Klinkmüllers Butterstollen teilt sich den dritten Platz mit der Bäckerei Dreißig, welche mit einem Mohnstollen überzeugen konnte.

Besonders erfolgreich war auch die offizielle Stollenprüfung, die von den Innungsprüfern Thomas Schulze, André Bernatzky, Werner Klinkmüller und Hans-Werner Hahn vorgenommen wurde: Von den 37 Gebäcken, die sich den geschulten Augen und Mündern der Experten stellten, erhielten 22 das Prädikat „sehr gut“. Die 15 weiteren Stollen schätzte die Jury als „gut“ ein.

Nicht nur der Geschmack sei bei der Prüfung ausschlaggebend gewesen, gab Jurymitglied André Bernatzky preis, der schon seit 15 Jahren brandenburgische, sächsische und thüringische Stollen auf die Probe stellt. In die Bewertung flossen auch die äußere Form, die Zuckerung und Härte der Oberfläche, die Konsistenz des Inneren sowie der Geruch der Backwerke mit ein. Das wichtigste Kriterium bleibt aber auch bei den Experten der Geschmack: „Wenn ein Stollen nur gut aussieht und nicht schmeckt, reicht das auch nicht“, so Bernatzky. Der Dresdner weiß auch, worin sich die Stollen in der Region von denen aus Sachsen oder dem Erzgebirge unterscheiden: „Die Lausitzer Bäcker geizen nicht mit Butter“, so Bernatzky.

Diana Lewandowski, seit März Obermeisterin der Lausitzer und Spreewälder Bäcker- und Konditoreninnung, zog ein positives Fazit zur Stollenprüfung: „Die Kunden wirkten angetan, viele haben sich an der Wahl des besten Stollens beteiligt“, erzählte die Bäckerin. Mit den Stollen ihrer Biobäckerei in Cottbus war sie schon bei vielen Stollenprüfungen vertreten, in ihrer Funktion als Obermeisterin war sie das erste Mal dabei.

„Ich finde es gut, dass sich die Bäcker hier präsentieren können“, lobte Lewandowski die Veranstaltung. Im Gegensatz zu industrieller Massenware werde hier das Handwerk unter die Leute gebracht. „Die Leute merken hier, dass das ein großer Unterschied zu Industrieware ist“, so die Innungsobermeisterin. Ihr Favorit sei ein bestimmter Mohnstollen gewesen, den sie nicht näher verraten wollte.