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| 17:31 Uhr

Branitz
Veto – kein Dach für Bahnhof Zoo

Cottbus. Das Projekt des Parkeisenbahnvereins ist ad acta gelegt – die monatelange Diskussion zu Ende. Von Daniel Schauff

„Natürlich sind wir enttäuscht“, sagt Denis Kettlitz, Vorsitzender des Parkeisenbahn-Fördervereins. „Wir haben viel Zeit und Mühe als Ehrenamtler in diese Idee gesteckt.“ Die war umsonst – das Bahnsteigdach vom Cottbuser Bahnhof aus dem Jahr 1888 wird nicht am Bahnhof Zoo der Parkeisenbahn errichtet. Der Denkmalschutz hat sein Veto eingelegt.

Aus dekmalfachlicher und -rechtlicher Sicht könne es keine Zustimmung zu dem Vorhaben geben, heißt es in einem Schreiben des Landeskonservators Thomas Drachenberg. Gleichzeitig gibt’s Lob aus der Landeshauptstadt für die Initiatoren: Die Bewahrung des Bahnsteigdachs sei eine „beispielhafte Initiative“. Im Zuge des Umbaus des Cottbuser Hauptbahnhofes musste das Relikt aus dem vorletzten Jahrhundert demontiert werden. 2018/19 sollte es laut ersten Plänen des Parkeisenbahn-Vereins wieder stehen – über den Gleisen am Cottbuser Parkeisenbahnhof Zoo.

Die Cottbuser Stadtverordneten hatten fraktionsübergreifend eine Prüfung angeregt, nachdem Befürchtungen laut geworden waren, das Dach am Bahnhof Zoo könne das angestrebte Unesco-Weltkultur­erbe Branitzer Park gefährden, weil es den Denkmal-Charakter zerstören könnte.

Weiterer Knackpunkt: Nicht nur der Bahnhof Zoo – vom Parkeisenbahnverein wegen des hohen Besucheraufkommens als Standort des historischen Daches favorisiert – steht unter Denkmalschutz, sondern das gesamte Areal der Parkeisenbahn. Heißt: Auch andere Bahnhöfe der Bahn kommen nicht als Standort infrage. Damit ist das aufwendige Gesamtprojekt wohl endgültig vom Tisch.

Kettlitz, dessen Verein auch Eigentümer des historischen Bahnsteigdaches ist, stellt klar: Verschrottet wird das „Zeugnis Cottbuser Eisenbahngeschichte“ auch nach dem jähen Ende des Herzensprojekts nicht. In Cottbus soll es bleiben, „gleichwohl können wir uns auch vorstellen, einen Teil davon unserer befreundeten Waldeisenbahn in Bad Muskau zur Verfügung zu stellen“, so der Vereinsvorsitzende. Nach der Demontage an alter Stelle wurden die Einzelteile des Daches eingelagert, Basis für das Projekt war eine Masterarbeit der Studentin Isabel Wollweber im Studiengang Bauen und Erhalten an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU).

Klar ist: Die mitunter emotional und öffentlich geführte Debatte um die Pläne des Vereins für den Bahnhof Zoo ist mit dem Machtwort aus Potsdam beendet. Nachdem der Verein die Idee für das letzte Überbleibsel des alten Cottbuser Bahnhofs Ende 2016 vorgestellt hatte, meldeten sich Kritiker zu Wort, darunter der Förderverein Fürst Pückler in Branitz, Parkleiter Claudius Wecke und Pücklerforscher und Garten- und Landschaftsarchitekt Helmut Rippl. Nicht das „Projekt Bahngleisdach“ an sich war ihnen ein Dorn im Auge, sondern die unterschiedlichen Dimensionen von Gleisdach und Bahnhof Zoo. „Der bestehende Bahnhof der Parkeisenbahn wird mit dieser Überdachung zum Spielzeugformat degradiert“, hatte etwa Rippl der RUNDSCHAU gesagt.

„Wir sind sehr froh über das schöne Engagement des Fördervereins“, sagt Bürgermeisterin Marietta Tzschop­pe (SPD). Nur ließen sich nicht alle Ideen so umsetzen, wie mancher sich das wünsche. In einer Mitteilung aber macht die Stadtverwaltung deutlich: Sie begrüßt die neue Klarheit in der Debatte. Im Zusammenhang mit dem Cottbuser Ostsees könnten für das historische Dach weitere, langfristig angelegte Verwendungsideen geprüft werden, sagt sie und kommt damit dem Wunsch des Eigentümers nach, zumindest einen Teil in oder bei Cottbus zu belassen.

Auch Gert Streidt, Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, sieht’s positiv: Drachenbergs Stellungnahme habe klargestellt, dass die unter Denkmalschutz stehende Parkeisenbahn ein integraler Bestandteil der Branitzer Park- und Kulturlandschaft sei. „Dieser Aspekt soll in Zukunft viel stärker betont werden, denn die Parkeisenbahn gehört untrennbar zum Erlebnis des Pücklerschen Gartenreichs dazu.“

Wie die Parkeisenbahn künftig noch stärker in den Fokus des Pückler-Erlebnisses in Cottbus rücken soll, bleibt kurz nach dem Aus für das Mammutprojekt Bahngleisdach noch offen. Auch der neue Standort fürs historische Dach vom Cottbuser Bahnhof steht noch nicht fest. Heißt im Umkehrschluss: Die Debatte ums Vereinsprojekt am Bahnhof Zoo hat – neben einer Reihe von Diskussionen – auch neue Potenziale zutage gebracht. Dass die Park­eisenbahn für Branitz wichtig und dass der Wiederaufbau des Bahngleisdaches in Cottbus auf Zuspruch getroffen ist, ist deutlich geworden. Einzig verbinden ließen sich beide Aspekte nicht.