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Verkehrsprobleme ärgern Merzdorfer

Anwohner fordern auch im Hinblick auf den künftigen Ostsee Geschwindigkeitsbegrenzungen und neue Verkehrskonzepte für die Merzdorfer Bahnhofstraße.
Anwohner fordern auch im Hinblick auf den künftigen Ostsee Geschwindigkeitsbegrenzungen und neue Verkehrskonzepte für die Merzdorfer Bahnhofstraße. FOTO: hil
Cottbus. Freitagnachmittag, der Oberbürgermeister hat sich mit seiner Verwaltungsspitze zum Ortsteilrundgang in Merzdorf angesagt – und erstaunlich viele der aktuell 1113 Einwohner wollen sich anhören, was er zu den aktuellen Problemen zu sagen hat. Denn obwohl Merzdorf an einem Sommernachmittag ausgesprochen idyllisch wirkt – eine problemfreie Zone ist es deshalb noch lange nicht. Andrea Hilscher

Ein Großteil der Sorgen kreist hier um den Verkehr, den fließenden und den ruhenden.

Reinhard Seemel zum Beispiel wohnt in einer verkehrsberuhigten Wohnsiedlung mit schmalen Straßen und kleinen Vorgärten. "Natürlich habe ich irgendwann auch mal vor meinem Haus und nicht auf meinem Grundstück geparkt", sagt Seemel. Prompt kassierte er ein Knöllchen - eine Anwohnerin hatte sich beim Ordnungsamt beschwert. "Ich selbst hatte nicht gewusst, dass ich in der verkehrsberuhigten Zone nur in gekennzeichneten Parkflächen stehen darf", sagt er. Auch viele seiner Besucher würden häufig auf der Straße parken. Und Knöllchen bekommen. "Wir prüfen, ob man hier eine Lösung finden kann", bietet Ordnungsamtsleiter Manfred Geißler dem verzweifelten Grundstücksbesitzer an.

Weiter geht's, Ortsvorsteherin Christiane Grandke führt die Besucher zur Merzdorfer Bahnhofsstraße. Auf einem großen Teil der Straße gilt Tempo 30, nur auf etwa 250 Metern dürfen Pkw mit Tempo 50 fahren. Anwohner wie etwa Kerstin Friedewald leiden unter zunehmendem Verkehrslärm, vor allem von Rasern die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Das Ordnungsamt hat 2013 und 2016 Verkehrszählungen durchgeführt.

Demnach nutzen rund 1030 Fahrzeuge die Straße täglich in Richtung Dissenchen, knapp 1000 fahren Richtung Merzdorf. "Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 40 km/h für Lkw, Pkw fahren im Schnitt 52 km/h", sagt Manfred Geißler. Den Anwohnern erscheint das unrealistisch. "Hier sind viel mehr Raser und viel mehr Lkw", sagt Kerstin Friedewald. OB Holger Kelch regt weitere Verkehrszählungen an, zudem soll geprüft werden, ob Blitzer zum Einsatz kommen können. Christian Grandke: "Optimal wäre es, wenn auch Pkw nur noch mit Tempo 30 fahren dürften." Dann, so die Ortsvorsteherin, wären auch die Kinder, die an den Schulbushaltestellen in der Bahnhofstraße aus- und einsteigen, etwas besser gesichert. "Die Straße hat keine befestigten Fußwege, was zusätzlich für Unsicherheiten sorgt."

Eine ganz große Lösung für die Merzdorfer Bahnhofstraße könnte es geben, wenn das Tranitzer Fließ, der parallel zur Straße läuft, zurückgebaut und als Weg genutzt wird. Holger Kelch: "Das Fließ ist offenbar tatsächlich entbehrlich." Zuständig für einen Rückbau wäre die LMBV. "Hier müssen wir Druck machen", kündigt der OB an.

Auch Reinhard Smoger, Vorsitzender des SV Rot-Weiß Merzdorf sorgt sich um die Sicherheit der Kleinsten im Ort: "Wenn sie auf dem Sportplatz trainieren, fliegt schon mal ein Ball auf die Straße", sagt der Fußballer. "Natürlich rennen die Kleinen hinterher, ohne auf den Verkehr zu achten." Er würde sich freuen, wenn es eine Möglichkeit gebe, den Verkehr am Sportplatz etwas zu verlangsamen.

Fast schon eine Lösung parat hat Christiane Grandke für ein Problem, dass die Zuwegung zum Bahnhof betrifft. "Die Schlaglöcher in der Schotterpiste würden wir ja in Eigenleistung zuschütten", sagt die Ortsvorsteherin. "Aber uns fehlt das Füllmaterial." Holger Kelch will mit der Alba sprechen. "Es dürfte nicht schwer sein, hier etwas Material anzuliefern."

Zum Schluss gab es noch einen Abstecher in eine fast problemfreie Zone des Ortsteils: Der neue Spielplatz am Hammergraben wird prima angenommen. Nur eine Bank für müde Eltern fehlt noch.