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Vom Sanierungsfall zum Goldesel: Cottbuser Heizkraftwerk macht Gewinn

Es läuft stabiler und erwirtschaftet Gewinn: das Cottbuser Heizkraftwerk aus der Vogelperspektive.
Es läuft stabiler und erwirtschaftet Gewinn: das Cottbuser Heizkraftwerk aus der Vogelperspektive. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die Cottbuser Stadtverordneten wollen die Stadtwerke zurückhaben. Ein Grund: Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen. Einige Volksvertreter bezeichnen die Stadtwerke schon als "goldenen Löffel". Doch das Alltagsgeschäft birgt auch Risiken. Sven Hering und Peggy Kompalla

Überdimensioniert, überteuert, technisch unausgereift - das Cottbuser Heizkraftwerk galt jahrelang als das Sorgenkind im Unternehmen Stadtwerke. Die Beinahe-Pleite im Jahr 2006 war die Folge. An dem Desaster war freilich nicht allein das Heizkraftwerk schuld, sagte Stadtwerke-Chef Vlatko Knezevic während einer Diskussionsrunde im vergangenen Jahr. "Das operative Geschäft war negativ. Selbst bei der Fernwärme wurden damals Miese gemacht. Das ist heute unser lukrativstes Segment."

Inzwischen ist es ruhiger geworden um das Heizkraftwerk. Das gesamte Unternehmen hat im Jahr 2012 sogar einen Überschuss in Höhe von rund zehn Millionen Euro erwirtschaftet. Allerdings stehen auch noch Verbindlichkeiten von gut 60 Millionen Euro in den Büchern.

Vor ein paar Tagen gaben die Cottbuser Stadtverordneten der Verwaltung den Auftrag, sich um einen Rückkauf des Unternehmens zu bemühen. Dazu soll zunächst ein Gutachten den Wert der Stadtwerke klären. Danach soll entschieden werden, ob die von der Deutschen Kreditbank (DKB) angebotenen Anteile gekauft werden.

Inzwischen gibt es sogar Rückendeckung für das Vorhaben von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Der erklärte in dieser Woche nach seinem Arbeitsgespräch mit der Cottbuser Rathausspitze: "Wir sind uns einig, dass die Stadt einen vernünftigen Einfluss auf die Stadtwerke haben sollte. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Stadt Cottbus auch darum bemüht."

618 Ausfallstunden

Wer sich ein Bild vom aktuellen Zustand des Unternehmens verschaffen will, der kann sich den Konzernlagebericht für das Jahr 2012 im Internet anschauen. Danach fiel das bisherige Sorgenkind Heizkraftwerk 618 Stunden aus. Das ist der niedrigste Wert der vergangenen vier Jahre. Der längste durchgängige Betrieb lag bei 1852 Stunden (Januar bis März 2012). Zum Vergleich: Im Jahr 2010 stand das Heizkraftwerk rund 1086 Stunden still. Für 2013 liegen noch keine Zahlen vor.

Gemeinsam mit einem externen Ingenieurbüro werde die seit dem Jahr 2006 in Eigenregie vorgenommene Instandhaltung weiterentwickelt, heißt es. Ziel seien wirtschaftlich und betriebsnotwendig optimale Reparaturzyklen. Im Klartext bedeutet das: Im Kraftwerk soll es künftig noch seltener Stillstand geben. In den nächsten Jahren sind deshalb laut Unternehmen Investitionen von rund vier Millionen Euro geplant.

Knapp fünf Millionen Euro Gewinn hat das Heizkraftwerk im Jahr 2012 erwirtschaftet. Am Ende des Zeitraumes von 2013 bis 2016 wird sich dieses Ergebnis aber halbieren, so die Prognose im Unternehmen. Hauptgrund ist der Beginn der dritten Handelsperiode für CO2-Zertifikate. Mit diesen erwerben Unternehmen das Recht, Treibhausgase auszustoßen. Für die Papiere drohen höhere Preise. So hat das EU-Parlament eine zeitweise Verknappung der Zertifikate beschlossen. Dies soll den Preis nach oben treiben und so den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids verteuern. Die milden Temperaturen der vergangenen Wochen dürften zudem aufs Kerngeschäft der Cottbuser Stadtwerke, die Fernwärmeversorgung, ausstrahlen.

Im Jahr 2012 ließ sich hingegen mit der Fernwärme ganz gutes Geld verdienen. Witterungsbedingt stieg der Absatz um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr (Erlös: rund 31 Millionen Euro). Allerdings musste auch deutlich mehr Geld für Material, Strom oder Netznutzung bezahlt werden.

Fernwärme ist aber nicht das einzige Geschäftsfeld. So belieferte der Stadtwerke-Konzern im Jahr 2012 rund 47 000 Endkunden mit Strom und rund 15 000 mit Gas. Im Cottbuser Stromnetz brach der Absatz dabei um 13 Prozent ein. Das konnte nur durch die Akquise in fremden Netzgebieten ausgeglichen werden, heißt es.

Geschäft mit Strom und Gas

Die bereinigten Stromerlöse mit Endkunden lagen mit rund 42,7 Millionen Euro rund 3,5 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Der Absatz im Cottbuser Gasnetz blieb stabil. Das Gasgeschäft außerhalb von Cottbus legte sogar deutlich zu. Die Erlöse erhöhten sich insgesamt um vier Millionen Euro auf 15,9 Millionen Euro.

Für die Jahre 2013/14 planen die Stadtwerke Jahresüberschüsse vor Steuern von rund fünf Millionen Euro. "Derzeit laufen Verhandlungen des Mehrheitsgesellschafters zur Veräußerung seiner Anteile", ist im Konzernbericht zu lesen. "Der Ausgang ist noch ungewiss."