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| 13:21 Uhr

Streitpunkt Elefantenhaken
Vor Cottbuser Tierpark: Peta demonstriert gegen Elefanten-Haltung

 Jens Vogt und Ines Hirsch von Peta wollen Besucher des Cottbuser Tierparks am Mittwoch auf schlechte Haltungsmethoden bei der Haltung von Elefanten aufmerksam machen.
Jens Vogt und Ines Hirsch von Peta wollen Besucher des Cottbuser Tierparks am Mittwoch auf schlechte Haltungsmethoden bei der Haltung von Elefanten aufmerksam machen. FOTO: LR / Lydia Schauff
Cottbus. Vertreter der Tierrechtsorganisation haben am Mittwoch vorm Tierpark Cottbus protestiert und die Haltungsbedingungen der beiden Cottbuser Elefanten kritisiert.

„Zoo, das sollte jeder wissen“ steht auf den Flyern, die Ines Hirsch und Jens Vogt von der Tierrechtsorganisation Peta den Besuchern des Cottbuser Tierparks am Mittwochvormittag in die Hand drücken. Mit einem aufblasbaren Elefanten haben sich die beiden Tierrechtler vorm Eingang postiert, um auf die nach ihrer Meinung nach auch in Cottbus unzeitgemäße Haltung der Elefanten aufmerksam zu machen. Jens Vogt, der hauptberuflich als Aktionskoordinator für Peta arbeitet, ist dafür extra aus Stuttgart angereist. In den kommenden Wochen wird er noch vor anderen deutschen Zoos stehen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Am Samstag wird er in Wuppertal sein.

Im Allgemeinen richtet sich der Protest von Peta gegen die nicht artgerechte Haltung nicht nur von Elefanten, sondern von Wildtieren jeder Art, im Speziellen gegen die Verwendung von Elefantenhaken, eine Stange mit einem Aufsatz, der an einen spitzen Garderobenhaken erinnert. Mit diesem werden „die Tiere in ihre empfindlichsten Stellen gestochen und geschlagen. Die Elefanten werden von klein auf auf diese Weise misshandelt, damit sie auch als große starke Tiere kontrolliert werden können“, schreibt die nicht unumstrittene, auch für radikale Aktionen bekannte Organisation Peta dazu auf ihrer Internetseite.

 Ines Hirsch, die sich bei der Cottbuser Gruppe der Tierrechtsorganisation Peta engagiert, hält im Gespräch mit einer Besucherin vorm Tierpark Cottbus die Attrappe eines Elefantenhaken. Am Mittwoch hat Peta vorm Tierpark darauf aufmerksam gemacht, dass der Elefantenhaken auch in Cottbus immer noch zur Anwendung kommt.
Ines Hirsch, die sich bei der Cottbuser Gruppe der Tierrechtsorganisation Peta engagiert, hält im Gespräch mit einer Besucherin vorm Tierpark Cottbus die Attrappe eines Elefantenhaken. Am Mittwoch hat Peta vorm Tierpark darauf aufmerksam gemacht, dass der Elefantenhaken auch in Cottbus immer noch zur Anwendung kommt. FOTO: LR / Lydia Schauff

Kritik: Cottbus verwendet noch Elefantenhaken

Auch in Cottbus, so der Vorwurf, werde der Elefantenhaken noch verwendet. „Das wurde uns von anderen Peta-Mitgliedern berichtet“, sagt Jens Vogt. Videoaufnahmen – wie Peta sie etwa in Hannover gemacht hat – die das dokumentieren, gebe es aber nicht. Der Leiter des Cottbuser Tierparks, Jens Kämmerling, wollte sich am Mittwoch auf RUNDSCHAU-Nachfrage nicht äußern, weder zu der Peta-Aktion noch anderweitig.

Bereits im Mai 2018 war der Cottbuser Tierpark mit dem Vorwurf von Peta konfrontiert, die Elefanten würden mit dem Haken gequält. Kämmerling wies den Vorwurf damals zurück, sagte. „Wir pflegen einen sehr entspannten Umgang mit unseren beiden Elefantendamen. In 90 bis 100 Prozent aller Interaktionen wird der Elefantenhaken überhaupt nicht verwendet.“ Nur in besonderen Fällen, etwa bei einer Behandlung durch den Tierarzt, werde er bereitgehalten. Zudem hätten die in Cottbus verwendeten Haken keine Spitze, könnten die Tiere nicht verletzen. „Wenn die Tiere schon eingesperrt sind, muss das dann auch noch sein“, fragt Ines Hirsch von der Cottbuser Peta-Gruppe, die ihren Kollegen beim Protest unterstützt.

