ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:52 Uhr

Kirche
Die Weihnachtsfreude ist für alle da

Cottbus. Übervolle Kirchen Heiligabend, trotz Schwund an Gemeindegliedern. Konfessionslose sind stets willkommen. Von Stephan Meyer

Menschen, die Heiligabend bei einem der Gottesdienste in den Cottbuser Kirchen einen Platz ergattern wollen, müssen sich meist früher als üblich auf den Weg machen. Allein die evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai zählte im vergangenen Jahr am 24. Dezember über 2000 Besucher in ihren Kirchen, Kapellen und Gemeindehäusern. Im restlichen Jahr ist das Besucheraufkommen nicht immer so stark. „Heiligabend platzen alle Kirchen aus den Nähten“, weiß Superintendentin Ulrike Menzel. Und das, obwohl der Kirchenkreis jedes Jahr rund 500 Mitglieder verliert.

Natürlich sind nicht alle Kirchenbesucher Heiligabend Gemeindeglieder oder besonders religiös. Dessen ist sich die Superintendentin im Klaren. Doch wieso suchen diese Menschen dennoch die Kirchen auf? Ulrike Menzel glaubt darauf eine Antwort zu haben: „Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, dass Weihnachten nicht ganz ohne den christlichen Inhalt funktioniert.“ Festbraten und Weihnachtsbaum seien eben nur Zeichen für das Geschenk, das Gott den Menschen mache. Die Atmosphäre spiele darüber hinaus ebenfalls eine besondere Rolle. „Das ist für viele ergreifend, gemeinsam ,Stille Nacht, heilige Nacht’ zu singen“, erklärt die Pfarrerin. Manchmal werde sie auf der Straße angesprochen. „Die sagen dann: Wir sehen uns zu Weihnachten wieder“, so die Erfahrung der Superintendentin. Das zeige ihr, wie wichtig Menschen der Gottesdienst zu Heiligabend ist, auch wenn sie sonst nicht zur Kirche kommen.

Zu den Weihnachtsgottesdiensten überdurchschnittlich gut besucht ist auch die katholische Propsteikirche St. Maria Friedenskönigin, teilt Propst Thomas Besch mit. Welche Motivation konfessionslose Besucher haben, sei sehr unterschiedlich. „Allen gemeinsam ist wohl die Sehnsucht, sich im Leben bergen und Trost und Heilung finden zu können“, so der Pfarrer. Das Erleben festlicher Freude spiele ebenfalls eine große Rolle.

Konfessionslose oder Nicht-Gemeindeglieder von den Festgottesdiensten auszuschließen kommt für Ulrike Menzel nicht infrage. Die Kirche sei für alle offen und die Weihnachtsfreude gelte allen Menschen, betont sie. Zwar sind über Weihnachten die Cottbuser Kirchen besonders voll, komplett leer seien sie, laut der Pfarrerin, zu den anderen Gottesdiensten im Jahr trotzdem nicht. „Hier ist schon einiges los.“ Mit 25 000 Gemeindegliedern im gesamten Kirchenkreis seien sie vergleichsweise breit aufgestellt.“ Außerdem gebe es auch immer wieder Kircheneintritte. Cottbus treffe der Rückgang an Gemeindegliedern viel weniger als die Gemeinden im Landkreis Spree-Neiße. „Das liegt vor allem am demografischen Wandel, der die ganze Region trifft“, begründet Ulrike Menzel die Entwicklung. Nach Angaben der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sind Kirchenaustritte und die gesamtgesellschaftlich sinkende Bereitschaft, sich an Vereine und Organisationen zu binden, auch für diesen Trend verantwortlich. Einer Umfrage der Webseite www.kirchenaustritt.de zufolge, sind die häufigsten Gründe für den Kirchenaustritt die Kirchensteuer und die Unzufriedenheit mit der Institution Kirche.

Die Superintendentin vertritt jedoch die Meinung, eine Kirche könne nur so gut sein wie die, die sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen. „Die Kirche ist ein Haus aus lebendigen Steinen, in das sich jeder einbringen kann“, erklärt Ulrike Menzel. „Und Geld wird auch gebraucht, damit die Kirche ihre Aufgaben erfüllen und den Menschen das bieten kann, was sie bei uns suchen.“

Bei der katholischen Gemeinde hat die Zahl an Mitgliedern in den vergangenen Jahren nur geringfügig abgenommen, erklärt Thomas Besch. Sterbefälle und Kirchenaustritte zusammengenommen ergeben 2017 einen Rückgang von 107 Mitgliedern. Darüber hinaus gab es 488 Personen die weg- oder innerhalb der Gemeinde umgezogen sind. Verstärkung bekam die Gemeinde durch 333 Cottbuser Neubürger. Zusätzlich gab es 27 Taufen. Einen weiteren Gemeindezuwachs verspricht sich der Pfarrer durch die Festtagsgottesdienste nicht. „Aber es wäre schön, wenn es den Leuten bei uns gefällt.“ Die Superintendentin will hingegen nicht ausschließen, dass die Kirchenbesucher nach den Feiertagen vielleicht öfter vorbeischauen.