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| 02:33 Uhr

Viel Grün und die Spree als Chance

In der Alten Schule in Döbbrick ist am Freitag über das Ortsteilkonzept diskutiert worden.
In der Alten Schule in Döbbrick ist am Freitag über das Ortsteilkonzept diskutiert worden. FOTO: Hering
Cottbus. Die Spree und viel Grün vor der Haustür. Dazu ein reges Vereinsleben. Der Cottbuser Ortsteil Döbbrick hat einige Vorzüge. Die Infrastruktur gehört allerdings nicht dazu. Das war das Ergebnis einer Diskussionsrunde am Freitagabend im Rahmen der Erarbeitung eines neuen Ortsteilentwicklungskonzeptes. Sven Hering

Die Konkurrenzangebote am Freitagabend waren groß. In der Flimmerkiste lief schließlich parallel der Handball-Krimi mit Happy End und Finaleinzug für die deutsche Mannschaft. Trotzdem hatten sich in der Alten Schule im Cottbuser Ortsteil Döbbrick gut 20 Einwohner gefunden, um über die Zukunft ihres Heimatortes zu diskutieren.

Das Szenario, das Martin Hellriegel von der Beratungsfirma Cima zu Beginn skizzierte, machte freilich wenig Mut. 25 Prozent Einwohnerschwund wird Döbbrick nach aktuellen Prog nosen bis zum Jahr 2035 vorhergesagt. Wohnungsleerstand und ein Preisverfall der Immobilien wären die Folge, so Hellriegel. Doch der Stadtplaner machte den Döbbrickern zugleich Mut. "Die Prognose glaube ich so nicht, wir haben hier einen attraktiven ländlichen Stadtteil", betonte er.

Die Lage im Grünen direkt an der Spree stellten dann auch viele Döbbricker als besonderen Pluspunkt heraus. Auf dem Radweg, der direkt am Fluss entlangführt, gehe es am Wochenende manchmal zu wie auf der Autobahn, schilderte ein Anwohner seine Beobachtungen. Doch aus dieser Stärke ziehe der Ort noch zu wenig Kapital, lautete eine Erkenntnis des Abends. Das fängt bei der fehlenden Beschilderung an, mit der die Radtouristen auf die Gaststätte oder die schmucken Gotteshäuser im Ort aufmerksam gemacht werden könnten. Und hört mit einem kleinen Grill- oder Zeltplatz, der auch von Kanutouristen genutzt werden könnte, noch lange nicht auf.

Straße ist ein Problem

Weitere Probleme: Die Straßenverbindung in die Stadt nach Schmellwitz ist eine Zumutung. "Die Stadt lässt uns hier im Regen stehen", betonte ein Döbbricker. Mit der Eingemeindung des Ortes nach Cottbus habe der Bau von Straßen und Gehwegen schlagartig aufgehört. Aus heutiger Sicht wäre es besser gewesen, sich mit Dissen zusammenzuschließen, sinnierte ein Einwohner. Auch die vor allem am Wochenende unzureichenden Busverbindungen wurden kritisiert. Der von Cottbusverkehr angebotene Rufbus sei keine wirkliche Alternative, lautete der Grundtenor.

Doch Döbbrick hat auch einiges zu bieten. "Im Gegensatz zu vielen anderen Ortsteilen besitzen wir ein Mehrzweckgebäude", sagte Ortsvorsteherin Barbara Merz. Der Ort verfüge über mehrere Kinderspielplätze. Barbara Merz lobte zudem das Gemeinschaftsgefühl. Der jüngste Weihnachtsmarkt, zum ersten Mal auf die Beine gestellt, sei dafür ein Beispiel gewesen. Dort sei praktisch der gesamte Ort - also altes und neues Dorf - zusammengekommen. Dem pflichtete Christina Gerth bei. "Das Dorfleben, das wir selbst gestalten müssen, sorgt für Attraktivität", betonte sie. Die Döbbricker seien begeisterungsfähig. Heimatverein, Feuerwehr oder Sportverein bieten zudem die Möglichkeit, die alteingesessenen und neuen Döbbricker zusammenzubringen.

Senioren im Blick behalten

Trotzdem sehen auch die Döbbricker eine Gefahr: Vor allem für die ältere Generation könnte es künftig problematisch werden, dem Ort die Treue zu halten. Versorgungseinrichtungen gibt es kaum, ebenso wenig einen Arzt. Im alten Dorf werden diese Lücken derzeit noch durch die Familien kompensiert. Dort kümmern sich die Kinder um ihre Eltern. Doch im neuen Dorf leben die Senioren meist ohne familiären Anhang - und damit ohne Unterstützung, von den gut funktionierenden Pflegediensten einmal abgesehen. Einige Rentner haben deshalb dem Ortsteil schon den Rücken gekehrt und sind in die Stadt gezogen. Dort, wo es eben den Arzt oder Supermarkt entweder direkt vor der Haustür gibt. Oder eben gute Verbindungen mit Bus und Bahn.

"Wenn ein Ortsteil nicht über die komplette Infrastruktur verfügt, dann muss aber wenigstens gewährleistet sein, dass die Angebote in der Stadt wahrgenommen werden können", sagte Planer Martin Hellriegel. Nur so könne auch dem prognostizierten Bevölkerungsschwund entgegengewirkt werden. Ein weiteres Fazit des Planers nach der gut zweistündigen Diskussion lautete: Die Spree ist für Döbbrick ein ganz großes Thema. Aus diesem Potenzial müsse künftig viel mehr gemacht werden.

Mit Diskussionsrunden in Merzdorf und Saspow ist am Wochenende die erste Stippvisite in den ländlich geprägten Cottbuser Ortsteilen abgeschlossen worden. Die Beiträge darüber lesen Sie in dieser Woche in der RUNDSCHAU.