Von Steven Wiesner

Wenn die Volleyballerinnen vom SV Energie Cottbus am Sonntag (15 Uhr) ihr Saisonfinale beim USV Halle bestreiten, hat das nur noch statistischen Wert. Denn schon vor dem letzten Spieltag stehen die Lausitzerinnen als Absteiger aus der Regionalliga Nordost fest. Es ist der zweite Abstieg aus der vierthöchsten deutschen Spielklasse nach 2016. Seinerzeit durfte man aber in der Liga bleiben und das Startrecht der zweiten Mannschaft übernehmen, die zeitgleich aus der Brandenburg-Liga aufgestiegen war. Dieses Glück haben die SVE-Damen nun nicht mehr. Und da die Regionalliga auch von den männlichen Repräsentanten des SV Energie nicht gehalten werden konnte, ist der Verein im kommenden Jahr nicht mehr vertreten auf der überregionalen Volleyball-Bühne. Zum ersten Mal seit 2006 (siehe Infobox).

Man kann also schon von einem Einschnitt sprechen. In den Jahren 2010 und 2011 standen die Cottbuser Volleyballerinnen als Nordost-Meister immerhin schon mal vor dem Aufstieg in die 3. Liga. Nun geht es erstmal in die andere Richtung. Eine Volleyball-Apokalypse sieht Philipp Eisenträger aber nicht auf Cottbus zukommen. „Die Regionalliga ist schon wichtig, um Talente auszubilden“, sagt er. „Das Leistungssportsystem wird hier deswegen aber nicht krachen gehen.“

Seit Februar erst ist der 31-jährige Lehrertrainer der Lausitzer Sportschule für die Energie-Frauen verantwortlich. „Als ich aus Potsdam kam, war der Abstand schon ziemlich groß. Ich glaube nicht, dass die Mädels hätten absteigen müssen.“ Spiele wie der 3:0-Erfolg gegen den Vizemeister Berliner VV Anfang März bestärken ihn in dieser Annahme. Dennoch stehen 15 Niederlagen aus 19 Spielen zu Buche.

Zurückzuführen ist der vorletzte Platz auch auf das Durchschnittsalter des Kaders. Kapitänin Luise Hubein ist als 94er-Jahrgang die älteste Spielerin. Teilweise besteht das Kollektiv aus jungen Teenagern, die gerade das 15. Lebensjahr vollendet haben. „Die Altersstruktur ist schon ein Problem“, sagt Eisenträger. Und auch Jens Mihm, der für den weiblichen Nachwuchs bei Energie zuständig ist, ergänzt: „Die Mannschaften werden immer jünger, viele wandern aus.“ Ein Effekt, der sich auch bis runter durch alle anderen Teams zieht. So ist die zweite Damenmannschaft vom SVE in der Brandenburg-Liga genauso Letzter geworden wie die dritte und vierte Mannschaft in der Landesliga.

Der Volleyball-Standort Cottbus gerät durch das Abschneiden aber nicht in Gefahr, versichert Mihm, der ebenfalls als Lehrertrainer fungiert. „Die Sportschule ist von dem Abstieg aus der Regionalliga total unberührt.“ Man habe gerade ein kleines Tal, weil der Unterbau aus dem Nachwuchs fehle. „Wir müssen wieder eine eigene große Basis schaffen. Aber das braucht Zeit.“

Und irgendwann klopfen dann vielleicht auch wieder mehr Talente oben an wie Emely Nowak, die nun zur Sichtung für die deutsche Junioren-Nationalmannschaft eingeladen wurde. Ihr wird ein ähnlicher Weg zugetraut, wie ihn auch die Sprembergerin Frances Kauffmann gegangen ist, die mit 18 Jahren zum Bundesliga-Kader des SC Potsdam gehört, oder die ein Jahr jüngere Jenna Zimmermann, die in der 3. Liga bei Potsdam II spielt. Emely Nowak soll auch beim Neuanfang in der Brandenburg-Liga eine wichtige Rolle spielen. „Wir wollen direkt wieder aufsteigen“, sagt Philipp Ei­senträger. Und Jens Mihm glaubt: „Manchmal kann ein Rückschritt auch ein Fortschritt sein.“