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Von Politik über Patienten bis Panzerglas

Moderator Jens-Uwe Hoffmann mit seinen Gästen Linda Teuteberg, Frank Sitta, Dr. Götz Brodermann und Lutz Heßlich (von links) beim 13. Scheunentalk in Cottbus.
Moderator Jens-Uwe Hoffmann mit seinen Gästen Linda Teuteberg, Frank Sitta, Dr. Götz Brodermann und Lutz Heßlich (von links) beim 13. Scheunentalk in Cottbus. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Wolfgang Kubicki, der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, kam am Donnerstag nicht wie angekündigt zum 13. Scheunentalk in die voll besetzte Cottbuser Theaterscheune. Frank Hilbert

Während Kubicki die Jamaika-Verhandlungen in Schleswig-Holstein am Laufen halten musste, ließ er sich vom FDP-Landesvorsitzenden in Sachsen-Anhalt, Frank Sitta, vertreten.

Ihm zur Seite die Spitzenkandidatin der Liberalen in Brandenburg für die Bundestagswahl Linda Teuteberg. Beide wurden von Moderator Jens-Uwe Hoffmann umfänglich nach ihrer Vita und ihren jeweiligen Lebenspartnern befragt, wobei es erwartungsgemäß unspannend zuging.

Auch bei den politischen Fragen blieb Hoffmann an der Oberfläche, überforderte manchmal die beiden mit zu komplexen Fragestellungen. Frank Sitta: "Jetzt haben sie ungefähr zehn Sachen gleichzeitig gefragt." Kaum ein regionaler Bezug beim 70-minütigen Talk mit den FDP-Gästen aus Potsdam und Sangerhausen.

Anders dann beim bis dahin nicht zu Wort gekommenen Geschäftsführer und Ärztlichen Direktor des Carl-Thiem-Klinikums (CTK) Dr. Götz Brodermann. Er machte unter anderem darauf aufmerksam, dass das CTK ein "wirtschaftlich gesundes Haus" sei, dass seine Gewinne "komplett reinvestieren" könne. Jedoch müsse man sich auch als einziger "Vollsortimenter" zwischen Berlin, Leipzig und Dresden dem Wettbewerb stellen. "Ein Klinikum wie das CTK muss sich eigentlich immer wieder neu erfinden. Daher haben wir auch eine neue Notaufnahme gebaut."

Hinzu käme die Tatsache, dass in den nächsten zehn Jahren 20 Prozent der Pflegekräfte des CTK in Rente gingen. Doch das eigentliche Problem sei die Ärzteschaft in der Republik. "Wir haben in drei Jahren 30 000 freie Stellen im ärztlichen Bereich. Wir bilden zu wenig Ärzte aus."

Daher habe das CTK ein Integrationsprogramm für ausländische Ärzte initiiert. "25 Prozent unserer Ärzte im Haus sind nicht Muttersprachler. Aber die Sprache ist ein wichtiger Zugang zum Patienten." Mit einem engmaschigen Betreuungssystem und einer eigenen Deutschlehrerin wolle man diesen Ärzten unter anderem zur Seite stehen, betonte der CTK-Chef.

Die Cottbuser Radsportlegende Lutz Heßlich plauderte dann nicht nur über ihre grandiosen sportlichen Erfolge, sondern auch, wie er sich vor 27 Jahren in der Külz-Straße mit einem eigenen Fahrradcenter selbstständig gemacht hat: "Das Haus hat eine Million D-Mark gekostet. Ich habe damals meinen Lada an die Bank verpfändet", sagte er launig. Und um die Bank zu überzeugen, habe er sich an die Straße gesetzt und Fahrräder gezählt. "Ich habe mir danach gesagt: Das passt! Und bin damit zur Bank gegangen."

Heute kann man die Trophäen seiner sportlichen Erfolge in seinem Geschäft unter Panzerglas anschauen. Darunter auch den Großen Stern der Völkerfreundschaft - eine DDR-Auszeichnung, die nur vier Sportler erhalten hätten: "Katarina Witt, Kristin Otto, Olaf Ludwig und ich kleene Pfeife", sagte er gut gelaunt zum Publikum.

Wie Lutz Heßlich der RUNDSCHAU verriet, seien die Trophäen gut gesichert, die Panzerglasscheibe wiege 250 Kilogramm. "Die haben wir mit zehn Mann eingesetzt."