ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:00 Uhr

Bürgermeisterwahl in Drebkau
Viel Einigkeit, kaum Unterschiede bei Drebkauer BM-Wahl

Paul Köhne (CDU), Dietmar Serb (AfD), Dietmar Horke (parteilos) und Torsten Richter (Linke, v.l.) diskutieren mit zahlreichen Drebkauern über die Zukunft der Gemeinde. Moderiert hat die vom Unternehmerinnen-Stammtisch organisierte Runde Marion Hirche (r.).
Paul Köhne (CDU), Dietmar Serb (AfD), Dietmar Horke (parteilos) und Torsten Richter (Linke, v.l.) diskutieren mit zahlreichen Drebkauern über die Zukunft der Gemeinde. Moderiert hat die vom Unternehmerinnen-Stammtisch organisierte Runde Marion Hirche (r.). FOTO: Daniel Schauff / LR
Drebkau. Der Unternehmerinnen-Stammtisch hatte die vier Kandidaten zur Diskussion geladen. Von Daniel Schauff

Dietmar Serb bereitete seine Konkurrenten schon mal auf ihre künftigen Aufgaben vor, sobald der AfD-Kandidat zum Drebkauer Stadtchef gewählt worden ist. Serb gibt sich angriffslustig, Amtsinhaber Dietmar Horke (parteilos) und die Herausforderer Paul Köhne (CDU) und Torsten Richter (Linke) nahmen es mit Humor. So schlecht könne seine Arbeit in den vergangenen acht Jahren ja nicht gewesen sein, wenn Serb ihn als Berater in den ersten Tagen engagieren wolle, sagte Horke.

Der Drebkauer Unternehmerinnen-Stammtisch hatte die vier Kandidaten zur einzigen Diskussionsrunde vor der Wahl in den Steinitzhof eingeladen. Eine gute Idee, offenbar. Der Saal war nicht annähernd groß genug, um den Interessierten ausreichend Raum zu bieten. Bis auf den Vorhof saßen oder standen die Drebkauer Wähler.

Über Wirtschaftsförderung, Tourismus und den angespannten Haushalt sollten die Kandidaten referieren. Die Fragen hatten die Veranstalter vorgegeben. Einzeln betrachten könne man die Themen eigentlich gar nicht, sagte Horke. Einen Versuch startete er trotzdem. Mit einer kleinteiligen Ausschreibung, auf die sich auch Unternehmen aus der Gemeinde bewerben können, will er die Drebkauer Wirtschaft unter anderem stärken. Die Verwaltung sei bereit, das Wachstum von Firmen zu fördern, sagt Horke, verweist auf die Entwicklungen im Industriegebiet in den vergangenen Jahren.

Als Lobbyist für Unternehmen und die Gemeinde will sich Paul Köhne als Bürgermeister verstehen. Eine Kompetenzrunde stelle er sich künftig den Drebkauer Unternehmen vor. Wirtschaftsförderung sei für ihn „Chefsache“.

Riesige Produktionsfirmen werden nicht nach Drebkau kommen, ist Torsten Richter überzeugt. „Da müssen wir uns nichts vormachen.“ Auch er setzt auf kleinteilige Ausschreibungen, will mit den Unternehmern in der Gemeinde regelmäßig ins Gespräch kommen.

Bei Händlern und Handwerkern im Ort das Geld lassen – Dietmar Serbs Rezept für die „Wirtschaftsförderung im Kleinen“ fasst er selbst in einem Satz zusammen: „Ich muss dem anderen etwas gönnen, dann gönnt er mir auch etwas.“ Gewerbegebiete in Leuthen und Schorbus hält er für wichtig, ebenso, das bestehende Gewerbe zu fördern.

In Sachen Tourismus fahren die vier Kandidaten fast eingleisig. Zumindest eins steht für alle fest: Drebkau hat Potenzial, genutzt wird es allerdings zu wenig. Horke setzt dabei auf Rad- und Tagestouristen. Die Infrastruktur Drebkaus gebe nicht mehr her, sagt der Amtsinhaber. Der Gräbendorfer See aber sei etwa ein Ort, an dem Besucher vielleicht auch länger bleiben könnten. Der müsse so schnell wie möglich weiter vermarktet werden. Horke weiß: Touristen wollen auch essen und trinken. In Drebkau ist in das Angebot in dem Feld verschwindend gering.

Köhne setzt, wie auch Horke vor ihm, auf eine touristische Beschilderung. Der Tourismus funktioniere noch nicht, sagt der Eigentümer einer Ferienwohnung in der Gemeinde. Drei touristische Zentren sieht er in der Gemeinde: den Gräbendorfer See, das Drebkauer Zentrum und den Steinitzhof. Potenziale sieht er auch im Rad-, Wander- und Bergbautourismus, weiß allerdings auch: „Die Anrainerkommunen überholen uns.“

Dietmar Serb setzt auf eine touristische Entwicklung mit den Nachbargemeinden. „Uns fehlt das Alleinstellungmerkmal“, sagt er. Das größte Potenzial erkennt Serb im Brauhaus in der Drebkauer Innenstadt, allein passiere dort kaum noch etwas. Auch auf die gastronomische Versorgung macht er aufmerksam. Die müsse schritthalten, so Serb.

Richter verweist aufs Tourismuskonzept – das gebe es zwar, es müsse aber auch umgesetzt werden. „Tourismus sollte Geld in die Region bringen.“

Beim Thema Geld sagt Horke: „Es ist Geld da, es ist nur nicht genug Geld da, um alle Wünsche zu erfüllen.“ Zwar gebe es Fördermöglichkeiten, jede Förderung bringe aber auch einen Eigenanteil mit sich, den die Stadt erst einmal fähig sein müsse aufzubringen. Sieben Millionen Euro verarbeite die Stadt in den Jaren 2018 und 2019 – es sei schon eine Leistung, die Eigenanteile dafür im Haushalt bereitzustellen. Horke verweist darauf, dass Drebkau nicht mehr mit einem Haushaltssicherungskonzept arbeite. Das sei bereits ein Vorteil.

„Wir müssen den Haushalt konsolidieren“, sagt Paul Köhne. Einsparmöglichkeiten sieht er etwa in der kommunalen Zusammenarbeit, Bußgeldstelle und Standesamt teilt sich Drebkau mit anderen Kommunen. Die Aufgaben aber müssten nach Drebkau kommen. Köhne erinnert daran, dass es gut 800 Fördertöpfe gebe. „Wir müssen Fördermittel konsequent nutzen“, sagt er.

Es sei nicht zu vermeiden, dass Drebkau vielleicht auf einige Dinge verzichten müsse, um wieder Geld in die Kassen zu bringen, sagt Torsten Richter. Der Drebkauer Ortsvorsteher schaut aber auch in Richtung Kreis: „Wir müssen die Kreisumlage wieder auf ein erträgliches Niveau bringen“, sagt er.

Ausgaben zu senken sei kaum noch möglich, sagt Serb. Ein Ziel sei es auch, Einwohner in Drebkau zu halten, denn „mit jedem Einwohner gehen Steuereinnahmen verloren.“