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| 18:55 Uhr

Verkehr
Viel Arbeit um den Lärm in Cottbus

Tempo 30 in der Strasse der Jugend
Tempo 30 in der Strasse der Jugend FOTO: LR / Margarethe Köhler
Cottbus. Die Stadt überarbeitet derzeit den Lärmaktionsplan. Dabei steht der Autoverkehr im Fokus. Doch die Cottbuser sind oft von ganz anderen Geräuschen genervt. Von Peggy Kompalla

Die Stadt Cottbus hat in den vergangenen Jahren viel Kraft aufgewendet, um den Verkehrslärm für die Einwohner zu verringern. Es wurden 30er-Zonen eingeführt, Schallschutzwände errichtet, Straßen umgebaut. Zudem erfährt der Bahnhof gerade eine Verwandlung in einen echten Verkehrsknoten. Was den öffentlichen Nahverkehr stärken wird. Die Bilanz lässt sich sehen, auch wenn noch zahlreiche Projekte offen sind. Das belegt der Lärmaktionsplan, der gerade überarbeitet wird. Die Verkehrsexperten geben der Stadt für die nächsten Jahre viele Hausaufgaben auf. Doch die Cottbuser fühlen sich oft nicht von Autos belästigt. Das beweist das Bürgerforum zum Thema in der vergangenen Woche. Die Stadtverordneten werden sich in den nächsten Wochen mit den Vorschlägen auseinandersetzen.

Die Planer um den Dresdner Verkehrsexperten Tobias Schönefeld empfehlen als schnell wirksamen Schritt die Erweiterung der nächtlichen 30er-Zonen zwischen 22 und 6 Uhr in Cottbus. Demnach sollte die Geschwindigkeitsreduzierung auf der Madlower Hauptstraße bis zum Autobahnanschluss verlängert und auf die gesamte Zimmerstraße erweitert werden. Neu schlagen die Planer die Bahnhofsbrücke und den Abzweig auf die Wilhelm-Külz-Straße vor. „Dabei handelt es sich um vier kurze Abschnitte. Alle zusammengenommen ergeben eine Fahrtzeitverlängerung von einer bis anderthalb Minuten“, argumentiert Schönefeld. Ebenfalls wenig aufwendig sei eine Geschwindigkeitsüberwachung in lärmsensiblen Bereichen mit Anzeigentafeln. Die Kosten beliefen sich auf etwa 4000 Euro. „Im Schnitt reduziert das den Verkehr um sechs bis sieben km/h“, ergänzt der Planer. Mit einer gezielten Bepflanzung ließe sich darüber hinaus nicht nur die Straße von der Bebauung trennen. Das Grün sorge für eine Lärmdämmung. Dafür prädestiniert sei der Nordring.

Deutlich teurer wird die Fahrbahnsanierung und der Umbau von Straßen. Handlungsbedarf sehen die Planer für die Dissenchener Straße, die Franz-Mehring-Straße, die Hermann-Löns-Straße, die Karl-Marx-Straße, die Thiemstraße und die Willy-Brandt-Straße. Das sind altbekannte Namen. Die Liste lässt sich auf das Neben- und Erschließungsstraßennetz erweitern.

Für Radfahrer und Fußgänger müsse die Stadt weiter attraktiver gemacht werden, genauso wie für den öffentlichen Nahverkehr. Auf der Autobahn sollte im Stadtbereich nach Ansicht der Verkehrsplaner ein Tempolimit von 120 km/h gelten. „Der Schall von der Autobahn reicht sehr weit“, erklärt Schönefeld. „Außerdem unterstreichen die häufigen Unfälle auf dem kurzen Abschnitt unsere Forderung.“

Doch es sind nicht immer die Autos, die den Cottbusern den Schlaf rauben. So beklagt ein Ströbitzer, dessen Haus in der Straßenbahnwendeschleife steht, morgendliches Quietschen unter der Woche ab 4.45 Uhr. „Dabei verringert ein kleiner Nieselregen schon den Lärm und belegt damit, dass eine Schmieranlage helfen würde“, sagt er. Frustriert ergänzt er, dass die Gespräche mit Cottbusverkehr bislang nicht zu einer Lösung geführt hätten. Zumindest kommt das Thema nun in den Umweltausschuss. Den Hinweis nehmen Martin Kühne (Grüne) und Andreas Rothe (SPD) mit in das Gremium. Dort soll auch noch einmal der Fall einer Ströbitzerin besprochen werden, die für einen Abschnitt der Wilhelm-Külz-Straße eine Lärmschutz- oder Grünwand fordert. „Es ist nicht mehr auszuhalten“, klagt sie. Dabei wird der Mittlere Ring von den Experten als Erfolg gewertet, weil er den Verkehr aus der Innenstadt herauslenkt. „Seit dem Umbau der Bahnhofstraße leide ich unter Schlafstörungen.“

Darunter leidet auch eine Sandowerin. Sie hat einen ganzen Stapel Papier zur Diskussion ins Stadthaus mitgebracht. Das ist der gesammelte Briefverkehr mit Ordnungs- und Umweltamt sowie der Gebäudewirtschaft. Sie wohnt direkt gegenüber vom Rewe-Markt, der montags bis samstags bis Mitternacht geöffnet hat. Der Markt ziehe trinkfestes Publikum an, das sich bis in die Morgenstunden vergnüge. „Wenn die fertig sind, kommt der Bäckerlieferant um 3 Uhr und zieht die Kisten über den Platz“, schimpft sie und schlägt vor: „Der Lieferverkehr könnte doch in die Thomas-Müntzer-Straße verlagert werden.“ Von dem nächtlichen Spektakel seien 168 Familien in dem Wohnblock betroffen. Angesichts dieser Schilderungen zeigen sich auch die Verkehrsplaner ratlos.