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| 02:32 Uhr

Von der Grube zum Lausitzer Bergsee

Immer die Kamera im Anschlag: Erich Schutt (Mitte) steuerte für die Ausstellung mehrere historische Fotos bei. Er kam bei der Ausstellungseröffnung mit Dieter Schötz (l.), Drebkaus Bürgermeister Dietmar Horke, Ex-Tagebauleiter Dietmar Müller (2.v.r.) und Bernd Schmidt (r.) aus Lübbenau ins Gespräch.
Immer die Kamera im Anschlag: Erich Schutt (Mitte) steuerte für die Ausstellung mehrere historische Fotos bei. Er kam bei der Ausstellungseröffnung mit Dieter Schötz (l.), Drebkaus Bürgermeister Dietmar Horke, Ex-Tagebauleiter Dietmar Müller (2.v.r.) und Bernd Schmidt (r.) aus Lübbenau ins Gespräch. FOTO: U. Hegewald
Steinitz/Altdöbern. Einem Veteranentreffen hat die Ausstellungseröffnung "80 Jahre Aufschluss Tagebau Greifenhain" am Samstag in Steinitz (Drebkau) geglichen. Unter Federführung des "Bergmannsvereins zu Grube Merkur und Umgegend" hat es sich ein neunköpfiges Team zur Aufgabe gemacht, Tagebaugeschichte zu dokumentieren. Uwe Hegewald

Gleich mehrmals war Dietmar Müller als Leiter des Großtagebaus Greifenhain eingesetzt. "Die längste Zeit am Stück waren etwa fünf Jahre", berichtete der Schirmherr der Ausstellung. Um im Steinitzhof überhaupt eine Ausstellung zu etablieren, benötige man viel Geduld. "Hier wechseln Ausstellungen häufiger als beim FC Energie Cottbus die Trainer", begründete er.

In seiner Laudatio hob Dietmar Müller die Besonderheiten des Tagebaus Greifenhain, der 1994 stillgelegt wurde und jetzt zum Altdöberner See wird, hervor: So glichen schon die Aufschlussarbeiten ein Jahr nach Beginn der Entwässerung einem Wunder. "Die Bergleute standen vor Bedingungen, wie sie im Spreewald anzutreffen sind. Einige Mitarbeiter absolvierten sogar Tauchlehrgänge, um Arbeiten unter Tage ausführen zu können", so der heute in Gallinchen wohnende Müller.

Die Qualität und Briketttierfähigkeit ließen die geförderte Rohbraunkohle zum Exportschlager aufsteigen. Günter Höfig kann das bestätigen. 25 Jahre leitete er den Anschlussbahnbetrieb Greifenhain, die Schnittstelle zwischen Betriebsbahnanlage und dem Netz der Deutschen Reichsbahn. "Neben den Brikettfabriken in der Region lieferten wir Rohbraunkohle unter anderem nach Finkenherd, Pirna/Dresden, Piesteritz, Eilenburg oder ins Orwo-Filmwerk nach Wolfen", so der Neupetershainer, der 40 Jahre in Greifenhain tätig war. Vier seiner Ex-Kumpel sind als "Verdienter Bergmann des Volkes" geehrt worden: Tagschichtmeister Paul Kurzawa, Obersteiger Max Grund, Tagebaudirektor Hans-Joachim Pawlitzki und 6300-Baggerfahrer Horst Jurischka.

In dem Tagebau wurden laut Dietmar Müller insgesamt rund 300 Millionen Tonnen Kohle geförderte; etwa die gleiche Menge schlummert noch unter der Erde. Als "astronomisch" bezeichnete er den Aufwand, den die Bergbausanierer aufbringen mussten und müssen, um die abrupte Stilllegung des Tagebaus zu kompensieren. Böschungssanierung, Verdichtung und Flutung würden noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen, so der Ex-Tagebauleiter, der mit einer Erfolgsmeldung aufzuwarten wusste: "Von der LMBV habe ich die Information, dass sie von dem Vorhaben abrückt, Eisenhydroxidschlamm (EHS) in den Altdöberner See einzuspülen. Noch keine Aussage gibt es jedoch seitens der Bergbausanierer, wo EHS entsorgt oder deponiert werden soll", so Dietmar Müller.

"Es war das erste Mal, dass öffentlich über einen Rückzug der EHS-Vorhaben an unserem See informiert wird", zeigte sich Altdöberns Bürgermeister Peter Winzer überrascht, aber auch erfreut von der frohen Nachricht. Sie überstrahlte die Eröffnung der Ausstellung, die Marianne und Eckhard Aust als "sehr gelungen" einordnen. Auch in Hinblick auf Sonntag, 10. Juli, wenn in den Altdöberner Heimatstuben das neu gestaltete Bergarbeiter-Kabinett eingeweiht wird. Im Mittelpunkt der Dauerausstellung steht - wie könnte es anders sein - die Geschichte des Tagebau Greifenhain.

Die Ausstellung "80 Jahre Aufschluss Tagebau Greifenhain" im Steinitzhof kann noch bis 18. November besichtigt werden. So auch am Sonntag, 3. Juli, wenn im Drebkauer Gemeindeteil von 10.30 bis 18 Uhr der Steinitzer Bergmannstag gefeiert wird. Zu den Höhepunkten zählen ein Platzkonzert des Bergarbeiter-Orchesters, geführte Wanderungen, Trial-Show sowie Fahrten mit dem MTW in den aktiven Tagebau.