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Verwunderung über Linksextremismus-Vorwurf

Ein Randalierer wirft in Hamburg im Schanzenviertel ein Fahrrad in Richtung von Wasserwerfern. Foto: Daniel Bockwoldt
Ein Randalierer wirft in Hamburg im Schanzenviertel ein Fahrrad in Richtung von Wasserwerfern. Foto: Daniel Bockwoldt
Cottbus. Linke, SPD, Grüne und AUB sind irritiert über Aussagen von Bundespolizisten. Der Cottbuser Aufbruch verteidigt Cottbus Nazifrei. Peggy Kompalla

Mit Verwunderung reagieren Linke, SPD, Grüne und AUB auf den Vorwurf des Stadtverordneten Jürgen Maresch (parteilos), auf dem linken Auge blind zu sein. Der Cottbuser Aufbruch stellt sich vor das Bündnis Cottbus Nazifrei, das nach Aussagen des Bundespolizisten Maresch von Linksextremisten missbraucht werde.

SPD-Fraktionschefin Lena Kostrewa versichert: "Ich kann auf beiden Augen gut sehen. Ich kann allerdings keine Parallelen zu Hamburg erkennen. So etwas gibt es in Cottbus nicht."

Hans-Joachim Weißflog (Grüne) betont: "Fast wöchentlich hört man in Cottbus von rechter Gewalt." Er erinnert an die radikalen Hooligans, die Fußballfans bedrohen und verprügeln und im Mai in Babelsberg mit Randale Cottbus zu zweifelhafter Bekanntheit verhalfen. Er erinnert an den nächtlichen Aufmarsch von 100 vermummten Rechtsradikalen, die mit Pyrotechnik durch die Sprem zogen und an den Überfall auf den Jugendklub Chekov vor gut einem Jahr, bei dem 20 Vermummte eine Party sprengten. "Wenn Herr Maresch Beispiele für Linksextremismus geben kann, dann muss man sich dazu verhalten", betont Weißflog. Doch das sehe er einfach nicht. Zu Cottbus Nazifrei sagt er: "Eine Sitzblockade ist keine Gewalt." Vielmehr sei das Bündnis sehr erfolgreich in seinem Einsatz gegen Rechts.

AUB-Fraktionschef Torsten Kaps bringt für Maresch nach dem Einsatz beim G 20-Gipfel Verständnis entgegen. "Die Kritik ist klar durch seine persönlichen Erlebnisse in Hamburg geprägt", sagt er, fügt aber sofort an: "Mir fehlt dabei allerdings der Bezug zur Sachlichkeit." Bei Cottbus Nazifrei habe er keine Radikalität oder Gewalt wahrgenommen. Er betont: "Extremismus in jeder Form und aus jeder Richtung ist zu verurteilen und bekämpfen."

Linke-Fraktionschef André Kaun wird deutlich: "Gewalt und Extremismus ist Scheiße. Da ist die politische Richtung egal. Die Randalierer von G 20 sind Idioten und Straftäter. Die würde ich niemals links einordnen. Deshalb ist das für mich eine Pseudo-Debatte, weil in Hamburg Verbrecher Gewalt begangen haben. Wir haben in Cottbus keinen Linksextremismus."

Der Cottbuser Aufbruch bestärkt seine Zusammenarbeit mit Cottbus Nazifrei. Sprecher Lothar Judith betont: "Seit Bildung der gemeinsamen AG Beweggründe haben wir immer gewaltfrei gegen die Rechten in Cottbus demonstriert." Gemeinsam stünden beiden Gruppen seit Jahren unter dem Motto "Cottbus bekennt Farbe" gegen jede Form von Rechtsextremismus und Rechtspopulismus - "mit dem ausdrücklichen Anspruch keine Gewalt anzuwenden". Deshalb entbehrten die Vorwürfe von Jürgen Maresch jeglicher Realität. "Dem Cottbuser Aufbruch ist es nicht nachvollziehbar, wie solche unbewiesenen, pauschalen Behauptungen bezüglich eines Linksextremismus bei Cottbus Nazifrei aufgestellt werden können."