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Wirtschaft
Verwirrender Umgang mit Arbeitslosenzahlen in Spree-Neiße

Cottbus/Spree-Neiße. Im Landrats-Wahlkampf in Spree-Neiße lobt Amtsinhaber Altekrüger sein Jobcenter. Die Fakten zeichnen ein anderes Bild.

Bei einem Wahlforum auf Einladung der Industrie- und Handelskammer IHK Cottbus haben die vier Kandidaten für das Landratsamt in Spree-Neiße vor wenigen Tagen über das Thema Arbeitslosigkeit diskutiert. Der Amtsinhaber Harald Altekrüger (CDU) hat dabei das Jobcenter des Kreises in höchsten Tönen gelobt, die Arbeitsagentur in Cottbus gleichzeitig heftig angegriffen. Das Jobcenter des Landkreises sei gut aufgestellt und vermittle in den ersten Arbeitsmarkt.  Anders als bei der Arbeitsagentur in Cottbus würden ältere Arbeitslose nicht in  der Statistik versteckt, so Altekrüger.

Ein harter Vorwurf – der sich allerdings durch einen Blick in die Statistik nicht belegen lässt.

Seit dem Jahr 2005 führt der Landkreis Spree-Neiße sein Jobcenter in Eigenregie (Optionskommune). Für die Stadt Cottbus und die Kreise Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald betreibt die Arbeitsagentur in Cottbus die Jobcenter. Für die Bekanntgabe der monatlichen Arbeitslosenstatistik Südbrandenburg ist die Agentur zuständig – auch für den Landkreis Spree-Neiße.

Zum Faktencheck:

Wer hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr Menschen in Arbeit vermittelt? Klare Antwort: Das Jobcenter Cottbus. Laut Information des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hat das Cottbuser Jobcenter innerhalb eines Jahres jeden Vierten seiner Kunden vermittelt (25,7 Prozent), in Spree-Neiße war nur jeder fünfte Kunde (19,7 Prozent, Stand November 2017)).

Wer hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr Langzeitarbeitslose vermittelt? Auch hier hat das Jobcenter Cottbus die Nase vorn, liegt mit einer Integrationsquote von 20,3 Prozent  vor Spree-Neiße (15,6 Prozent). Auch die Werte der übrigen Südbrandenburger Landkreise sind deutlich besser als die des Spree-Neiße-Kreises,

Wie sieht es mit der beruflichen Weiterbildung aus? Ein Blick in die Arbeitsmarktstatistik des Monats Februar 2018 zeigt: Das Jobcenter Cottbus (rund 10 000 Kunden) hat aktuell 198 Personen in einer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme, im Landkreis sind es 68 Menschen (Kundenbestand rund 7000).  Nicht gezählt: Aktivierungsmaßnahmen freier Träger.

Knackpunkt ältere Menschen ohne Arbeit. Im Paragraf 53a Sozialgesetzbuch ist festgelegt, dass Hartz IV-Empänger ab 58 Jahren nicht mehr als arbeitslos gelten, wenn ihnen länger als zwölf Monate kein Job angeboten wird. Sie fallen tatsächlich aus der Arbeitslosenstatistik heraus – ein von Experten oft kritisierter Vorgang. Ein Jobcenter, dass seine Bilanz schönen möchte, könnte ganz gezielt darauf verzichten, älteren Kunden Jobangebote zu machen. Sie gelten dann automatisch nicht mehr als arbeitslos, haben allerdings weiterhin keinen Job und beziehen Hartz IV.

Die Statistik der Arbeitsagentur weist im Februar für das Jobcenter Cottbus 334 Menschen aus, die in diese Kategorie fallen, in Spree-Neiße sind es 627 ältere Hartz IV-Empfänger. Auch hier lässt sich also kein Beleg für die These finden, im Landkreis würden weniger ältere Arbeitslose in der Statistik „versteckt“ als in Cottbus.

Auf RUNDSCHAU-Nachfrage sagt Heinz-Wilhelm Müller, Leiter der Arbeitsagentur Cottbus: „Im Vergleich aller Jobcenter in Südbrandenburg liegt das Jobcenter Spree-Neiße in allen wesentlichen Ergebnissen an letzter Stelle. Und das schon seit Jahren.“

(hil)
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