ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:35 Uhr

Vom Modesalon auf die großen Bühnen

Die in Cottbus und auf anderen Bühnen gefeierte Sopranistin Jutta Schubert feiert heute ihren 90. Geburtstag.
Die in Cottbus und auf anderen Bühnen gefeierte Sopranistin Jutta Schubert feiert heute ihren 90. Geburtstag. FOTO: Birgit Mache
Cottbus. Musik war schon immer ihr ein und alles, jeden Walzer sang sie als Kind mit. Ihre Eltern hatten ihr eine wunderschöne hohe Stimme vererbt und sie für ein Leben voller Musik vorbereitet. Heute wird Jutta Schubert 90 Jahre alt und kann auf ein erfolgreiches und ausgefülltes Künstlerdasein zurückschauen. Birgit Mache

Dabei war ihr der Weg als professionelle Sängerin nicht vorgezeichnet. Die gebürtige Cottbuserin beginnt eine kaufmännische Lehre in einer Autofirma und arbeitet später im Modesalon Peter. Schöner Zufall: Eine Kundin ist die Frau Johannes Maximilians, durch deren Vermittlung sie schließlich dem Kammersänger höchstpersönlich vorsingen darf. Der ist begeistert von ihrer Stimme und unterrichtet sie. 1946 wird sie in den Opernchor des Cottbuser Theaters aufgenommen. Daneben studiert sie noch am Konservatorium, um den Abschluss als Sängerin zu erhalten.

Bereits nach kurzer Zeit wählt sie Musikdirektor Fritz Müller aus den Reihen der Chordamen aus und schlägt ihr vor, das Taumännchen in der Märchenoper "Hänsel und Gretel" zu singen. Dann folgt der erste Knabe in der "Zauberflöte". Diese Partien bewältigt sie so großartig, dass sie im August 1949 zur Solistin aufsteigt. Und so singt sie beispielsweise Constanze in "Die Entführung aus dem Serail" und Sophie in "Der Rosenkavalier". 1951 verlässt sie das Cottbuser Theater und geht zunächst ans Landestheater Altenburg, dann ans Metropoltheater Berlin und tourt einige Jahre mit der Westberliner Reiseoper durch Westdeutschland und die Schweiz.

Als Egon Maiwald 1960 neuer Intendant am Stadttheater Cottbus wird, dauert es nicht lange, bis er der gefragten Sopranistin ein Engagement in Cottbus anbietet. Sie steigt mit der Partie der Elsa im "Lohengrin" ein und brilliert fortan in den großen Sopranpartien, darunter Musette ("La Bohème"), Aida, Leonore ("Fidelio"), Abigail ("Nabucco"), Senta ("Fliegender Holländer"), Violetta ("La Traviata"), Martha ("Tiefland), Tosca, sogar untypisch für eine Sopranistin in der Titelrolle als Carmen. Dabei ist Jutta Schubert sängerisch ungemein flexibel und vermag gleich gut in unterschiedlichen Stimmfächern zu singen. Lange Zeit einmalig in der Oper gilt ihre Darstellung aller vier Frauenpartien in "Hoffmanns Erzählungen".

1969 holt sie Prof. Carl Riha an das Opernhaus Karl-Marx-Stadt. Dort singt sie unter anderem die Marschallin im "Rosenkavalier". Diese Rolle wird ihre Lieblingsrolle, auch, weil diese so emotional und menschlich angelegt ist. 1982 nimmt Jutta Schubert endgültig Abschied von der Bühne und zieht zurück nach Cottbus. 68 Partien stehen auf ihrer Repertoireliste.

Wer Jutta Schubert auf der Bühne gesehen hat, weiß, dass sie ihre Partie mit Leidenschaft auf höchstem Niveau spielt. Dafür wurde sie 1965 mit dem Carl-Blechen-Preis, dem Kunstpreis des Bezirkes Cottbus, und 1973 mit dem Kulturpreis des Bezirkes Karl-Marx-Stadt ausgezeichnet. In Karl-Marx-Stadt wird ihr auch der Titel "Kammersängerin" verliehen.

2007 gibt es beim "Kaffeeklatsch mit Prominenten" ein Wiedersehen mit ihr und den beiden Kammersängern Klaus König und Konrad Rupf. Noch immer besucht sie gern das Cottbuser Theater, wo sie sich zu Hause fühlt.

Wenn sie heute Geburtstag feiert, gratuliert ihr eine Großfamilie mit zwei Töchtern, vier Enkeln, sieben Urenkeln und bisher einem Ururenkel - zwei weitere werden in diesem Jahr noch erwartet. Auch das Theater gratuliert, allen voran Intendant Martin Schüler, und die noch große Fangemeinde von Jutta Schubert.

Zum Thema:
Nicht unbedingt typisch für eine Sängerin ist, dass Jutta Schubert auch hervorragend pfeifen konnte. So brauchte sie in der Aufführung "Schwarzwaldmädel" nicht beim Pfeifen gedoubelt zu werden. Ein "lieber" Kollege versuchte, sie aus dem Konzept zu bringen, indem er vor ihren Augen genüsslich in eine Zitrone biss - er hatte damit aber keinerlei Chance bei ihr.