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Viel Harmonie im Wahlforum

Die Kandidaten des Wahlkreises 64 legten im RUNDSCHAU-Wahlforum ihre Positionen dar. Von links: Birgit Kaufhold (Linke), Wolfgang Renner (Grüne), Uli Freese (SPD), Marianne Spring-Räumschüssel (AfD), Klaus-Peter Schulze (CDU) und Jeff Staudacher (FDP). Es moderierten Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer (re.) und Chefreporter Christian Taubert (li.).
Die Kandidaten des Wahlkreises 64 legten im RUNDSCHAU-Wahlforum ihre Positionen dar. Von links: Birgit Kaufhold (Linke), Wolfgang Renner (Grüne), Uli Freese (SPD), Marianne Spring-Räumschüssel (AfD), Klaus-Peter Schulze (CDU) und Jeff Staudacher (FDP). Es moderierten Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer (re.) und Chefreporter Christian Taubert (li.). FOTO: Helbig
Cottbus. Viel Einigkeit herrschte am Mittwochabend beim RUNDSCHAU-Wahlforum im Cottbuser Medienhaus. Knapp 50 Leser waren der Einladung gefolgt, um die sechs Direktkandidaten der etablierten Parteien kennenzulernen. Daniel Steiger

Beim Thema Braunkohleausstieg waren sich die meisten einig, dass dieser kommen wird, aber nicht zu schnell kommen darf. Mit Sätzen wie "Es darf keinen Kohleausstiegsdatum geben", Uli Freese (SPD); "Wenn der Kohleausstieg kommt, rollen hier wieder die Umzugswagen", Marianne Spring-Räumschüssel (AfD); "Mit Naturschutz und Tourismus werden wir hier das Geld nicht verdienen", Klaus-Peter Schulze (CDU) waren sich viele einig. Einzig Wolfgang Renner von den Grünen warnte: "Es werden Dörfer weggebaggert und das Klima versaut. Damit muss jetzt Schluss sein."

Auch beim Strukturwandel in der Lausitz gab es zwischen den Kandidaten im Wahlkreis 64 (Cottbus/Spree-Neiße) nur wenig Unterschiede. Birgit Kaufhold will 250 Millionen Euro vom Bund, um unter anderem die Innovationskraft durch zwei außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zu erhöhen. Technologie als Standortfaktor sieht auch Jeff Staudacher von der FDP: "Bei der Digitalisierung steckt Deutschland noch im Mittelalter."

Deutlich an Fahrt gewann die Diskussion, als die Moderatoren RUNDSCHAU-Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer und Chefreporter Christian Taubert die Frage stellten, ob die Kandidaten das "Wir schaffen das" der Bundeskanzlerin und den danach folgenden Umgang mit der Flüchtlingsfrage für richtig halten. Birgit Kaufhold war hier der Meinung, dass der Staat versagt und die Ehrenamtlichen mit der Arbeit allein gelassen hat. Uli Freese schob die Schuld an der Flüchtlingsfrage sogar der ganzen Welt zu. Fluchtursachen sollten bekämpft werden. Das Ja der Kanzlerin findet der Grüne Wolfgang Renner auch heute noch richtig: "Was hätte sie denn angesichts der vielen Menschen auch tun sollen?" Eine klar andere Position bezog die AfD-Kandidatin. "Wir sind am Anschlag und schaffen das nicht", so Marianne Spring-Räumschüssel. Ihre Partei wolle die "unkontrollierte Zuwanderung stoppen und verhindern, dass die Stimmung kippt". Als Beleg zitierte sie in dem Zusammenhang einen Artikel des Münchner Merkur, dass die Zahl der Vergewaltigungen in Bayern um 91 Prozent zugenommen habe. Wolfgang Renner empört: "Dass sie diese Zahl in Verbindung mit den Flüchtlingen setzen, ist Rassismus." Hier werde in der Bevölkerung nur Angst geschürt. In einem schnellen Faktencheck überprüfte Moderator Haustein-Teßmer die in die Diskussion geworfenen Zahlen. Die Zahl der Vergewaltigungen in Bayern hat laut Innenministerium tatsächlich zugenommen, um 48 Prozent. Von 685 im ersten Halbjahr 2017 gehen demnach 126 auf das Konto von Flüchtlingen. Diese Zahl stieg tatsächlich um 91 Prozentpunkte.