Die Reaktionen waren für den Pfarrer nicht unerwartet gekommen. „Immerhin hatte mein Vorgänger hier 31 Jahre die Pfarrstelle inne und auch ich hatte mich auf zehn bis 15 Jahre eingerichtet“ , meinte Christian Hering. „Daher hatte ich auch mit Unverständnis für meine Entscheidung zum Weggang gerechnet. Doch das blieb aus, als ich meine Gründe erläuterte.“

Erfüllung eines Kindheitstraums
Als Seelsorger in die Uckermark zu gehen bedeutet für den Gottesmann, sich auf den Weg zu seinen Wurzeln zu begeben. „Ich stamme wie meine Frau aus der Region. Mein Vater war Landpfarrer. Mit elf Jahren stand mein Wunsch fest, Pfarrer zu werden.“
Beim Vikariat, der praktischen Vorbereitung auf den Beruf, lernte Hering seine Frau kennen. Beide vereinte die gleiche Vorstellung, Gottes Wort in der Uckermark zu verbreiten. Doch dort gab es keine Pfarrstellen und so führte der Weg über Jüterbog und Illmersdorf bei Dahme nach Papitz-Krieschow.
„Als evangelischer Pfarrer habe ich im Spreewald wie im Paradies gelebt. Hier gibt es starke Gemeinden in den Dörfern, in denen die Christen die Mehrheit bilden und regelmäßig in die Kirchen gehen. Hinzu kommt der Zusammenhalt unter den Pfarrern, eine Vertretung für einen Gottesdienst zu finden, stellt kein Problem dar.“
Dennoch blieb der Neu-Papitzer ein heimatverbundener Uckermärker. Als dort wieder Pfarrstellen frei wurden, es aber nur wenige Bewerber gab, begann das Nachdenken. Nach mehreren Monaten und vielen Gesprächen mit seiner Frau stand für Christian Hering der Entschluss fest, sich zu bewerben.
Nach der Annahme für die Stelle kam für Christian Hering vielleicht das Schwerste: seinen Gemeindemitgliedern den Weggang zu erklären. „Die Arbeit hat Spaß gemacht und viele hatten sich auf noch einige gemeinsame Jahre gefreut. Letztlich wurde meine bei vielen Gelegenheiten erläuterte Entscheidung akzeptiert. Die Gemeindeveranstaltungen der vergangenen Wochen waren dann immer ein Stück Abschied. Doch ich gehe in der Gewissheit, dass die intakten, lebendigen Kirchgemeinden meinen Weggang verkraften können. Mir wurde zugesichert, dass die Pfarrstelle erhalten bleibt, nur unter dieser Bedingung gehe ich. Es haben sich schon einige Kandidaten beworben, im Februar oder März könnte mein Nachfolger nach Papitz-Krieschow kommen.“
Illusionen über die Bedingungen in der dünn besiedelten und nach Herings Worten nicht eben kirchenfreundlichen Uckermark macht sich der Rückkehrer nicht. Als Kind des Landstriches weiß er, was ihn erwartet, kennt er die Menschen und die Landschaft. „Zwei Kirchen und 35 bis 50 Besucher bei normalen Gottesdiensten, damit kann ich zunächst nicht rechnen. Ich habe 24 Ortschaften mit neun Kirchen und sieben Gemeindekirchenräten zu betreuen. Oft kommen nur fünf Besucher zu Gottesdiensten.“
Das zu ändern, darin sieht Christian Hering seine große Aufgabe. „Natürlich werde ich bescheidener, demütiger werden müssen. Aber Gottes Wort in der Uckermark verkünden wollte ich immer, und ich werde mich als Werkzeug Gottes dieser Mission stellen.“

Erfahrungen aus dem Spreewald
Dabei setzt der Pfarrer auf Erfahrungen aus dem Spreewald. „Verwaltung und Erhaltung der Kirchen sind wichtig. Aber die Arbeit mit den Menschen, die Seelsorge und Verkündigung von Gottes Wort stehen darüber.“ Auch bei geringem Besuch will Christian Hering die Zahl der Gottesdienste nicht vermindern sondern erhöhen. Auf diesem Weg will er die Menschen dafür gewinnen, am Sonntag regelmäßig in die Kirche zu kommen. „Dabei bin ich auf das Engagement der Gemeindekirchenräte und Ältesten angewiesen, die sich in Papitz-Krieschow stark in die Arbeiten zur Erhaltung der Kirchen und die Vorbereitungen von Veranstaltungen eingebracht haben.“
Verlassen kann er sich auf die Unterstützung seiner Frau, einer ordinierten Pfarrerin. Sie will neben der Erziehung der vier ein- bis siebenjährigen Kinder ehrenamtliche Kirchenarbeit in dem Gebiet an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern leisten.