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"Von sorbisch Sibirien ins Freizeitparadies?"

Titelbild des "Zeit-Reise-Führers 2" (Ausschnitt).
Titelbild des "Zeit-Reise-Führers 2" (Ausschnitt). FOTO: Repro
Cottbus. Was ist ein Zeit-Reise-Führer? Im konkreten Fall ein Lesebuch zur Geschichte der Kulturlandschaft Niederlausitz/südliche Lubuskie. Der Leser kann die Reise auf dem heimischen Sofa antreten. "Noch mehr hoffen wir aber, dass ihn die Lektüre ins Gelände treibt", schreiben die Herausgeber Prof. Dr. Günter Bayerl (Cottbus) und Prof. Dr. Leszek C. Belzyt (Zielona Gora) in "Kultur-Landschaft im Zentrum Europas". Ulrike Elsner

Nach dem im Herbst vorgestellten Band 1 "Adelslandschaft, Industrielandschaft, Zukunftslandschaft" hat das deutsch-polnische Autorenkollektiv die Fortsetzung in Rekordzeit vorgelegt. Diesmal steht die Kulturgeschichte beidseits der Neiße im Mittelpunkt. Ein Handbuch für ein Fachpublikum ergänzt den populären Band, der bei aller Eingängigkeit nicht auf Wissenschaftlichkeit verzichtet. Das garantiert schon das hochkarätige Autorenteam des gemeinsamen Projekts von Brandenburgischer Technischer Universität Cottbus-Senftenberg und Uniwersytet Zielongórski, das mit mehr als 400 000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) gefördert wurde. Neben gestandenen Wissenschaftlern finden sich auch talentierte Vertreter des wissenschaftlichen Nachwuchses auf der Autorenliste.

Es sei nicht darum gegangen, Objekte zu beschreiben, sondern historische Zusammenhänge am Objekt sichtbar zu machen, betont Prof. Günter Bayerl im RUNDSCHAU-Gespräch.

Während der erste Zeit-Reise-Führer vor allem einen historischen Einblick in die Entwicklung der materiellen Kulturtechniken gewährt, mit denen der Mensch seinen Lebensunterhalt schafft, geht es diesmal um die weiterführenden Kulturen.

So befasst sich der Cottbuser Reisejournalist André Micklitza mit den "Kirchen und Klöstern im Cottbuser Land und der südlichen Lubuskie". Der Komponist und Autor Bernd Weinreich porträtiert "Die Niederlausitz und die südliche Lubuskie als musikalische Region". Lars Scharnholz, Heidi Pinkepank und Sebastian Hettchen vom Institut für Neue Industriekultur beschäftigen sich mit "Architektur, Siedlung, Kulturlandschaft" und BTU-Student Patryk Czechowski widmet sich "Flussgeschichte(n) beiderseits der Oder-Neiße-Linie".

"Von sorbisch Sibirien ins Freizeitparadies?" hat Günter Bayerl eine Passage seines Aufsatzes zum Thema "Rückbau, Umbau, Neubau" etwas provokant überschrieben. Darin schildert er die Umweltprobleme zur Endzeit des sozialistischen Systems und den anschließenden gewaltigen Sanierungsvorgang, bei dem Tagebaue zu Ferienlandschaften wurden.

Im zweiten Teil des Buchs sind Städtetouren detailreich beschrieben. Dabei werden neben den architektonischen und historischen Hauptsehenswürdigkeiten für die Städte Guben/Gubin, Zagan, Zary, Nowa Sól und Zielona Góra auch Ausblicke auf deren Gewerbe- und Industriegeschichte gewährt. Selbst Cottbuser, die ihre Stadt ganz gut zu kennen glauben, werden in der Madlower-Schluchten-Tour manch Neues erfahren. Kenntnisreich beschrieben hat das Sieglinde Sack vom Naturwissenschaftlichen Verein der Niederlausitz. Diese Tour ist es wie die anderen auch wert, unter die Wanderschuhe genommen zu werden. Am besten mit dem "Zeit-Reise-Führer 2" im Rucksack.

Erhältlich demnächst in der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung