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| 02:33 Uhr

Vom Zitronenschwein und andere spannende Texte

Die Klubnachmittage in der Bibliothek sind für alle ein Gewinn: für die Mitglieder des Freizeitklubs des "Macht los"-Vereins genauso wie für die Vorleserinnen Karola Morys (1.v.l.) und Petra Just (3.v.l.).
Die Klubnachmittage in der Bibliothek sind für alle ein Gewinn: für die Mitglieder des Freizeitklubs des "Macht los"-Vereins genauso wie für die Vorleserinnen Karola Morys (1.v.l.) und Petra Just (3.v.l.). FOTO: Elsner
Cottbus. In der Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus treffen sich an jedem zweiten Freitag Menschen mit Behinderung, um gemeinsam zu lesen und zu diskutieren. Der LEA-Leseklub zählt derzeit elf Mitglieder, die ihre Freizeit aktiv und selbstbestimmt gestalten und dabei von den Cottbuser "Lesefüchsen" unterstützt werden. Ulrike Elsner

"Der Schutzkeller" von Tomas Ross steht beim gestrigen Lesetreff im Mittelpunkt. Sozialarbeiterin Kerstin Bräuer packt aber nicht nur mehrere Exemplare des spannenden Krimis in einfacher Sprache auf den Tisch. Sie hat auch ein paar Zitronenschweinchen dabei. Die haben die Klubmitglieder beim letzten Wochenendtreff im "Macht los"-Verein gebastelt. So drücken sie ihre Zuneigung zu Petra Just aus.

Die Vorleserin hat beim Einkauf eine Zitrone entdeckt, die sie zu einer Geschichte inspiriert hat. Klar, dass die Gruppe nicht nur wissen will, wie es mit Lizzy und Bert, den Hauptfiguren im Buch von Tomas Ross, weitergeht. Die jungen Frauen und Männer sind auch ganz Ohr, als Petra Just von ihrem Zitronenschwein erzählt.

Während der Klubnachmittage werden stets Bücher in einfacher Sprache gelesen und besprochen. Es handelt sich aber keineswegs um Kinderliteratur.

"Das Tagebuch der Anne Frank" ist den meisten besonders in Erinnerung geblieben. Auch Susi Miersch hat den Text mit großem Gewinn gelesen. "Am meisten interessieren mich Bücher über die Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs", sagt die 30-Jährige, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. Warum sie gern zum Leseklub kommt? "Das ist doch was ganz anderes, als nur zu Hause zu sitzen."

Für Petra Just geht es bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit im LEA-Leseklub vor allem darum, Vorurteile abzubauen. Das nützt auch den Vorlesern. Ihre Mitstreiterin Karola Morys stellt fest: "Man verliert die Hemmungen, auf Behinderte zuzugehen und kommt zu einem ganz normalen Umgang mit Menschen, die nur ein bisschen anders ticken."

LEA bedeutet übrigens "Lesen Einmal Anders". Die Klubidee wurde in Köln geboren. Dort haben die Cottbuser Initiatoren auch eine Weiterbildung absolviert. Der Cottbuser Klub ist der erste und bisher einzige in ganz Brandenburg.

"Für uns sind die sozialen Kontakte wichtig", stellt Kerstin Bräuer fest. Deshalb treffen wir uns auch im öffentlichen Raum." Außerdem ist jeder, der mitmachen möchte, willkommen.

Das Bibliotheksteam sieht den LEA-Leseklub als Teil der Leseförderung, die bereits im Kindesalter beginnt. So lädt Emil, der muntere Lese-Ratterich, Kinder von vier bis sechs Jahren und ihre Eltern zu fröhlichen Vorlesestunden ein. Auch regelmäßige Einführungen in die Bibliotheksnutzung für Schulklassen aus Cottbus und Umgebung lassen junge Leute öfter zum Buch greifen.