Neben dem Elefantenhaken wird auch die grundlegende Haltungsweise der Cottbuser Elefanten von Peta kritisiert. So werde hier auf den direkten Kontakt, bei dem die Pfleger ins Gehege gehen und mit den Tieren interagieren, gesetzt. „Die Tiere werden dabei durch den Pfleger als ‚Ersatz’-Leittier dominiert, was keine artgerechte Haltung im eigentlichen Sinne darstellt“, heißt es auf der Internetseite vom Deutschen Tierschutzbund dazu.

 Jens Vogt, Aktionskoordinator von Peta, ist aus Stuttgart angereist um vor dem Tierpark Cottbus darauf aufmerksam zu machen, dass Elefanten seiner Meinung nach in Zoos nicht artgerecht und mit falschen Methoden gehalten werden.
Jens Vogt, Aktionskoordinator von Peta, ist aus Stuttgart angereist um vor dem Tierpark Cottbus darauf aufmerksam zu machen, dass Elefanten seiner Meinung nach in Zoos nicht artgerecht und mit falschen Methoden gehalten werden. FOTO: LR / Lydia Schauff

Geschützter statt direkter Kontakt

Peta fordert deshalb von allen Zoos und Tierparken auf die Methode des „geschützten Kontakts“ zu wechseln, bei der die Pfleger gar nicht mehr ins Elefanten-Gehege gehen, sondern alles nur noch von außen und abgetrennt durch Gitter vornehmen. Einige Zoos, so Peta-Koordinationsleiter Jens Vogt, arbeiteten mit ihren Elefanten mittlerweile im geschützten Kontakt, der Zoo Osnabrück oder auch der Zoo Köln sind hier Beispiele.

Der geschützte Kontakt, sagte Tierparkleiter Jens Kämmerling der RUNDSCHAU bereits im Mai 2018 sei in Cottbus zwar technisch machbar, aber ungeeignet für die beiden Elefantendamen Sundali und Karla, die in den fast 50 Jahren, in denen sie im Tierpark leben, zu ihren Tierpflegerinnen ein besonderes Vertrauensverhältnis entwickelt hätten. Dennoch müssten die Pflegerinnen im täglichen Umgang ihre Position gegenüber den Tieren behaupten.

Elefantenschutzverein bescheinigt gute Bedingungen

2017 hatte der Elefanten-Schutz Europa e.V. dem Cottbuser Tierpark bescheinigt, dass die Elefanten hier unter guten Bedingungen leben. „Nur in Einzelfällen sind fähige Pfleger in der Lage, bei dafür geeigneten Elefanten-Individuen ohne regelmäßige Dominanzbekundungen auszukommen. In Einzelfällen (zum Beispiel bei alten Tieren) kann die Haltung im DC (Direkt Contact – direkter Kontakt) jedoch tolerabel sein, wenn sie entsprechend elefantengerecht und an die Bedürfnisse der Tiere angepasst ist (Beispiel Cottbus)“, äußerte der Verein in einem Gespräch mit zoos.media im April 2017.

Annette Lagatz aus Burg (Spreewald), die gemeinsam mit einer Freundin an diesem Mittwoch zum Tierpark-Besuch nach Cottbus gekommen ist, hat gerade einen Peta-Flyer gegen die Elefantenhaltung in die Hand gedrückt bekommen, sagt: „Ich habe mich mit dem Thema bisher noch gar nicht so befasst. Aber ich war schon mehrfach im Tierpark und ich habe persönlich noch nie gesehen, dass dieser Elefantenhaken verwendet wurde. Ich glaub nicht, dass die Tiere hier Schaden nehmen, die leben ja auch schon so lange hier.“ Sie würde sich über andere Themen viel mehr Sorgen machen, etwa um die Haltung der Zehntausenden Schweine in der Mastanlage Tornitz und über den Schaden, die ausgelaufene Gülle dort den Äckern und Böden zugefügt hat.

Zoos und Tierparks abschaffen

Einige Flyer können die Peta-Vertreter in den zwei Stunden, in denen sie da sind verteilen. Einige der Tierparkbesucher nehmen sie eher beiläufig, andere bleiben kurz stehen und hören sich an, was Ines Hirsch erzählt, wieder andere sagen gleich, dass interessiere sie nicht. Klar sei, so Jens Vogt, dass nicht jeder Tierpark sofort auf die neue Haltung umstellen könne. Doch irgendwann sollte es seiner Ansicht nach gar keine Zoos und Tierparks mehr geben, sollten wilde Tiere unabhängig vom Menschen in ihrer natürlichen Umgebung leben können. „Dann muss man eben auf eine Safari fahren, wenn man wilde Tiere sehen möchte.“ Es sei generell fraglich, ob es überhaupt nötig ist, Wildtiere zu sehen. „Es gibt im Leben ja auch so viele andere Dinge, die man nicht machen oder sehen kann“, so Vogt.