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Vier Minuten Ersparnis sorgen für mindestens zwei Jahre Ärger

Anhänger der Linken hatten beim Bürgerforum die erste Reihe besetzt.
Anhänger der Linken hatten beim Bürgerforum die erste Reihe besetzt. FOTO: Ronald Ufer/rur1
Kolkwitz. Frühestens zum Fahrplanwechsel 2017/18 werden an beiden Haltepunkten zur Hauptverkehrszeit wieder Fahrgäste nach Cottbus und Berlin einsteigen können. Das machte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider Dienstag gegenüber Einwohnern deutlich. rur1

Beim Bürgerforum hatten Linke mit Shirts gegen Bahnhofschließungen die erste Reihe besetzt. Sie erinnerten so an den Kampf für die Haltepunkte 2012/13. Auch sonst war die Stimmung im Kolkwitz Center angespannt, wie die Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Hans-Georg Zubiks (CDU) zeigte. Er zollte der Ministerin Respekt, in die Höhle des Löwen gekommen zu sein.

Kathrin Schneider sprach Klartext. Die Strecke Berlin-Cottbus sei überbelastet. Der Regionalexpress 2 verkehre nur zu 85 Prozent pünktlich, das sei für Fahrgäste und die Zuverlässigkeit des Gesamtverkehrs ungenügend. Denn in Berlin und Cottbus stünden nur kleine Zeitfenster zum Passieren viel befahrener Abschnitte und für Anschlüsse zur Verfügung. Erschwerend kämen Veränderungen im Gesamtablauf durch die schnellere Fernverbindung Berlin-München und zwei Bauprojekte der Bahn hinzu.

Der Konzern zieht die Notbremse, streicht ab Fahrplanwechsel im Dezember 2015 den Halt für diverse Züge in Kolkwitz und Kunersdorf, um zur Stabilisierung der Fahrpläne vier Minuten Zeit zwischen Königs Wusterhausen und Cottbus einzusparen. Nur bis 7 Uhr, abends und durch einen Verstärkerzug am Nachmittag sollen beide Bahnhöfe dann noch bedient werden.

Bürgermeister Fritz Handrow sah sich durch die Bahn seit Jahren getäuscht. In den vergangenen zwei Jahren sei viel kommunales Geld in den Kauf von Flächen, Abrissarbeiten und Planungen zur Aufwertung der Haltepunkte investiert worden. Der langjährige Gemeindevertreter Gerd Bzdak (Linke) verwies darauf, dass die Zusagen zum Erhalt der Haltepunkte nur zwei Jahre gehalten hätten. Zudem müssten die Bahnhöfe laut neuer Gesetze umgebaut werden. Gerd Bzdak schlug als letzten Ausweg eine Art Tauschhandel an, zwei Jahre ausgedünnter Verkehr gegen feste Landeszusagen, dass in dieser Zeit die Haltepunkte modernisiert würden.

Pendler sprachen das Problem an, künftig über den Umweg Cottbus oder Vetschau ihre Arbeitsstätten in Berlin oder dessen Umland zu erreichen, verwiesen auf erhöhte Kosten und eine späte Rückkehr. Eltern kritisierten teure und lange Schulwege nach Cottbus, ältere Bürger beklagten Probleme mit Arztbesuchen. Letztlich blieb es bei der Zusicherung der Ministerin, die Haltepunkte würden nicht geschlossen und die Einschränkungen seien auf zwei Jahre begrenzt. Langfristig müsse gemeinsam für den zweigleisigen Streckenausbau zwischen Lübbenau und Cottbus im Rahmen des Bundesverkehrswegeplanes gekämpft werden, notfalls in mehreren Etappen.

Der Spree-Neiße-Kreis baut mit Landesgeldern in den nächsten zwei Jahren als Ersatz die Buslinien im Raum Kolkwitz aus.