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| 19:05 Uhr

Kommunalwahl in Cottbus
Kandidaten schauen in die Zukunft

 RUNDSCHAU-Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer moderierte das Gespräch mit Heiko Selka (AUB), Felix Sicker (FDP), Georg Simonek (AfD), Frank Mittag (Unser Cottbus), Hans-Joachim Weißflog (Bündnis 90/Die Grünen), Gunnar Kurth (SPD), Matthias Loehr (Die Linke) und Wolfgang Bialas (CDU).
RUNDSCHAU-Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer moderierte das Gespräch mit Heiko Selka (AUB), Felix Sicker (FDP), Georg Simonek (AfD), Frank Mittag (Unser Cottbus), Hans-Joachim Weißflog (Bündnis 90/Die Grünen), Gunnar Kurth (SPD), Matthias Loehr (Die Linke) und Wolfgang Bialas (CDU). FOTO: Michael Helbig
Vor der Kommunalwahl beleuchten Politiker Chancen und Risiken für Cottbus.

Neue Wirtschaftszweige können Cottbus beleben. Darauf setzen Kandidaten für die Kommunalwahl. Zugleich warnen sie davor, Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen, von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) über das TIP-Gelände bis zum künftigen Ostsee.

Hans-Joachim Weißflog (Bündnis 90/Die Grünen) betrachtet die BTU als „Wachstumsmotor für die Stadt“. So äußerte er sich in der vergangenen Woche bei der Gesprächsrunde der RUNDSCHAU zur Wahl im Cottbuser Medienhaus. Ein Zentrum für künstliche Intelligenz könne heimischen Unternehmen Chancen eröffnen. „Allerdings brauchen wir eine Willkommenskultur für Rückkehrer und Zuzügler, wenn wir erreichen wollen, dass Wissenschaftler und Studenten nach Cottbus kommen“, sagt Hans-Joachim Weißflog. Er habe sich auch stärkere Hilfe des Landesministeriums für die Cottbuser Universität gewünscht. Ihm blute das Herz angesichts der Tatsache, dass der Lehrstuhl für Eisenbahnwesen abgeschafft werde.

Dazu sagt Gunnar Kurth (SPD): „Ich finde es auch nicht gut, wenn Teile der BTU weggehen.“ Dieser Umstand sei jedoch etwas, „das wir als Kommunalpolitiker nicht in der Hand haben“. Er gibt ebenfalls zu bedenken: Cottbus sollte Menschen mit offenen Armen empfangen, die sich in der Stadt niederlassen wollen. „Jahr für Jahr verlieren wir 400 Einwohner“, merkt Gunnar Kurth an.

Der AUB-Kandidat Heiko Selka schlägt vor: „Wir müssten gemeinsam mit anderen Orten eine Struktur schaffen, in der sich Menschen wohl fühlen.“ Nur so lasse sich das technologische Wissen an der BTU und in den Firmen der Region vermehren.

Kritik am früheren Präsidenten

Über die Fusion von BTU und Fachhochschule Lausitz urteilt Georg Simonek (AfD): Sie entpuppe sich als „größter Fehler“. Er erläutert: „Wir haben viel zu wenig Bachelorstudenten, zu wenig Masterabschlüsse.“ Eine starke BTU brächte nach seinen Worten mehr Arbeitsplätze „als irgendeine BMX-Bahn“. Der frühere BTU-Präsident Jörg Steinbach habe sich „vom Acker gemacht“, um als Wirtschaftsminister in Potsdam zu arbeiten.

Unterdessen sieht Wolfgang Bialas (CDU) „genug positive Stimmungsfaktoren in der Stadt“ und „einen hohen Anteil von ausländischen Studenten“. Kritisch äußert er sich hingegen über das TIP-Gelände. Mehr als elf Millionen Euro seien schon in das Gewerbegebiet geflossen, aber der Ertrag gestalte sich eher überschaubar. „Wir brauchen jetzt ganz schnell einen vernünftigen baurechtlichen Rahmen für das TIP-Gelände“, sagt er. „Es gibt Interessenten, die sich dort niederlassen würden.“

Der FDP-Kandidat Felix Sicker wünscht sich mehr Fachleute in Cottbus, die sich um solche Interessenten kümmern. Die Entwicklungsgesellschaft Cottbus (EGC) sei mit sechs Mitarbeitern „viel zu klein, um ordentliche Wirtschaftsförderung zu betreiben“, sagt er. So plädiert Felix Sicker dafür, sie direkt mit den Fachleuten aus Spremberg zusammenarbeiten zu lassen. Im Industriepark Schwarze Pumpe hat der Wirtschaftsförderer ASG seinen Sitz.

Matthias Loehr (Die Linke) glaubt ebenfalls, dass die Zahl der Arbeitsplätze bei der EGC zu gering ist. Die Stadt Cottbus solle stärker mit dem Spree-Neiße-Kreis kooperieren, wenn es um Hilfe für Investoren gehe.

Profil für Ostsee gefordert

Frank Mittag (Unser Cottbus) fordert „so etwas wie eine Taskforce bei der Stadtverwaltung“. Es sei ein Skandal, dass noch nicht einmal ein Bebauungsplan für das TIP-Gelände existiere.

Ein klares Profil bräuchte nach den Worten von Heiko Selka (AUB) auch der Cottbuser Ostsee. Noch sei nicht konkret abzusehen, ob das Gewässer samt seiner Umgebung künftig eher als Badesee dienen werde oder doch als Erlebnisregion.

Vor zu hohen Erwartungen warnt wiederum der SPD-Politiker Gunnar Kurth. „Der See kann kein Allheilmittel sein, aber ein gutes Symbol für den Umbruch in einer Stadt, die sich selbst geholfen hat“, sagt er.

Hans-Joachim Weißflog (Bündnis 90/Die Grünen) erklärt: „Am Ostsee passiert etwas Einzigartiges.“ Obwohl es ihn in seiner vorgesehenen Gestalt noch nicht gebe, existiere bereits eine Planung. „Wir alle machen uns dazu doch konstruktive Gedanken“, sagt Hans-Joachim Weißflog. „Das sollten wir nicht vorher schon schlechtreden.“