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Wandern im Wald
Von Nadelholzmisteln und Kiefern

Neujahrswanderung 2018 Kolkwitz
Neujahrswanderung 2018 Kolkwitz FOTO: Marion Hirche
Kolkwitz. Rund 50 Männer und Frauen  wanderten am Neujahrsmorgen mit dem Förster im Kolkwitzer Wald. Neben Wissenswertem gab es auch den einen oder anderen Lacher.

Die Neujahrswanderung des Naturschutzvereines Kolkwitz hat auch 2018 das Veranstaltungsjahr eingeleitet. Die rund 50 Teilnehmer konnten im Kräutergarten des Forsthauses nach der Wanderung wieder  warme Getränke zu sich nehmen,  Bratwurst am Stock im Lagerfeuer grillen und den Programmplan 2018 mitnehmen. Letzterer reicht vom Auftakt bis zur Sternenwerkstatt am 10. Dezember und hat mit dem großen Kürbistag am 29. September seinen Höhepunkt.

Am ersten Tag des neuen Jahres  ging es diesmal durch den Wald  auf der anderen Straßenseite, zuerst entlang der Hochspannungsmasten. Förster Achim Nugel hatte wieder viele Informationen  parat.  An Baumstammstapeln erfuhren die Neujahrswanderer von der Einteilung des Holzes nach Nutzungswert, hörten auch, dass der große Reisighaufen so lange liegen bleibt,  bis die Nadeln abgefallen sind, und dann werden daraus Hackschnitzel gemacht.

Karla Fröhlich vom Naturschutzverein machte auf die seltenen Nadelholzmispeln aufmerksam: „Ehe aus denen eine 50-Zentimeter-Kugel wird, vergehen etwa 30 Jahre.“ Eine Teilnehmerin machte darauf aufmerksam, dass mittlerweile dieser botanische Parasit zu Krebsheilzwecken genutzt wird.

Torsten Würfel aus Kunersdorf genoss zusammen mit Hündin Cora den Spaziergang bei der herrlichen frühlingshaften Witterung: „Ich mache was für mich und den Hund. Die Natur ist doch sehr schön und so setze ich gute Vorsätze um.“  Auch für ihn waren die Informationen des Försters über das Waldstück, wo Bäume gekennzeichnet sind, die später gefällt werden sollen, neu. „Allerdings darf der Waldbesitzer nicht zu viele runtermachen, dann ist es Kahlschlag und dann ist er zur Wiederaufforstung verpflichtet“, erklärte Achim Nugel.

Zu den interessanten Stationen gehörte die umgefallene Kiefer. „Eigentlich sind bei den beiden Stürmen in den letzten Monaten relativ viele Laubbäume umgefallen. Kiefern sind aufgrund ihrer Pfahlwurzeln nicht so gefährdet, aber die hier war wohl besonders hoch, sodass es sie erwischt hat“, beschrieb der Waldkenner das Schicksal des Umfallers.

Auch den Stamm hat er vermessen und dann nachgeschaut, was der Baum bei Holzverkauf bringen kann.  Überhaupt spielten Bücher bei dieser Wanderung eine wichtige Rolle. So staunten auch die  Kochans aus Kolkwitz nicht schlecht, als Nugel aus dem Jahrbuch der königlich-preußischen Regierung von 1853 zitierte über Wetter, besondere Ereignisse, Naturerscheinungen und Tote. „Beim Wetter klingt das alles ein bisschen so wie jetzt“, bemerkte  Patrizia Kochan-Krüger, die sich freute, dass sie es mit Sohn Tim und Ehemann Steffen endlich zur Neujahrswanderung geschafft hatten. Unterwegs entdeckten die  Neujahrswanderer auch Preiselbeerpflanzen mit Früchten, Heidelbeersträucher und noch wachsende Pilze.

Zum Schluss gab es noch einen Lacher: An einer kleinen Douglasie und einer schon etwas größeren Buche zitierte Achim Nugel noch einmal aus dem 165 Jahre alten Buch: „Im Dezember war es feucht, neblig, mild. Es  gab einen großen Brand in Goßmar und  ein Mann kam zu Tode durch Sturz von einem Heuschober.“ Einer der Teilnehmer meinte scherzend: „Also gab es schon damals die Sensationspresse.“

Mit dem Lacher auf den Lippen gingen die meisten nach Hause. Mancher hatte auch die Zeilen vom Tagesauftakt von Eva Strittmatter im Kopf: „Ich wehre mich, daran zu glauben, dass ich zu alt für Wunder bin …“