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| 12:56 Uhr

Cottbus früher und heute
Von Hindenburg zur Sanzebergbrücke

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Die Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Hindenburgbrücke – basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt.

Im Cottbuser Anzeiger vom 16. Mai 1925 heißt es: „Im Stadtbebauungsplan ist bekanntlich im Norden des Stadtgebietes auf dem Gelände zwischen Schlachthof und großem Spreewehr die Anlage eines neuen Parks vorgesehen, der in seiner ganzen Länge von der Spree begrenzt wird. Dieser Nordpark wird ein Gegenstück sein zu dem im Süden gelegenen Volkspark.“ In weiser Voraussicht hatten die Cottbuser Stadtväter bereits vor dem Ersten Weltkrieg Grundstücke aufgekauft, um sowohl im Süden als auch im Norden der Stadt großflächige Wald- und Erholungsparks für die Bevölkerung anzulegen.

Während im Süden ab dem Jahr 1909 der Kaiser-Wilhelm-Augusta-Viktoria-Park entstand, konnte die Stadt erst nach dem Ersten Weltkrieg und den Inflationsjahren an die Schaffung der geplanten nördlichen Parkanlage, die wie ein kleiner Spreewald werden sollte, gehen. Anlässlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg am 2. Oktober 1927 beschlossen die Stadtverwaltung und die Stadtverordneten den neu entstandenen Nordpark in Hindenburgpark umzubenennen.

In dieser Zeit, in den Jahren 1926 und 1927, erhielt Sandow einen längst überfälligen Anschluss an das Hauptnetz der Cottbuser Kanalisation. Dieser Anschluss führte unterhalb der Spree von der Sandower Seite zur Cottbuser Seite. Zum Schutz der Anlage unter Wasser wurde an dieser Stelle eine Fußgängerbrücke über die Spree gebaut, deren vier Pfeiler die Abwasseranlage darunter sicherten. Auf jedem Pfeiler und den Widerlagern der Brücke sorgten jeweils ein Paar Laternen für eine ausreichende Beleuchtung auf der Brücke.

Der Cottbuser Anzeiger und auch die Lausitzer Landeszeitung berichten umfangreich über dieses Bauprojekt – sogar ergänzt um Bauzeichnungen. Die Brücke war ein Schmuckstück innerhalb des park­artigen Geländes und wurde natürlich besonders gern von den Sandowern auf ihren Ausflügen in den neuen Hindenburgpark und zur Spreewehrmühle genutzt. Die Brücke erhielt ebenfalls den Namen des Reichspräsidenten.

Schwere Hochwasser Ende der 1920er-Jahre zerstörten große Teile der Parkanlage, die nie mehr so hergerichtet wurde, wie sie ursprünglich angelegt war. Die Hindenburgbrücke selbst wurde im letzten Kriegsjahr 1945 gesprengt, weil man glaubte, die herannahende Front aufhalten zu können. Erst relativ spät folgte der Wiederaufbau der Brücke. Wobei die Brückenpfeiler und Widerlager Wiederverwendung fanden. Die Bauausführung lag in den Händen der Firma Walter Schupp. Beim Neubau handelte es sich um ein schlichtes Plattenbalkenbauwerk. Das Projekt lieferte der Bau-Ingenieur Willi Könnemund, wie Dr. Christian Lehm im Heimatkalender 2018 zur Sanzebergbrücke schreibt. Die Sanzebergbrücke wurde am 6. Oktober 1964 eingeweiht. Bei dem Hochwasser im Juni 2013 wurde sie so schwer beschädigt, dass ein Neubau nötig wurde. Inzwischen steht der nur wenige Meter oberhalb der alten Brücke. Im November wurde er freigegeben.