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| 02:35 Uhr

Volle Ladung Literatur

"Lesen und Leute" zum Auftakt des Cottbuser Bücherfrühlings am Mittwochabend in der Buchhandlung Hugendubel: Thomas Bruhn, Waldemar Kleinschmidt, Annett Igel und Klaus Wilke (v.l.).
"Lesen und Leute" zum Auftakt des Cottbuser Bücherfrühlings am Mittwochabend in der Buchhandlung Hugendubel: Thomas Bruhn, Waldemar Kleinschmidt, Annett Igel und Klaus Wilke (v.l.). FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Zum Auftakt des Cottbuser Bücherfrühlings gab es am Mittwochabend eine volle Ladung Literatur. Autor Thomas Bruhn und Literaturkritiker Klaus Wilke holten sich dazu erstmals RUNDSCHAU-Redakteurin Annett Igel aufs Podium im Buchhaus Hugendubel. Das sorgt für neue Dynamik. Zu Hochform läuft das Trio auf, wenn es sich uneins ist. Und Gast Waldemar Kleinschmidt beweist Talent als Plaudertasche. Peggy Kompalla

Den drei bekennenden Bücherwürmern Thomas Bruhn, Klaus Wilke und Annett Igel ist klar, dass sie sich und ihrem Publikum ganz schön was zumuten. 16 Bücher wollen sie vorstellen. Natürlich schaffen sie es nicht. Da hilft die Handreichung mit Titeln und Autoren und einer nicht minder langen Weiter-Lese-Liste. 2014 scheint ein guter Bücherjahrgang sein.

So wundert es nicht, dass Klaus Wilke bereits um 19.44 Uhr seine erste Einlassung mit den Worten einleitet: "Um nicht in Zeitverzug zu geraten, werde ich mich mit meine Anmerkungen kurz halten." Das gelingt. Zunächst. Das Publikum wird trotzdem erst um 22 Uhr ganz büchertrunken entlassen. Da gerät der leichtfüßige Bossa Nova und Swing der jungen Band "Jazzteken" zwischendurch zur dringend notwendigen Lockerungsübung.

Das Lese-Trio präsentiert keine leichte Kost. Biografien sind dabei, eine Briefsammlung, ein Tagebuch, ein Lexikon, eine Gesprächssammlung, Romane und Novellen. Es sind nicht alles Meisterwerke. Trotzdem sind sie empfehlenswert. Das verstehen die Drei genau zu erklären. Am spannendsten ist es jedoch, wenn sie in Streit geraten. "Selbst Grass hätte es nicht so schlimm ausgedrückt", urteilt Bruhn über einen Passus in Hans Pleschinskis "Königsallee" und weist dem Autor auch noch schlechte Recherche nach. Während Bruhn das Buch ratlos zurücklässt, erfreut sich Wilke am Zeitcolorit, das es verströmt. Annett Igel schaltet sich erst im Laufe des Abends richtig in die Diskussion ein. Dann lebt das Trio auf. Die Leidenschaft kocht. So erfährt das Publikum von schlechten Übersetzungen, verirrten Manuskripten, Zitate werden aus der Erinnerung gekramt und gar alte Lieblingsbücher präsentiert. Der Abend verträgt noch viel mehr solch lustvollen Zwist und bräuchte viel weniger Schweinsgalopp.

Das Trio gerät zum Stichwortgeber als Waldemar Kleinschmidt die Bühne betritt. Der frühere Cottbuser Oberbürgermeister braucht keine Bücher, hat er doch auch so genug zu erzählen. Er erweist sich als echter Entertainer, der den richtigen Ton zwischen Unterhaltung und Nachdenklichkeit trifft. Die Besucher erfahren wie Kleinschmidt in einem Lada, mit 50 Westmark im Portemonnaie und fünf Kanistern Benzin gen Bonn fährt, um die Bundesgartenschau endlich in den Osten zu holen. "Dann kam das Elend", erzählt er. Denn danach musste er das Stadtparlament von der Buga überzeugen. Die geheime Abstimmung war die Rettung, verrät er. Die Mehrheit betrug nur zwei Stimmen. "Trotzdem", sagt Kleinschmidt. "Noch wichtiger als die Buga war die Gründung der Technischen Universität. Das war der schönste Tag in meinem Oberbürgermeister-Dasein." Dann verrät er noch, dass er wegen seiner Schwester im Westen zwar nicht seinen Traum vom Fliegen im Osten erfüllen konnte, doch er verdankt ihr auch sein Lieblingsbuch. Das hat er dabei. Es ist völlig zerfleddert, woran die unzähligen Mitleser schuld sind: Fritz Walter "3:2 - Die Spiele zur Weltmeisterschaft". Thomas Bruhn borgt sich das antiquarische Exemplar prompt und Kleinschmidt warnt: "Nicht, dass es jetzt ein Jahr rumwandert."

Zum Thema:
Steve Sabor "Odessa oder wenigstens Döbeln-Ost", 3. April, 19.30 Uhr, Buchhandlung Hugendubel.Christian Friedrich und Volkmar Herold "Zu Pferde, mit der Mail und per Schiff", Pücklers Reiseerlebnisse in England 1826 bis 1829, 8. April, 16 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek.Susanne Lambrecht "Vier Frauen-Geschichten aus der Bibel", 9. April, 19.30 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek.Ursula Werner "Immer geht's weiter", 10. April, 19.30 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek.Anja Goerz "Der Osten ist ein Gefühl", 15. April, 19 Uhr, Buchhandlung Hugendubel.Edition Branitz 10 "Wiedergeburt der Baumgiganten", 23. April, 17.30 Uhr, Fürst-Pückler-Park Branitz.Jan Bredack "Vegan für alle", 28. April, 19.30 Uhr, Buchhandlung Hugendubel.Norbert Herrn "Inselhüpfen auf den Philippinen", 29. April, 16 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek.Kulturwerkstatt P 12 "Flügel wachsen aus der Erde", 7. Mai, 19.30 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek.Pamela Pabst "Ich sehe das, was ihr nicht seht", 13. Mai, 19.30 Uhr, Buchhandlung Hugendubel.Jana Simon "Sei dennoch unverzagt", 14. Mai, 19.30 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek.Franziska Steinhauer und Uwe Madel "Mordsgeschichten im Handgepäck", 20. Mai, 19.30 Uhr, Buchhandlung Hugendubel.Dunja Hayali "Is' was dog?", 21. Mai, 19.30 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek.Ralf König "Comic-Lesung mit Bildern", 23. Mai, 20 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek.Marita Helterhoff "Biografiearbeit und Gesundheit", 27. Mai, 16 Uhr, Stadt- und Regionalbibliothek.Zeitzeugen und Wortfenster und P 12 "Spuren für Zensuren, Schulzeitgeschichten von Schiefertafel bis Smartboard", 19. Juni, 18 Uhr, Buchhandlung Hugendubel.