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| 19:13 Uhr

Verwirrung um Ostsee-Kaimauer

Cottbus. Cottbus Warum wird der Hafendamm im künftigen Ostsee statt rund vier Millionen Euro mehr als sieben Millionen Euro kosten? Das wollen die Abgeordneten von Bündnis 90/ Grüne genauer wissen und haben eine entsprechende Anfrage an die Stadtverwaltung gerichtet, die am Mittwoch in der Sitzung des Stadtrates behandelt werden soll. Im Raum steht dabei als erheblicher Kostentreiber der Wechsel von Beton auf Stahl bei Verankerung und Spundwand der Kaimauer wegen der zu erwartenden Sulfatwerte, mit denen sich das Bauwerk auseinandersetzen muss. Simone Wendler / hil

Werte von bis zu 3000 Milligramm pro Liter Wasser wurden dabei von der Stadt angeführt. Sulfat kann in höheren Konzentrationen Beton angreifen.

Die Leag, die für die Flutung des Tagebaurestloches eine Genehmigung braucht, verweist dagegen auf ein Gutachten, das für den fertigen See 500, höchstens 650 Milligramm Sulfat pro Liter voraussagt.

"Das zweifeln wir auch gar nicht an", sagt Holger Palme vom Planungsbüro Inros Lackner, das in einer Arbeitsgemeinschaft im Auftrag der Stadt die Planung für den Ostsee-Hafen vornimmt. Für die Entscheidung über Material und Technik des Baus sei jedoch die aktuelle Situation in dem Böschungsbereich und in der Flutungsphase entscheidend: "Wir bauen ja da hinein."

Palme verweist auf zwei, aus seiner Sicht dafür kritische Werte. In einer nahe gelegenen Innenkippe sei eine Durchschnittskonzentration von 3000 Milligramm Sulfat pro Liter zu verzeichnen und im "Randschlauch" des ehemaligen Tagebaus schon heute ein sehr saurer ph-Wert.

Diese Kombination, so Palme, sei problematisch, wenn sie der Verankerung der Kaimauer nahekäme. Dazu käme jedoch noch das Ergebnis eines Wind- und Wellengutachtens für den künftigen See. Auch daraus hätten sich höhere Anforderungen an die Verankerung und Stärke der Kaimauer ergeben. In der Abwägung zusätzlicher Sicherungen und eines Baues mit säurefestem Spezialbeton sei die Stahlkonstruktion die günstigste Lösung.

Als weiteres Argument, um auf Nummer sicher zu gehen, führt der Planer die Tatsache an, dass die Verankerung der Mauer in der Erde verbaut werde: "Wenn sich dann dort ein Problem entwickelt, ist nichts mehr zu retten."

Als "zweite Meinung" zu der Entscheidung sei Kontakt mit dem Prüfingenieur aufgenommen worden, der die Planung zum Schluss absegnen muss. "Der hat unsere Überlegungen bestätigt", versichert Holger Palme. Auch die Entscheidung für einen der anderen Entwürfe der Kaimauer würde an all diesen Problemen nichts ändern.

Für die Stadt erhöht sich dadurch der Eigenanteil an den Baukosten deutlich. Doch 80 Prozent werden aus dem Topf des Sanierungsbergbaus gefördert. Ein Drittel des Sees, in dem auch die künftige Kaimauer liegt, gehört dem Bergbausanierer LMBV.

Die gemeinsame Landesplanung, die über die Ausreichung dieser Förderung wacht, wird die neuen Planungsunterlagen und ihre mögliche Auswirkung auf die Zuwendung nun zeitnah prüfen. Das bestätigte auf Nachfrage der zuständige Referatsleiter Klaus-Otto Weymanns. Die Zeit drängt. Wenn der Bau wie geplant im Herbst startet und ein Jahr dauert, ist die Kaimauer gerade fertig, wenn die Flutung des Sees beginnt.

Zum Thema:
(hil) Die Entscheidung der Cottbuser Stadtverordneten, eine teurere Bauweise der Kaimauer zu wählen, hat in Potsdam für Verstimmung gesorgt. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte auf RUNDSCHAU-Nachfrage, die Kommunikation in dieser Frage habe nicht optimal funktioniert. "Es wäre besser gewesen, frühzeitig miteinander über die Problematik der Kaimauer zu reden." Immerhin handele es sich um eine erhebliche Kostensteigerung. "Der zusätzliche Finanzbedarf muss mit dem zuständigen Ministerium abgestimmt werden und den Steuerungs- und Budgetausschuss für die Braunkohlesanierung durchlaufen."