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| 18:05 Uhr

Jubiläum
Eine Cottbuser Institution wird 50

Und so sah das im Oktober 1968 aus: Am Eröffnungstag und am ersten Sonnabend konnte die neue Einkaufstätte nicht alle Kauflustigen auf einmal fassen. Das Warenhaus habe am ersten Tag mehrmals wegen Überfüllung geschlossen werden müssen, erzählen Zeitzeugen. An der Bonbon-Bar seien 330 Kilogramm verkauft worden.
Und so sah das im Oktober 1968 aus: Am Eröffnungstag und am ersten Sonnabend konnte die neue Einkaufstätte nicht alle Kauflustigen auf einmal fassen. Das Warenhaus habe am ersten Tag mehrmals wegen Überfüllung geschlossen werden müssen, erzählen Zeitzeugen. An der Bonbon-Bar seien 330 Kilogramm verkauft worden. FOTO: Erich Schutt
Am 3. Oktober 1968 wurde das Warenhaus in der Innenstadt eröffnet. Jetzt wird gefeiert.

Am 3. Oktober 1968 eröffnete das Konsument Warenhaus in Cottbus. Mittlerweile heißt das Haus Galeria Kaufhof und plant ab dem 20. September jede Menge Höhepunkte  zum Jubiläum. Die RUNDSCHAU sprach vorab mit dem Filial-Geschäftsführer Carl Christian Gülck (36) über das Warenhaus, seinen Weg aus Frankfurt/Main in die Lausitz und die generelle Entwicklung des Einzelhandels in der Cottbuser Innenstadt.

Herr Gülck, Sie sind seit 1. Februar 2017 hier in Cottbus Geschäftsführer. Wie sind Sie in Cottbus gelandet?

Carl Christian Gülck ist seit 1,5 Jahren Filialgeschäftsleiter von Galeria Kaufhof in Cottbus.
Carl Christian Gülck ist seit 1,5 Jahren Filialgeschäftsleiter von Galeria Kaufhof in Cottbus. FOTO: Michael Helbig

Ich bin angesprochen worden, ob ich die Filiale in Cottbus übernehmen möchte und bin am nächsten Tag spontan von Frankfurt am Main hierher gefahren. Ich bin hier angekommen und dachte: Wow, was für ein schönes Haus. Der Zustand des Hauses an sich, der Flächenzuschnitt, die Integration des Hauses in die Innenstadt, das schöne Staatstheater, die Altbauten in der Bahnhofstraße… sogar die Wohnscheibe in der Stadtpromenade gefällt mir mittlerweile.

Sie waren vorher Geschäftsführer einer Kaufhof-Filiale in Frankfurt/Main. Was unterscheidet diese von der hier in Cottbus?

Frankfurt am Main hat eine große Innenstadt mit mehreren großen Einkaufszentren. Die Filiale, in der ich Geschäftsführer war, ist ein eher kleinerer Standort mit rund 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche am Frankfurter Stadtrand. Im Zentrum von Frankfurt befindet sich eine der größten Galeria–Kaufhof-Filialen bundesweit. Diese zieht natürlich auch den ein oder anderen Kunden mal in die Stadtmitte. Hier ist es anders. In Cottbus sind wir das Zentrum der Innenstadt. Flächenmäßig sind wir der größte Einzelhändler und gehören gemeinsam mit dem Blechen Carré zu den zentralen Anlaufstellen der Stadt. In Cottbus gibt es einen höheren Stammkundenanteil als in Frankfurt und eine längere Historie. Das Haus wurde vor 50 Jahren als Konsument eröffnet. Viele Kunden gehen ja bis heute noch ins Konsument. Die Cottbuser Kunden haben auch eine andere Erwartungshaltung an ihr Warenhaus. 

Aha, wie äußert sich diese?

Da geht es um Themen wie kostenloses Parken in der ersten Stunde oder, dass die schwere Ware zum Wagen getragen wird. Der Cottbuser Kunde identifiziert sich sehr stark mit uns. Er weiß, was er möchte und schätzt die Services, die wir bieten.

Die Kundschaft unterscheidet sich also, gibt es auch Unterschiede bei den Waren? Heißt: Finde ich hier die gleichen Waren wie in dem angesprochenen Frankfurter Haus?

