| 02:33 Uhr

Vogelspinnen und Tausendfüßler zum Anfassen

Viele Kinder bewiesen in der Insekten- und Spinnenausstellung im Alten Stadthaus, dass sie keine Scheu vor Vogelspinnen haben.
Viele Kinder bewiesen in der Insekten- und Spinnenausstellung im Alten Stadthaus, dass sie keine Scheu vor Vogelspinnen haben. FOTO: Hirche/jul1
Cottbus. Im Alten Cottbuser Stadthaus wurde am Wochenende gesponnen. In Erinnerung an alte Zeiten? Nein, ganz sicher nicht, denn für das Spinnen waren diesmal achtbeinige Wesen zuständig: Eine Spinnen- und Insektenausstellung aus dem bayrischen Feuchtwangen hatte für zwei Tage dort Station gemacht, wo einst das Stadtparlament beriet. Marion Hirche / jul1

"Wir haben 70 Terrarien und 60 Schaukästen in der Ausstellung. Die Tiere kommen aus der ganzen Welt", war von Ausstellungsleiterin Stephanie Leidig zu erfahren. Ihr Sohn hatte vor fünf Jahren begonnen, sich solch besondere Wesen zuzulegen. Er begeisterte auch seine Mutter. Deshalb touren beide nach dem Besuch notwendiger Kurse und dem Ablegen von Prüfungen jetzt mit zwei Ausstellungen durchs Land. Zur Zeit sind sie in Brandenburg unterwegs.

"Ich habe schon manche Geschichte gesponnen, aber Spinnen mag ich eigentlich nicht", gestand Edith Krömer, Pfingsturlauberin aus Leipzig. "Neugierig bin ich aber doch, schließlich muss man es nutzen, wenn schon mal die Welt in Cottbus zu Gast ist." Mit großem Interesse schlängelten sich Leonie Mahold und Celina Wißgott an den Terrarien vorbei. Sie beäugten die Brasilianische Vogelspinne ebenso wie Kaiserskorpione, die Vampirkrabben und die Braunen Stabheuschrecken. "Wir haben keine Angst vor Spinnen", betonten die Achtjährigen und bewiesen das auch, als ihnen Danny Pfisterer eine Kraushaarvogelspinne, die normalerweise in Costa Rica zuhause ist, in die Hand drückte. "Das fühlt sich richtig gut an, durch die Härchen an den Beinen sogar ein bisschen kuschlig", sagte Leonie, während die Achtfüßerin ihren Arm hoch kletterte.

Freundin Celina schaffte etwas ganz Besonderes: Sie schleppte Mutti Annett, die eine Abneigung und einen Riesenrespekt vor Spinnen hat, zum Fototisch. Dort setzte Danny Pfisterer der ängstlichen Mama verdeckt ganz sachte die Spinne auf die Hand. Nach einer Schrecksekunde traute sich die Cottbuserin sogar hinzuschauen, gestand dann aber: "Na, Liebe wird das nicht."

Eine Cottbuser Schädlingsbekämpferin war nicht so ängstlich: "Ich habe ja beruflich mit Insekten zu tun, überlege gerade, ob ich einen Teil unseres Aquariums zu einem Terrarium mit Silberfischen mache. Aber das muss ich noch mit meinem Mann absprechen." Sie fotografierte die riesige Madagaskar-Fauchschabe und dachte dabei an die Minischaben, die sie in ihrem Berufsalltag aus hygienischen Gründen bekämpft.

Auch die zwölfjährige Lisanne und Freundin Amy gehörten zu den tapferen Vogelspinnentestern und zeigten sich auch bei den Schaukästen sehr interessiert. Hier erfuhren die Besucher, dass die Trichternetzspinne die giftigste Spinne der Welt ist. Sie lebt in Australien, ist drei Zentimeter klein und wagt sich in Sydney auch in Wohngebiete. Ein Biss von ihr kann schnell zum Tod durch Muskel- und Atmungslähmung führen.

Es gab aber auch Informationen über Giftnotrufzentralen. Ein Film zeigte, wie der Spinnennachwuchs auf die Welt kommt. Die Cottbuser Jeremy und Jamie, die mit Oma Sylke Schur in die Ausstellung gekommen waren, konnten sich gar nicht losreißen von den interessanten Ausstellungsobjekten. Der neunjährige Justin Tannert aus Mannheim merkte, dass die vielen Füße des etwa 25 Zentimeter langen Tausendfüßlers wie Nadeln pieken. So mancher junge Besucher ging dann auch mit einer Spinne nach Hause - einer Gummispinne, die es zu kaufen gab.