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| 15:41 Uhr

Aus dem Gerichtsaal
Vorbestrafter Autodieb muss für zwei Jahre ins Gefängnis

Cottbus. Ukrainer-Duo klaut im September einen Sprinter in Berlin und wird in Cottbus festgenommen.

9 Uhr. Pünktlich wird im Amtsgericht Cottbus die Anklageschrift gegen zwei Diebe verlesen. Schwerer Bandendiebstahl. Die Beute: Ein Mercedes Benz Sprinter im Wert von 12 000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat Anklage gegen die zwei tatverdächtigen Ukrainer erhoben. Am 18. September des vergangen Jahres sollen sie in Berlin mit Hilfe eines noch immer flüchtigen und unbekannten Dritten einen Sprinter gestohlen haben. Einen Tag später wurden sie in Cottbus festgenommen. Mit ihnen wurde der vermisste Sprinter sichergestellt. Seither sitzen sie in der JVA Cottbus in Untersuchungshaft.

Die Dolmetscherin hat im Gerichtssaal alle Hände voll zu tun, die zahlreichen, in Landessprache gemurmelten Entschuldigungen der Angeklagten ins Deutsche zu übersetzen. Die beiden Männer sind geständig und wollen eigentlich nur noch nach Hause. Den Dritten im Bunde benennen sie nicht. Der Richter und die zwei anwesenden Schöffen beraten sich für eine gute halbe Stunde. Das Strafmaß kann sich schließlich für diese Art des Diebstahls von drei Monaten auf bis zu zehn Jahre erstrecken.

Der Dieb mit dem bislang blütenreinen Bundeszentralregisterauszug kommt mit einer Bewährungsstrafe von neun Monaten davon. Der zweite Angeklagte, bereits vorbestraft in ähnlicher Sache, muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Schlecht für ihn: Er ist ein Bewährungsversager, hat er doch gerade einmal vor einem Jahr und zwei Monaten seine letzte Strafe vor Gericht bekommen. Gut für ihn: Er ist geständig. Deshalb darf er auch direkt nach der Verhandlung nach Hause fahren. In die Ukraine. Als freier Mann. Der Staatsanwalt erlaubt ihm, die Dinge mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern zu regeln, bis er seine Strafe in Deutschland antreten muss. Das Datum des gesonderten Strafantritts wird ihm per Post mitgeteilt.

In der Ukraine ist es allerdings legal, sich einen neuen Namen zuzulegen, wenn man seinen alten nicht mehr tragen möchte. Wie der Richter im Gespräch mit dem Verteidiger erstaunt feststellt, hat der Verurteilte von dieser Gelegenheit früher schon einmal Gebrauch gemacht.

(Sandra Süßmuth)