Es gibt Sortimentsunterschiede an den verschiedenen Standorten. Premium-Marken finden Sie beispielsweise in der Filiale am Berliner Alexanderplatz in einer größeren Auswahl als hier. Dafür sind wir schnell zu erreichen, bieten kostenloses Parken in der ersten Stunde an und führen ein Sortiment, das an den Bedürfnissen der Kunden hier in Cottbus ausgerichtet ist.

Wer entscheidet das? Die Filiale oder wird das konzernweit entschieden?

Das sind strategische Unternehmensentscheidungen, die kontinuierlich angepasst und überprüft werden.

Wie sehen Sie die Zukunft der großen Warenhäuser generell und speziell in Cottbus?

Für mich sind Warenhäuser nicht nur Stätten zum Einkaufen, sondern auch Orte des Austausches und der Begegnung. Auch deshalb gehe ich davon aus, dass es Warenhäuser in Deutschland weiterhin geben wird. Klar, wir müssen uns verändern und natürlich müssen wir weiter auf das Thema Online setzen und unsere Sortimente immer wieder aufs Neue überprüfen und den Wünschen und Bedürfnissen unserer Kunden anpassen. Jeder Standort muss verstehen, was die Kunden vor Ort erwarten.

Und speziell in Cottbus?

Die Galeria Kaufhof in Cottbus mit derzeit etwa 100 Mitarbeitern ist sehr gut aufgestellt und wir möchten unsere Kunden jeden Tag inspirieren und begeistern. Dafür überlegen wir uns ständig neue Überraschungen und Aktionen, wie zu unserem bevorstehenden Standortjubiläum. Zum Beispiel die Ausstellung von Bastelarbeiten von acht Cottbuser Kindertagesstätten mit dem Thema: Verrückte 50.

Unabhängig davon, wie die Fusionsgespräche mit Karstadt ausgehen?

Ich bitte um Verständnis, dass ich dies leider nicht kommentieren kann.

Das Kaufhaus feiert demnächst 50-jähriges Jubiläum. Vor zehn Jahren waren hier 120 Mitarbeiter tätig. Wie haben sich Mitarbeiterzahl und Umsatz in den vergangenen Jahren entwickelt?

Wir sind derzeit knapp 100 Mitarbeiter, aktuell modernisieren wir die Damenoberbekleidung und erweitern das Angebot der Schmuckabteilung. Letztes Jahr haben wir einen neuen Pächter für das Restaurant im zweiten Obergeschoss gefunden und die Spielwarenabteilung übersichtlicher gestaltet. Etwas, was Cottbuser Kunden gerne nutzen, ist unsere Möglichkeit, Ware auf kaufhof.de zu reservieren und in der Filiale abzuholen.

Und der Umsatz?

Ich bitte um Verständnis, dass ich zu Umsatz und Geschäftsverlauf grundsätzlich keine Angaben machen kann.

In Cottbus wird auch seit Jahren gestritten über die Frage: Wie viel Einzelhandel braucht die Stadt? Wie sehen Sie Cottbus da aufgestellt, auch mit Blick auf eine mögliche Erweiterung des Blechen Carrés?

Es kommt nicht nur darauf an, wie viel Einzelhandelsflächen es gibt, sondern auch darauf, wo diese liegen. Uneinheitliche Öffnungszeiten und Brachflächen in der Innenstadt irritieren mich aus Kundensicht sehr, auch wenn es hier im Detail nachvollziehbare Gründe gibt, warum sich das eine oder andere so entwickelt hat. Die Innenstadt als Ganzes sollte vieles eher als Chance sehen und mehr zusammen für die Kundenfrequenz tun, zum Beispiel die Walzernacht. Zu Blechen II, als Kunde würde ich es gut finden, wenn diese Fläche endlich mal bebaut wird. Und wenn sich das neue Angebot mit dem schon Bestehenden gut ergänzt, dann begrüße ich die Erweiterung. Vielleicht schaffen wir es so auch, dass weniger Cottbuser nach Dresden und Berlin zum Einkaufen fahren.

Mit Carl Christian Gülck sprach
Daniel Steiger