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| 16:18 Uhr

Cottbus
Völkerverständigung im Speisesaal

Argentinischer Fußball auf dem Klosterplatz: Schüler des „Colegio aleman“ aus Buenos Aires zu Gast in der Jugendherberge.
Argentinischer Fußball auf dem Klosterplatz: Schüler des „Colegio aleman“ aus Buenos Aires zu Gast in der Jugendherberge. FOTO: CMT Cottbus
Cottbus. Die Jugendherberge in der Cottbuser Altstadt lockt Gäste aus aller Welt an. Von Josephine Japke

„Es muss nicht immer ein Vier-Sterne-Hotel sein. Die Jugendherberge macht auch Spaß“, stellt Kerstin Pujo mit Bestimmtheit fest. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet sie in der Jugendherberge Cottbus. Die Lage im Herzen der Stadt, direkt am Klosterplatz, sei ein Magnet für internationale Gäste wie deutsche Radwanderer gleichermaßen. Vor allem in den Sommermonaten sind die 55 Betten im Haus häufig belegt.

„Erst vor ein paar Tagen hatten wir die Teilnehmer einer Werkstatt dess Piccolo-Theaters mit deutschen und polnischen Schülern hier. Jetzt bleibt eine indische Gruppe für ein paar Tage bei uns“, erklärt Kerstin Pujo. Auch aus Costa Rica, Frankreich und Norwegen nächtigten bereits Gäste in dem Haus. Viele von ihnen kommen immer wieder nach Cottbus. So Argentinier einer deutschen Schule. „Sie kommen jedes Jahr her, bleiben für vier Nächte und unternehmen von hier aus Ausflüge. Vor allem die Innenstadt, der Altmarkt und die Parks im gesamten Stadtgebiet haben es ihnen angetan“, sagt die Herbergschefin.

Treffen alle im Speiseraum aufeinander, werden manchmal Gespräche mit Händen und Füßen bis tief in die Nacht geführt und Reisetipps weitergegeben. „Es ist ein kleiner Beitrag zur Völkerverständigung. Denn bei uns treffen alle Sprachen, Länder und Religionen aufeinander und verstehen sich prächtig“, stellt Kerstin Pujo fest. Wie eine Gesellschaft im Großen funktionieren könne und solle, sehe man im Kleinen im Speiseraum der Jugendherberge. „Es ist bei uns nicht so anonym wie im Hotel. Man kommt schneller mit Menschen in Kontakt und viele kommen genau deswegen zu uns“, erklärt sie.

Kerstin Pujo arbeitet seit 33 Jahren in der Jugendherberge am Klosterplatz in Cottbus.
Kerstin Pujo arbeitet seit 33 Jahren in der Jugendherberge am Klosterplatz in Cottbus. FOTO: LR / Josephine Japke

Die Lage von Cottbus zwischen Spreewald, Berlin und Dresden locke Gäste an. Wer nicht weit reisen will, erkundet die Innenstadt und den Branitzer Park. Auch Sport- und Kulturveranstaltungen wirken wie ein Magnet. „Zum Stadtfest und den Leichtathletiktagen begrüßen wir in jedem Jahr neue sowie Stammgäste“, sagt Kerstin Pujo. Mit einigen von ihnen sei schon eine so gute Freundschaft entstanden, dass sie der Jugendherberge Postkarten aus anderen Urlauben schicken.

Auch die Zusammenarbeit mit der Lausitzer Universität und dem Studentenwerk funktioniere super, denn wer so schnell keine Bleibe auftreiben kann, übernachtet eben in der Jugendherberge. Tür an Tür mit Professoren aus Kiel, Bayreuth und Braunschweig, die ebenfalls das Haus am Klosterplatz aufsuchen.

Die Bezeichnung „Jugendherberge“ löse bei einigen Gästen allerdings Sorge aus. Die Frage, wie laut es mit den ganzen Jugendlichen sei, bekämen sie oft zu hören. „Dabei hatten wir noch nie Probleme mit Jugendlichen, Junggesellenabschieden oder jungen Erwachsenen“, betont die Chefin. Alle wissen, wie man sich zu benehmen hat. Und wer den teilweise rustikalen und typischen Flair der Jugendherberge mit Doppelstockbetten und WC im Gang nicht mag, kann auch in das nebenan liegende Gästehaus ausweichen, wo „der Komfort größer ist“.

Kerstin Pujo weiß, dass es etwas besonderes ist, so lange an einem Ort zu arbeiten. „Aber das Haus ist ein Projekt, mit dem ich irgendwie verheiratet bin“, gesteht sie und lacht. Die Arbeit mit Menschen, die Freundschaften, die sich entwickeln und die unterschiedlichen Aufgaben machen ihren Job so besonders. „Frühstück machen, Zimmer machen, Abrechnungen, Einkauf, Abendbrot. Eigentlich ist es wie zu Hause, nur in anderen Größenordnungen“, erklärt die Herbergsmutter von Cottbus.