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Von Schiffen, die nicht schwimmen

Martin Goldmann, Hans-Holger Schmidt und Claudia Düsing (v.l.) mit eigenen Arbeiten oder Modellen davon beim Theatertreff.
Martin Goldmann, Hans-Holger Schmidt und Claudia Düsing (v.l.) mit eigenen Arbeiten oder Modellen davon beim Theatertreff. FOTO: Elsner
Cottbus. "Von der Herkunft und Vergänglichkeit der Theaterrosen" – das Motto des jüngsten Theatertreffs hat dem Verein der Freunde und Förderer des Staatstheaters wiederum ein volles Kammerbühnen-Foyer gebracht. Allerdings waren die Rosen eine Untertreibung. Ulrike Elsner

Denn im Gespräch mit Moderatorin Gabi Grube berichteten die Gäste des Abends meist über viel größere Dinge wie die beiden Drachen für die "Turandot"-Inszenierung, die schon mal zur Probe ihre Wirkung entfalteten, oder ein Modell des aufwendigen Bühnenaufbaus für "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Kostüm- und Bühnenbildner Hans-Holger Schmidt, Theaterplastikerin Claudia Düsing und Werkstattleiter Martin Goldmann vermittelten auf vergnügliche Weise, wie durch das Bühnenbild die Illusion der Theaterwelt erst perfekt wird.

Überdimensionale Tortenstücke, eine riesige Libelle als Kopfschmuck oder ein Modell des Hexenhauses in "Hänsel und Gretel" - zu sehen gab es an diesem Abend einiges. Jeder Bäcker wäre froh über eine solche Schaufensterdekoration bemerkte Gabi Grube angesichts der Erdbeertorte aus "Bunbury". Wohl kaum, entgegneten die Gesprächspartner, denn diese Torte ist auf Fernwirkung ausgerichtet. "Wir bauen Türen, Fenster, Tische, Fässer. Aber unsere Fässer sind nicht wasserdicht", erläuterte Martin Goldmann. Auch wolle sich niemand eine so große Libelle in die Wohnung stellen, zeigte sich Claudia Düsing sicher, die nach einer Ausbildung zur Theatermalerin am Hans-Otto-Theater Potsdam ein Studium der Theaterplastik absolviert hat und am Staatstheater auf beiden Gebieten tätig ist.

Hans-Holger Schmidt, der aus einer Theaterfamilie stammt - der Vater Sänger und die Mutter Maskenbildnerin - hat nach Bauzeichnerausbildung und Abendschul-Abi mit einem Regie- oder Musikstudium geliebäugelt. Nach einem Praktikum beim legendären Chefszenenbildner der Defa-Studios Babelsberg, Alfred Hirschmeier wurde es Bühnenbild. Ein Bühnenbildnerstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee folgte. Als dann Schmidts Diplomarbeit "Lassalle fragt Herrn Herbert nach Sonja" von Christoph Hein aus politischen Gründen gecancelt wurde, schlug Hirschmeier einen Film als Alternative vor. Hans-Holger Schmidts Diplom(kurz)film "Willkommen in der Kantine" (Regie Peter Welz) von 1988 ist bald auf vielen Wettbewerben gezeigt worden.

Im Jahr 2005 ist der Kostüm- und Maskenbildner vom Theater Altenburg/Gera nach Cottbus gekommen. "Das Geheimnis der Wolfsschlucht" war seine erste Arbeit am Staatstheater.

Werkstattleiter Martin Goldmann kann noch in diesem Jahr ein Jubiläum feiern. Am 1. September ist er 40 Jahre am Theater. Doch der Dresdner, der eigentlich Klempner werden wollte, hat als junger Mann ein Lehrstellenverzeichnis so aufgeschlagen, dass sein Blick auf die Angebote der damals noch unsanierten Semperoper fiel. Martin Goldmann wurde Tischler beim Staatsschauspiel Dresden, schon mit 21 Meistervertreter. Und, davon hat sich der jetzige Cottbuser kürzlich überzeugt, die von ihm 1981 für "La Bohème" zusammengenagelten Latten halten immer noch.

Goldmanns erste Cottbuser Arbeit war "Jenufa". Damals standen 25 000 D-Mark für die Bühne zur Verfügung gestanden, heute sind es für ähnliche Inszenierungen 12 000 Euro. Sparsamkeit ist angesagt. Dass Bühnenbilder für Opern aber unbedingt teurer sind, hält er für eine Legende. "Im Schauspiel gibt es jede Menge Klapptüren und Tische, die sich wie von Geisterhand bewegen", so Goldmann. Allerdings ist hier wie dort kaum etwas so, wie es scheint. Auf die Frage, ob sich das Schiff aus "Zar und Zimmermann" nicht als Attraktion für den Ostsee eignen würde, räumt der Werkstattleiter ein, dass dessen Holz "in den ,Hauptmann von Köpenick' eingeflossen" ist. Das ist aber nicht schlimm. Denn es konnte nicht schwimmen.