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Von Teichgeistern und Fischdieben

Am Hammerteich erklärt Dietrich Kunkel (re.) Teilnehmern der RUNDSCHAU-Sommertour, was den Peitzer Karpfen so besonders macht.
Am Hammerteich erklärt Dietrich Kunkel (re.) Teilnehmern der RUNDSCHAU-Sommertour, was den Peitzer Karpfen so besonders macht. FOTO: Mariell Begemann
Cottbus. "Wer in einem Teich ertrinkt, ist nur zu faul zum Aufstehen." So heißt es in einem Fischersprichwort, das Dietrich Kunkel vom Peitzer Förderverein Hüttenwerk am Peitzer Hammerteich in Erinnerung kommt. Jenny Theiler

Was für gewöhnlich streng verboten ist, wurde den Teilnehmern der RUNDSCHAU-Sommertour am vergangenen Freitag ermöglicht - eine spannende Wanderung durch die Peitzer Teichlandschaft. Bei angenehmem Wetter und in lockerer Atmosphäre kamen nicht nur Freunde der Fischerei auf ihre Kosten. Mit kurzweiligen Anekdoten und umfangreichem Fachwissen erklärte Dietrich Kunkel unter anderem den Zusammenhang von Karpfen- und Entenzucht, was einem Fischdieb im 17. Jahrhundert blühte und warum Karpfen manchmal einen gelben Bauch haben.

Mit einer Fläche von 860 Hektar ist die Peitzer Teichlandschaft das größte zusammenhängende Teichgebiet in Deutschland und das zweitgrößte in Europa. Dietrich Kunkel führt die Exkursion um den, am Hüttenwerk gelegenen, Hammerteich. "Auf jedem Stück Weg erwartet Sie ein Stück Geschichte", verspricht der Projektmanager und beginnt mit einem historischen Abriss über die Peitzer Fischzucht, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Mehr als 30 Teiche gehören zur angelegten Kulturlandschaft und werden mit Wasser aus dem Hammergraben versorgt. "Unsere Teiche sind wie große Badewannen", erklärt Dietrich Kunkel, denn anders als Seen sind Teiche für die Fischzucht komplett künstlich angelegt und können durch einen Stöpsel ausgelassen werden. Mit einer durchschnittlichen Tiefe von gerade einmal 80 bis 100 Zentimetern werden Wärmeschichten im Wasser vermieden, denn Karpfen sind wechselwarme Tiere und fühlen sich bei einer Wassertemperatur von 18 Grad am wohlsten. Durch den niedrigen Wasserstand ist der Boden nicht schlammig und bildet außerdem eine wesentliche Naturnahrungsquelle für die Fische.

Mit einer Fläche von knapp 500 Quadratmetern ist die kleine Walke der kleinste der Peitzer Teiche. Als sich Tuchmacher in Peitz ansiedelten, bestanden sie auf eine Walkmühle, zur Erleichterung ihrer Arbeit. Der kleine Teich wurde daraufhin als Wasserreservoir angelegt, um die Walke in Gang zu bringen. Später hätten die Tucher den Teich verbotenerweise benutzt, um ihre Stoffe zu färben, erzählt Dietrich Kunkel.

Ein paar Meter weiter befindet sich die Oberwalke. In diesem größeren Teich befinden sich die Laichfische, also die derzeitige Elterngeneration der künftigen Speisekarpfen. In den Köhrungsrichtlinien sind die genetischen Zuchtvorgaben festgelegt, die den Peitzer Karpfen so einzigartig machen. Der dunkle Süßwasserfisch wächst sehr schnell und hat nach Peitzer Zucht einen besonders hohen Rücken. Das Verhältnis von Gräten und Fleisch ist im Peitzer Karpfen sehr ausgewogen. Einige Fischereibetriebe füttern ihre Karpfen mit Mais, damit sie möglichst schnell Fett ansetzen. Diese Fische haben einen gelben Bauch und für gewöhnlich auch sehr fettes Fleisch. In Peitz wird auf Mais verzichtet und nur mit Getreide und Naturnahrung gefüttert. Nach vier Jahren wird der Karpfen in den Verkauf gegeben, dann hat er ein Gewicht von durchschnittlich 1,3 Kilogramm. Karpfen können bis zu 60 Jahre alt werden und sogar ein Kampfgewicht von 40 Kilogramm erreichen.

Der Karpfen brachte der Region im 18. Jahrhundert Ruhm und Geld ein, denn das Fischvorkommen war im Umland stark begrenzt. 1897 wurde der Peitzer Karpfen erstmalig ausgezeichnet. Dennoch sorgte der Fischereibetrieb für Unmut in der Bevölkerung. Die Fischer mussten die Last der Karpfenzucht ertragen, bekamen aber selbst nicht einen einzigen Fisch, da die Tiere teuer verkauft wurden. Wer es wagte, einen Karpfen zu stehlen, musste im 17. Jahrhundert sogar mit der Todesstrafe rechnen.

Auf der anderen Seite des Hammerteiches steht eine heruntergekommene Industriebaracke mit eingeschlagenen Scheiben. "Hier wohnen die Teichgeister", scherzt Dietrich Kunkel und erklärt, dass an dieser Stelle des Teiches früher Enten gezüchtet wurden. Damit die Schwimmvögel die Karpfenzucht nicht gefährden, versuchte man, sie durch konzentrierte Fütterungen von den Laichteichen wegzutreiben. Da Entenkot allerdings einen düngenden Effekt auf den Teichboden hat, wurde beschlossen, die Enten- und die Fischzucht zu koppeln. Dieses geschickte Arrangement funktionierte zu DDR-Zeiten gut. In den 70er Jahren wurde die Entenzucht eingestellt, weil die Vögel Füchse anzogen, die wiederum die Karpfen gefährdeten.