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| 01:02 Uhr

„Von diesem Lärm habe ich die Schnauze gestrichen voll“

Zuerst minderten sie auf eigene Faust ihre Mietzahlungen. Jetzt denken mehrere Familien eines Gebäudes in der Lauchhammerstraße ernsthaft über einen Auszug aus ihren Wohnungen nach. Der Grund: Ihre Nerven liegen wegen ruhestörenden Lärms im Haus blank. Von René Wappler

Es begann im August 2003. Zwei junge Männer bezogen eine Wohnung in der Lauchhammerstraße, und schon bald gab es erste Konflikte mit den anderen Mietern. Klaus Nowka und seine Frau Kathrin wohnen direkt unter den beiden Männern. Sie schrieben einen Brief an die Gebäudewirtschaft Cottbus (GWC). Darin listeten sie auf: „Krach und Gepolter durch Rücken und Herunterfallen von Gegenständen sowie Erschütterungen durch starkes Auftreten, pausenlos von 15 bis 1 Uhr nachts. Unter diesen Umständen ist für uns die Wohnqualität derart beeinträchtigt, dass wir diese Wohnung aufgeben müssen.“
Schnell erhielten sie Antwort von der Leiterin der Hausverwaltung in Sachsendorf/Madlow, Renate Hoff mann, die über ein Gespräch mit den Verursachern mitteilte: „Sie waren sehr einsichtig und sind bemüht, dass sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen werden.“
Doch offenbar wurde nichts besser - eher im Gegenteil. Auch andere Mieter beschwerten sich: „In der Zeit von 20 Uhr bis morgens 2 Uhr betreiben sie ihre Musikanlage so laut, dass die Nachtruhe der Mieter gestört wird. Desweiteren entsorgen sie ihre Zigarettenreste und Tempotaschentücher regelmäßig vom Balkon in den Hinterhof.“
In einem weiteren Brief, unterzeichnet von acht Familien, heißt es: „Am 5. November 2004 wurde ab 22 Uhr mehrmals vom Balkon dieser Wohnung uriniert.“ Wenige Wochen später kürzte Familie Nowka ihre Mietzahlung um 20 Prozent.
Am 22. Dezember 2004 zogen die Mietparteien des Hauses in der Lauchhammerstraße eine schriftliche Bilanz: Insgesamt seien 16 Beschwerden bei der GWC eingegangen, getan hätte sich jedoch nichts. Und am 15. Januar 2005 kürzten weitere vier Familien ihre Mietzahlungen, ebenfalls um 20 Prozent. Reaktion von GWC-Geschäftsführer Dr. Torsten Kunze: „Letztmalig wurde eine Aussprache am 30. November 2004 geführt. Im Ergebnis dieses Gesprächs wurde der Mietpartei schriftlich eine Abmahnung erteilt, wo auch darauf hingewiesen wurde, dass es zu einer fristlosen Kündigung kommen kann, wenn sich das Verhalten nicht ändert.“ GWC-Pressesprecher Tom Schönherr erklärt: „Gleichzeitig haben die Mitarbeiter der GWC-Hausverwaltung die Bitte geäußert, sie umgehend über eventuelle neue Vorkommnisse mit Zeitangabe zu informieren, um eventuell weitere rechtliche Schritte einleiten zu können.“
Mittlerweile zeigen sich die Beschwerdeführer jedoch resigniert. „Für mich ist das ein Jugendklub“ , sagt Nowka, „da macht jeder, was er will. Ich habe die Schnauze gestrichen voll.“ Offenbar nicht nur er: Vier Familien tragen sich mit dem Gedanken, die Wohnungsgesellschaft zu wechseln.
Die Jugendlichen aus dem Haus waren bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Nach Angaben des Cottbuser Polizeisprechers Berndt Fleischer handelt es sich aber beim Ärger in der Lauchhammerstraße nicht um einen Einzelfall. So registrierte die Behörde in den vergangenen zwei Monaten insgesamt 137 Einsätze wegen Ruhestörung im Cottbuser Stadtgebiet, die meisten davon in Neu Schmellwitz und in Sachsendorf. Schwerpunkte: die Kauperstraße und der Hopfengarten. „Die meisten Beschwerden der Mieter gehen bei uns in der Zeit zwischen 22 und vier Uhr ein“ , sagt Fleischer, „wir belehren die Ruhestörer und können im Ernstfall auch Musikanlagen beschlagnahmen, falls nichts anderes mehr hilft.“

Hintergrund Gesetzgebung
 Nach Paragraf 554a des BGB kann der Vermieter ein Mietverhältnis fristlos kündigen, wenn infolge der Störung die Fortsetzung des Mietverhältnisses unzumutbar wird und der Mieter die Störung verschuldet hat.