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| 16:25 Uhr

Schüsse auf Autos und Wohnhaus
Sieben Jahre Haft für Mordversuch in Burg

 Gundolf M. wurde unter anderem wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Cottbus zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.
Gundolf M. wurde unter anderem wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Cottbus zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Burg. Versuchter Mord in zwei Fällen, versuchter Totschlag sowie zweifache Körperverletzung: Wegen dieser Taten musste sich ein Mann aus Burg vor dem Landgericht in Cottbus verantworten. Das Gericht hat nun ein Urteil gefällt. Von Liesa Hellmann

Äußerlich gefasst nimmt Gundolf M. am Montag das Urteil auf: Versuchter Mord in zwei Fällen, versuchter Totschlag sowie zweifache Körperverletzung – für diese Taten verurteilt das Landgericht in Cottbus M. zu sieben Jahren Haft, zudem muss er die Prozesskosten tragen. Die Richter sehen es als erwiesen an, dass M. am 28. Juli 2018 Schüsse auf zwei Autos sowie ein Wohnhaus in Burg abgegeben und dabei den Tod mehrerer Menschen in Kauf genommen hat. Ein konkreter Auslöser konnte bis zuletzt nicht ermittelt werden, auch weil M. angibt, sich nicht an den Abend erinnern zu können.

Das Gericht geht davon aus, dass M. in der Julinacht zunächst seine Schwiegermutter mit Schlägen attackierte. Ihre schweren Verletzungen wirken sich strafverschärfend aus. Für das Gericht stellt sich der weitere Verlauf so dar: Als ihr Mann ihr zu Hilfe kommt, greift M. auch ihn an. Der Lebensgefährtin des Angeklagten, Ina J., gelingt es schließlich, sich mit ihren Eltern in der Waschküche zu verbarrikadieren. Der passionierte Jäger Gundolf M. holt derweil ein Repetiergewehr mit Zielfernrohr sowie eine Doppelflinte aus seinem Waffenschrank. Mittlerweile sind drei Zeugen vom Nachbargrundstück sowie ein Krankenwagen auf dem Hof eingetroffen.

Der Angeklagte schoss auf ein vorbeifahrendes Auto

Dann fallen die ersten Schüsse. Ein Zeuge rettet sich in einen Straßengraben, ein weiterer läuft zurück zu den Nachbarn. Der dritte Zeuge steigt in seinen Pkw, den bereits mindestens eine Kugel getroffen hat. Das Gericht nimmt an, M. habe durch sein Zielfernrohr gesehen, dass nun ein Mensch in dem Auto sitzt. Dennoch schießt er erneut, die Kugel schlägt „in den Bereich ein, wo normalerweise der Kopf eines Fahrers ist“, wie Richter Frank Schollbach sagt.

Dann feuert M. auf ein vorbeifahrendes Fahrzeug, dessen Fahrerin unverletzt bleibt. M. habe gezielt auf die beiden Pkw geschossen, „als erfahrener Jäger wusste er, dass Menschen getötet werden könnten“, sagt Schollbach. Er sieht das Mordmerkmal der Heimtücke als erwiesen an: „Der Angeklagte hat die Arg- und Wehrlosigkeit der Zeugen ausgenutzt.“

Mit seiner Doppelflinte gibt M. danach zwei Schüsse auf die Waschküche im Wohnhaus ab. Eine Kugel durchschlägt das Fenster des Raumes. „Wenn ein erfahrener Schütze aus 50 Metern Entfernung auf ein Haus schießt, muss er davon ausgehen, dass er jemanden töten kann“, begründet Frank Schollbach den angenommenen Tötungsvorsatz. Weil M. nur Munition für zwei Schüsse mitnahm, verurteilt das Gericht M. für versuchtem Totschlag in einem Fall.

Starke Alkoholisierung wirkt sich strafmildernd aus

Die Schuldfähigkeit des Angeklagten steht für die Richter fest. Da M. zum Tatzeitpunkt aber stark alkoholisiert und „emotional äußerst belastet“ war, sei seine Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen, sagt Schollbach. Dies und der Umstand, dass M. bisher nicht vorbestraft ist, Reue gezeigt sowie sich bei allen Beteiligten entschuldigt habe, wirkten sich strafmildernd aus.

Auch die schwierige Situation auf dem Hof sowie die gesundheitlichen Einschränkungen durch den Suizidversuch bezogen die Richter in ihre Entscheidung über das Strafmaß mit ein. Strafschärfend wirkten hingegen die „erheblichen psychischen Folgen“, die Ina J. sowie der Zeuge erlitten, auf den geschossen wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.