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| 17:58 Uhr

Cottbus
Verlorene Schönheit an der Spree

Das alte Gerberhaus wurde nie als Wohngebäude genutzt.
Das alte Gerberhaus wurde nie als Wohngebäude genutzt. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte des Lohgerberhauses Uferstraße anhand einer historischen Postkarte. Sie stammt aus der Sammlung von Hans Krause.

Die Gerberhäuser in der Cottbuser Uferstraße sind wohl die ältesten Gebäude in unserer Stadt. Mit der Überschrift „Die Wasserschlachten der Handwerksgesellen“. wurde schon einmal in dieser Serie am 15. Dezember  2015 über die Gerberhäuser berichtet. Die alten einstigen Produktions- und späteren Wohngebäude stehen unter Denkmalschutz. Allerdings sucht man dieses prächtige, mehrgeschossige Haus vergeblich. Sein Standort, Uferstraße 13, ist heute ein Stück Wiese und mit hohen Büschen zugewachsen.

Die sehr schöne alte Ansichtskarte stammt aus dem Verlag und der Druckerei von Paul Popp, Cottbus, Ostrower Straße 11 und ist wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre hergestellt worden. Die Karte wurde, wie weitere Motive aus Cottbus, auch noch 1946 und später zum Kauf angeboten. Da stand das Haus noch und man konnte sich an dieser Ansicht erfreuen. Es ist ein Gerberhaus, das nie zu Wohnzwecken ausgebaut wurde. Wann das Haus erbaut wurde ist nicht bekannt, das älteste Gerberhaus an der Uferstraße stammt etwa aus der Zeit um 1728 und so dürfte auch dieses große Gebäude aus jener Zeit stammen. Natürlich gab es in Cottbus Gerber, wurden Felle zu Leder verarbeitet, doch eine verbesserte Gerberei hatten vor allem die Hugenotten, die ihres Glaubens wegen aus Frankreich vertrieben wurden, um 1700 mit in die neue Heimat gebracht. Erst mit der industriellen Herstellung vom Fell, der Haut, zum Leder verloren die Gerber ihre Tätigkeit. Die Auflösung des Gerbergewerks erfolgte in Cottbus im Jahre 1901. Während ein Teil der damals noch vorhandenen Gerberhäuser schon als Wohnhäuser umgebaut waren, gehörte dieses recht imposante Gebäude nicht dazu und diente ganz einfach als Lagerraum. Eigentümer war zu jener Zeit Paul Oswald Koppe, der das Grundstück mit dem Fachwerkgebäude dementsprechend nutzte. Koppe empfahl sich beispielsweise 1909 mit besten Salon-Briketts, Holz und Koks zu billigsten Tagespreisen, also einer Holz- und Kohlenhandlung. Im Adressbuch von 1940 besteht die Kohlenhandlung noch unter dem bekannten Namen von Paul Oswald Koppe. Im Cottbuser Monatsheft vom Februar 1958 berichtet der Schüler Wolfgang Koal von der 1. Oberschule sehr ausführlich über seine Inspektion dieses alten Gerberhauses, das inzwischen baupolizeilich gesperrt war. Er hatte mit behördlicher Genehmigung den Schlüssel für das Grundstück bekommen. Das langsam verfallende Haus war sowieso nicht mehr abgeschlossen. So konnte der Schüler noch einmal das Haus genauer in Augenschein nehmen und berichtete, wie es aufgebaut war, ohne Keller, mit kräftiger Ziegelmauer im unteren Bereich, Obergeschoss und Dachaufbau war in Fachwerk. Auffallend waren die großen Lüftungsfenster und -klappen. Alles zweckmäßig für  die Gerberei. Aber dem Verfall preisgegeben, zumal sich die Mauerseite nach dem Mühlgraben hin bereits gesenkt hatte. Schade! Bald danach wurde das Gebäude, um keinen Schaden beim eventuellen Einsturz anzurichten, von einer Fachfirma „rückgebaut“. Der Cottbuser Fotograf Paul Miethke hat davon Aufnahmen gemacht. Die Fotos und eben auch alte Ansichtskarten erinnern an einen Gewerbezweig in Cottbus.

Nichts erinnert an das abgerissene Gebäude an der Uferstraße.
Nichts erinnert an das abgerissene Gebäude an der Uferstraße. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: LR / Schubert, Sebastian