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| 19:30 Uhr

Cottbus
Politik nervt mehr als die Dürre

Die beiden CDU-Politiker Klaus-Peter Schulze (r) und Michael Schierack (2.v.l.) diskutieren mit dem Chef der Kahrerner Agrargenossenschaft Christian Kuhlmann (2.v.r.) und dessen Leiter Pflanzenproduktion René Matusch, was den Landwirten wirklich helfen würde.
Die beiden CDU-Politiker Klaus-Peter Schulze (r) und Michael Schierack (2.v.l.) diskutieren mit dem Chef der Kahrerner Agrargenossenschaft Christian Kuhlmann (2.v.r.) und dessen Leiter Pflanzenproduktion René Matusch, was den Landwirten wirklich helfen würde. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Kahrener Agrargenossenschaft wünscht sich bei Abgeordnetenbesuch mehr Zuverlässigkeit. Von Peggy Kompalla

Christian Kuhlmann ist seit elfeinhalb Jahren Chef der Agrargenossenschaft Kahren/Branitz. Dabei wirkt er so jugendlich, als liege seine Ausbildung nicht allzu weit zurück. Der 39-Jährige redet nicht lange drumherum. „Die Politik ist der Unsicherheitsfaktor Nummer eins für uns.“ Der Satz sitzt. Denn ihm gegenüber sitzen am Dienstagnachmittag drei CDU-Politiker: der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze, der Brandenburger Landtagsabgeordnete Michael Schierack und der Cottbuser Stadtverordnete Wolfgang Bialas. Dabei hat das Wetter den Betrieb auch nicht gerade geschont.

Die Kahrener sind auf die Milchproduktion spezialisiert. In ihren Ställen stehen 500 Tiere, davon sind 250 Milchkühe. Dazu kommen 1400 Hektar Flächen. „So früh waren wir mit der Ernte noch nie durch“, sagt der Chef. Ende Juli sei das Getreide drin gewesen. Aber das ist keine Erfolgsgeschichte. Durch die Trockenheit leide der Betrieb unter extremen Ernteausfällen. Beim Getreide sei es ein Minus von 46 Prozent. „Beim Feldfutter ist es noch nicht absehbar. Aber die Ausfälle werden bei mehr als 50 Prozent liegen.“ Unterm Strich bedeute das ein Minus von mehreren 100 000 Euro für den Betrieb.

Diese hohe Summe komme auch deshalb zustande, weil selbst das eingefahrene Getreide durch die Trockenheit nur sehr kleine Körner ausgebildet hat. „Das kann man nur noch als Futtermittel verkaufen. Damit wird auch der Preis gedrückt“, sagt Kuhlmann bitter. Ihre Tiere bekommt die Genossenschaft allein durch. „Meine Vorgänger haben uns ein gutes Futtermittelmanagement gelehrt. Wir haben genug in der Reserve.“ Damit stünden die Kahrener vergleichsweise gut da.

2018 sei das dritte schlechte Ernte-Jahr in Folge. Die Wetter-Extreme häufen sich. Dem könnten sich die Betriebe nur mit einer Kulturenvielfalt entgegenstellen. Die Kahrener haben so beispielsweise Raps aufgegeben. Und setzen nun auf Sonnenblumen als Ölpflanze, wie René Matusch, Leiter Pflanzenproduktion, erklärt. Neu im Kahrener Sortiment sei auch die Lupine. Eine Bewässerung sei unrealistisch, da die Flächen im Tagebau-Einzugsbereich liegen, wo das Grundwasser abgesenkt wird.

Wirklich helfen würde aus Sicht des Bauern Kuhlmann vor allem eine verlässliche Politik. Dazu gehöre auch, dass die Prämien und Fördermittel planbar an die Betriebe überwiesen werden. Der Landwirt macht dann noch einen Vorschlag: „Eine Entlastung wäre es auch, wenn für die Landwirte die Pachtzahlungen an die staatlichen Bodenverwaltungsunternehmen wie die BVVG oder die Brandenburger Boden GmbH ausgesetzt würden.“ Den Hinweis will Schulze an das Bundeslandwirtschaftsministerium übermitteln. Der Landtagsabgeordnete Schierack nimmt ihn nach Potsdam mit.

Wirklich geholfen sei den Bauern allerdings erst, wenn die Preise anziehen. Für Milch müssten sie bei 35 Cent je Liter liegen. Derzeit bekommen die Milchbauern 30 Cent. Aber auch für die Feldfrüchte müsste mehr bei den Landwirten ankommen. „Dann könnten wir von unseren Produkten leben und nicht von der EU“, betont René Matusch.