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| 02:33 Uhr

Vom Bahnhof Zoo nach Cottbus verlegt

Die 12. Klasse der Cottbuser Waldorfschule probt mit Dirk Ibbeken für "Linie 1".
Die 12. Klasse der Cottbuser Waldorfschule probt mit Dirk Ibbeken für "Linie 1". FOTO: Elsner
Cottbus. Jenny, eine junge Ausreißerin aus der Provinz ist auf der Suche nach ihrem Märchenprinzen, einem Rockmusiker. Sie landet um "Sechsuhrvierzehn" – nein, nicht wie mancher jetzt denkt, am Bahnhof Zoo im West-Berlin der 80er-Jahre, sondern mitten im Cottbus von heute. Ulrike Elsner

Musiklehrer Dirk Ibbeken hat gemeinsam mit der 12. Klasse der Waldorfschule Cottbus das bekannte Musical "Linie 1" in die Lausitz verlegt. Derzeit laufen wöchentliche musikalische Proben für das Drama über Leben und Überleben in der Großstadt, über Hoffnung und Anpassung, Mut und Selbstbetrug, das zum Lachen und Weinen, zum Träumen und zum Nachdenken über sich selbst anregt, im Musikraum der Schule.

Ein Probenbesuch weckt Vorfreude auf die Inszenierung, mit der die musikalisch überdurchschnittlich begabten Zwölftklässler der Waldorfschule zeigen können, was in ihnen steckt. Die Ausarbeitung der Choreografie und eine gemeinsame Probenphase mit Musikpädagogik-Studenten der BTU sollen folgen. "Beim Frühlingsfest der Waldorfschule am 6. Mai wird es eine offene Probe geben, bei der jedermann willkommen ist", verspricht Dirk Ibbeken. Die Premiere ist für den 4. Juli, 19 Uhr, im Jugendkulturzentrum Glad-House geplant. Weitere Vorstellungen sollen am 5., 6. und 7. Juli folgen.

Die Rolle der Jenny hat Clara Last übernommen. Die Lady wird von Aurisa Scheck gespielt, Jonas Kempe und Max Baensch sind Bambi und Kleister, die Maria gibt Pia Tomat, den Anmacher Alois Brunner und den alten Mann Hans Wünsche.

Erarbeitung und Aufführung des Musicals ist der kultur-künstlerische Teil des Waldorfschul-Abschlusses. In Klasse 13 steht dann die Vorbereitung auf das Abitur im Mittelpunkt.

Ausgesucht haben die Schüler das Stück gemeinsam mit ihrem Lehrer. Den meisten war ganz schnell klar, dass es etwas Musikalisches sein sollte. "Das hat viel mit der Waldorfschule zu tun", erläutert Gregor Vorwald. Schon in der 1. Klasse war das Singen wichtig. Von der 5. Klasse an hat jeder ein Instrument erlernt.

Obwohl mehr als 30 Jahre alt, ist das Musical brandaktuell. "Drogenabhängigkeit, Schwarzfahrproblematik, Altersarmut, Anonymität der Großstadt, jugendliche Rebellion, das gibt es heute wie damals", betont Dirk Ibbeken. Dabei kommt das Stück ohne erhobenen Zeigefinger aus, sondern setzt auf eingängige Musik.

Wenn in den Wochen vor der Premiere junge Leute an Cottbuser Straßenbahnhaltestellen plötzlich zu singen und tanzen beginnen, dann handelt es sich wahrscheinlich um die Darsteller von "Linie 1". "Wir unterstützen das Projekt, indem wir den Schülern die Möglichkeit geben, für die Aufführung zu werben", berichtet Christin Heldt, Unternehmenssprecherin von Cottbusverkehr. Das geschieht mit kleinen Spielszenen, die Lust machen sollen auf einen Besuch der Inszenierung. "Außerdem verleihen wir Straßenbahneruniformen, um die Aufführung noch authentischer zu machen und verkaufen Tickets in unserem Kundenzentrum", sagt Christin Heldt.

Premiere: 4. Juli, 19 Uhr, im Glad-House