| 19:29 Uhr

Aus der Behindertenwerkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt
Erfolg für einen Technikfan

Manuel Dommaschk (l.)  ist mit der Arbeit seines neuen Kollegen Enrico Kästner mehr als zufrieden.
Manuel Dommaschk (l.) ist mit der Arbeit seines neuen Kollegen Enrico Kästner mehr als zufrieden. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Enrico Kästner hat es aus den Lebenshilfe-Werkstätten auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft.

Das Fahrzeug in der Wasch­anlage der Cottbuser Autopflege-Firma Star Clean glänzt bereits. Doch Enrico Kästner legt mit dem Poliertuch nochmals Hand an. Man spürt, dass ihm die Arbeit Freude bereitet. Was zu tun hat? „Den Innenraum aussaugen, die Scheiben putzen, Autowäsche und Polieren“, zählt der 26-Jährige auf. Dass er seit Mai auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig ist, ist ein großer Erfolg. Enrico Kästner hat weder eine abgeschlossene Berufsausbildung noch einen Schulabschluss, der ihm eine reguläre Ausbildung ermöglichen würde. Seine berufliche Bildung hat er innerhalb von zwei Jahren in den Lebenshilfe Werkstätten Hand in Hand erworben und sich anschließend in den Werkstätten weiter qualifiziert.

Ein Praktikum und ein ausgelagerter Arbeitsplatz bei Star Clean folgten. „Grundlage war immer noch ein Werkstattvertrag“, berichtet Veronika Piduch, Inklusionsbeauftragte der Lebenshilfe-Werkstätten. „Das bedeutet, wenn es Schwierigkeiten gibt, sind wir da.“  

Inzwischen hat Enrico Kästner Fuß gefasst auf dem ersten Arbeitsmarkt.  „Das wollte ich immer schon“, gibt der an Technik interessierte junge Mann zu. Was ihn motiviert hat, fasst er in zwei Worte: „Geld und Spaß“. Die Freude an der Arbeit ist dem 26-Jährigen anzusehen. Das Betriebsklima ist offensichtlich gut. Kollege Manuel Dommaschk schätzt die Hilfe des jungen Kollegen. „Enrico ist flexibel und fleißig“, lautet sein Urteil.

Für  Veronika Piduch ist der Erfolg des 26-Jährigen Lohn einer langen intensiven Beratungs- und Betreuungsarbeit. „Die Menschen und die Arbeitsbedingungen müssen zuein­ander passen“, sagt sie. Und in diesem Fall passt alles. Chefin Melanie Dommaschk ist die Entscheidung, Enrico Kästner einzustellen, leicht gefallen. „Wir hatten Zeit, uns ein Bild von ihm zu machen, haben Unterstützung vom Integrationsamt und der Arbeitsagentur bekommen und konnten ihn so einarbeiten, dass er uns jetzt eine große Hilfe und eine Bereicherung für das Team ist.“

Wie Veronika Piduch betont, ist es die grundlegende Aufgabe von Werkstätten, Mitarbeiter mit Behinderungen fit zu machen für den ersten Arbeitsmarkt. Am Ende liege die Erfolgsrate allerdings bei gerade einmal einem Prozent.

Zur Zeit haben die Lebenshilfe-Werkstätten 660 Mitarbeiter im Arbeits- und 60 Menschen im Berufsbildungsbereich. In diesem Jahr haben 35 Mitarbeiter Praktika in 23 Kooperationsbetrieben absolviert. Ein Mitarbeiter – Enrico Kästner – konnte erfolgreich auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Zwei weitere Übernahmen – durch die Cottbuser Stadtverwaltung und den Bauernhof Dobler – sind zum 1. Januar 2018 geplant. Künftig werde die Kooperation mit Betrieben leichter. Neue Wege aus der Werkstatt soll das individuelle „Budget für Arbeit“ nach dem Bundesteilhabegesetz öffnen. Es ermöglicht dauerhafte Lohnkostenzuschüsse. Wer die Anforderungen nicht erfüllt, kann auf seine alte Stelle in der Werkstatt zurückkehren.

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