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Von Holzwürmern in einem Sarglager

Birgit Bestvater musste nach der Lesung jede Menge Autogramme geben.
Birgit Bestvater musste nach der Lesung jede Menge Autogramme geben. FOTO: Elsner
Cottbus. Die skurrilsten Dinge geschehen in Birgit Bestvaters Kinderbuch "Betula Krummnagel – der Fluch des fröhlichen Sargtischlers". Die gebürtige Cottbuserin hat ihren Erstling jetzt in der Stadt- und Regionalbibliothek in der Berliner Straße vorgestellt und damit zwei Klassen aus der Sportbetonten Grundschule Cottbus und der Grundschule Sielow von der ersten Minute an gefesselt. Ulrike Elsner

Betula Krummnagel verbringt die großen Ferien bei ihrem Großvater. Schade nur, dass der so viel in seiner Tischlerwerkstatt zu tun hat. Doch kurz bevor sich bei Betula Langeweile breitmachen kann, passieren plötzlich ganz ungewöhnliche Dinge. Da bringt die Briefträgerin eine Postkarte von Großvaters Schwester Martha, die eigentlich schon lange tot sein soll. Schließlich fangen noch die Holzwürmer an zu sprechen, die in Marthas altem verschlossenen Sekretär wohnen.

Betula lässt sich von all dem nicht aus der Ruhe bringen. Sie macht sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Großtante und findet sie in einem Altersheim am Rande der Stadt.

Die Autorin, studierte Betriebswirtschaftlerin, kann aus einer an Abenteuern reichen Kindheit schöpfen. Auch ihr Großvater war Sargtischler. Zwar habe er Fenster und Türen gebaut, doch es gab vor der Terrasse seines Hauses ein altes Sarglager mit schaurig-spannender Anziehungskraft auf ein Kind, erinnert sich die 45-Jährige.

Auf diesem Erfahrungsschatz basiert die Fantasiewelt der Autorin, in der Betula Krummnagel zu Hause ist. Dort sind alle ein bisschen verrückt, dabei aber durchaus liebenswürdig. So wie die unaufhörlich häkelnde Nachbarin Zwirnfitz oder die gar nicht so böse, dafür aber unendlich traurige Großtante Martha.

So wie Martha kann auch Betula plötzlich die Holzwürmer reden hören: das Tenörchen, den Wurm mit dem englischen Akzent und die Baronesse - wunderbar, wie die Autorin beim Lesen jedem Einzelnen ein unverwechselbares Profil gibt. Mit Fantasiegeschichten für ihre Kinder habe das Schreiben für sie begonnen, erzählt die dreifache Mutter, die heute mit ihrer Familie in Speyer zu Hause ist.

Ihr Traum, mehr aus den ersten Schreibversuchen zu machen, hat sich erfüllt. Derzeit entsteht eine Fortsetzung der Betula-Krummnagel-Geschichte.

Dazu bedarf es allerdings einiger Selbstdisziplin. "Am Vormittag wird geschrieben", erzählt Birgit Bestvater. Am Nachmittag arbeitet die ehemalige Mitarbeiterin eines Berliner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsbüros als Yogalehrerin.

Ob es der zehnjährigen Protagonistin gelingt, ausgestattet mit einer Taschenlampe, einem verrosteten Wecker und einer großen Portion Mut, den alten Fluch der Krummnagels zu bannen, hat die Autorin nicht verraten, dafür aber jede Menge Lust aufs Lesen verbreitet. "Ich möchte das Buch gern selber zu Ende lesen", sagt Julie Piossek aus der Klasse 4b der Sportbetonten Grundschule Cottbus. Auch ihr Mitschüler Georg Schreurs findet die Geschichte äußerst spannend.