| 18:01 Uhr

Cottbus
Vom Gaswerk zum Wohnquartier

Das neue Wohnquartier fügt sich ein zwischen den Meldehöfen und der Berliner Straße. Damit verschwindet eine Industriebrache. Direkt nebenan will der Lebensmittelhändler Rewe in einen modernen Markt investieren. ⇥Montage: 3dpixel company/Treuwert
Das neue Wohnquartier fügt sich ein zwischen den Meldehöfen und der Berliner Straße. Damit verschwindet eine Industriebrache. Direkt nebenan will der Lebensmittelhändler Rewe in einen modernen Markt investieren. ⇥Montage: 3dpixel company/Treuwert FOTO: Treuwert® Projektgesellschaft mb / Treuwert® Projektgesellschaft m
Cottbus. Für elf Millionen Euro verschwindet eine große Brache in Ströbitz. Von Peggy Kompalla

Ein Wandel vollzieht sich an der Lausitzer Straße: Auf dem Gelände des alten Gaswerks entstehen fünf Häuser mit 80 Wohnungen. Ende des Jahres sollen Mieter und Eigentümer einziehen. Der Lebensmittelhändler Rewe will direkt daneben ebenfalls investieren. Damit wird in Ströbitz eine 26 000 Quadratmeter große städtebauliche Lücke geschlossen, eine Industriebrache verschwindet. In den Jahren 2014 und 2015 wurde das Areal aufwendig saniert. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro. Die Quartiersentwicklung ist aber erst abgeschlossen, wenn auch die Lausitzer Straße auf Vordermann gebracht ist. Das sagen die Investoren und hoffen auf Einsicht der Stadt.

Denis Reißbach holt einen Plan hervor, der den ganzen Tisch bedeckt. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Treuwert Projektgesellschaft mbH. Für das Cottbuser Unternehmen ist das der erste Wohnviertelneubau und gleich elf Millionen Euro schwer. „Das wird ein in sich geschlossenes Quartier“, schwärmt Reißbach. Die Vergangenheit des Standortes wird nicht geleugnet. „Die alte Industriemauer wollen wir erhalten und aufwerten, auch die beiden Säulen an der alten Einfahrt von der Bebelstraße bleiben. Außerdem nehmen wir damit die Ziegeloptik der gegenüberliegenden Melde-Fabrik auf.“

Die Wohnhäuser entstehen auf dem südlichen Teil des alten Gaswerk-Areals. Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) versichert: „Der Bereich war keine Altlastenfläche.“ Nichtsdestotrotz handele es sich bei dem Gelände um einen Industriestandort. „Deshalb gibt es dort ein strenges Kontrollregime“, erklärt er. So habe der Investor ein Ingenieurbüro für Altlastenmanagement als fachliche Baubegleitung gebunden. „Wir sind mit dem Umweltamt als Untere Bodenschutzbehörde ganz eng dabei“, sagt Bergner. Die Zusammenarbeit mit dem Investor laufe sehr gut, was Denis Reißbach bestätigt.

Die Grundmauern von vier Gebäuden wachsen bereits. Da es keine Keller gibt, kommen Abstell- und Waschmaschinenräume ins Erdgeschoss. Dem schließen sich drei Etagen an. Obendrauf befindet sich eine zurückgesetzte Penthouse-Etage. Zum Quartier gehören zwei Spielplätze, viel Grün, Garagen und Stellplätze. Zwei Häuser werden verkauft, drei vermietet. „Wir behalten die Verwaltung für das Quartier in der Hand“, sagt Reißbach.

Damit ist die Entwicklung an dem Standort nicht abgeschlossen. Die Rewe-Gruppe will ab 2019 gleich nebenan weitermachen. Stephanie Behrens erklärt: „Wir möchten gerne – ergänzend zu dem geplanten Wohnungsbau auf dem angrenzenden Grundstück – auf unserer Fläche einen energieeffizienten, zeitgemäßen Supermarkt mit etwa 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten.“ Dabei setze das Unternehmen auf ein nachhaltiges Baukonzept, das bis zu 50 Prozent Energie sparen helfe im Vergleich zu einem Standardbau. Entsprechend hochwertig werde die Optik.

Denis Reißbach sieht das Wohnquartier zwischen Meldehöfen und Berliner Straße längst vor seinem Auge. Umso mehr stört er sich am miserablen Zustand der Lausitzer Straße. Bei Dunkelheit ist die Werbetafel der Autowerkstatt die einzige Beleuchtung für die Löcherpiste. Der Fußweg verwandelt sich bei Regen in Matsch. „Nur mit dem Ausbau der Straße ist das Quartier abgeschlossen“, betont Reißbach. Doch die Lausitzer Straße taucht bislang nicht einmal in der Investitionsliste der Stadt auf. „Wir sind gemeinsam mit Rewe und der Stadt auf der Suche nach einer partnerschaftlichen Lösung.“ Am liebsten wäre es ihm, wenn mit dem Ausbau schon in diesem Jahr begonnen würde. 

Die Lausitzer Straße ist in dem Bereich eine einzige Löcher- und Holperpiste.
Die Lausitzer Straße ist in dem Bereich eine einzige Löcher- und Holperpiste. FOTO: Peggy Kompalla / LR