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Vier Schafe in Drachhausen gerissen

Drachhausen. Eine Koppel, vier tote Schafe, ein verängstigtes Tier: Fassungslos äußert sich Landwirt Norbert Scheppan über den blutigen Vorfall, der sich in der Nacht oder den frühen Morgenstunden des Montags am Dorfrand in Drachhausen ereignet hat. "Ich bekam gegen neun Uhr Meldung von meinem Nachbarn, einem Jäger, dass vier meiner Schafe tot auf der Weide liegen. Rüdiger Hofmann

Dann bin ich sofort rausgefahren", sagt Scheppan. Vor Ort sieht er die gerissenen Tiere. Ein grauenhafter Anblick.

Etwa zwei Hektar groß ist seine eingekoppelte Weide. Vier weitere Schafe sind verschwunden, ein Jungtier ist verängstigt zurückgeblieben. "Äußere Verletzungen konnte ich bei dem Jungschaf nicht sehen", sagt Scheppan. Doch das Tier rannte taumelnd, wie unter Drogen stehend, umher, so seine Schilderung, was wahrscheinlich auf innere Verletzungen zurückzuführen ist. Für Scheppan ist die Lage klar: Es muss ein Wolfsangriff gewesen sein. Schäden am Zaun sind allerdings nicht zu erkennen. "Der oder die Wölfe müssen unter dem Zaun durchgekrochen oder über den Zaun gesprungen sein." Scheppan beziffert den Schaden des Verlustes auf mindestens 2000 Euro.

Dass es sich bei der Attacke um einen Wolfsangriff handelt, ist schon aufgrund der Verletzungen bei den toten Tieren sehr wahrscheinlich. "Die Gegend um Drachhausen ist zudem potenziell gefährdet, und auch die Jahreszeit spricht dafür", bestätigt Edwin Majaura, ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter des Landes Brandenburg. "Die älteren Tiere und auch die Welpen des Vorjahres suchen nun verstärkt nach Nahrung", sagt Majaura. Drachhausen falle in das Einzugsgebiet des Lieberoser Rudels, das im Norden von Cottbus aktiv ist. Bis zu 250 Quadratkilometer kann das Revier eines Rudels groß sein.

Spezielle Schutzmaßnahmen hat Norbert Scheppan bisher nicht ergriffen, auch keine Stromzäune aufgestellt. "Damit hat doch keiner gerechnet, dass Wölfe jetzt schon so nah an das Dorf herankommen", sagt der Landwirt. Über den Einsatz von Wildkameras denkt er nun aber nach.

"Bei Verdacht auf einen Wolfsübergriff auf Nutztiere sollte die Schadenshotline des Landesamtes für Umwelt gewählt werden", rät André Pfeiffer, Wolfsbeauftragter im Spree-Neiße-Kreis. Da Scheppan seine Schafe aber nicht gemeldet hat und sie damit auch keine Ohrmarke tragen, werde die Begutachtung der toten Weidetiere durch einen vom Land beauftragten Rissgutachter nicht möglich sein.

Bleibt die Frage nach den verschwundenen Tieren. Unwahrscheinlich sei es, dass der Wolf die vermissten Schafe verschleppt hat. "Ich vermute, dass die Tiere verletzt geflüchtet sind", sagt Pfeiffer. Dann könnten sie sich noch in unmittelbarer Gegend aufhalten. Die Überlebenschancen seien in diesem Fall aber nicht besonders hoch.