Den meisten Cottbusern ist der Tag der Befreiung deutlich geläufiger. Um zu erinnern, zu gedenken und zu mahnen, ist am Mittwoch eine Ausstellung von DDR-Plakaten zum 8. Mai in der Synagoge eröffnet worden.

Vor allem die Erinnerung an die Schrecken des Faschismus dürfe nicht verblassen - Staatstheaterschauspieler Michael Becker fand die einleitenden Worte, um das Publikum auf die Ausstellung vorzubereiten. Becker sprach die ungeschönte Bilanz des Krieges an, benannte die Opferzahlen jeder beteiligten Nation und legte eine Sichtweise auf die Kriegsereignisse, die auch die Opfer auf russischer Seite einbezieht. "Wir haben den Russen vor allem kulturell viel zu verdanken", sagte der gebürtige Lausitzer und beendete seine Rede mit dem Vortrag des Liedes "Meinst du, die Russen wollen Krieg?" zum Gedenken an den verstorbenen Poeten Jewgeni Jewtuschenko.

Die Ausstellung ist das Produkt einer Kooperation zwischen der jüdischen Gemeinde Cottbus, der Partei der Linken in der Lausitz und dem Verein Bücherei Sandow. Dessen Schatzmeisterin Sonja Newiak hatte vor einigen Jahren einer Ausstellungseröffnung in Cottbus besucht, die Arbeitsschutzplakate der DDR zeigte. Dort lernte sie den Studenten Tobias Bank kennen, aus dessen privater Sammlung die damalige Schau bestand. Der heute 30-jährige Havelländer sammelt bereits seit mehr als 15 Jahren DDR-Artefakte und vor allem Plakate, um sie der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Von Litfaßsäulen und Handwerksbetrieben, aus Schulgebäuden und U-Bahnhöfen stammen die Plakate, die Tobias Bank vor dem Papierkorb bewahren konnte. Obwohl sie einer Epoche angehören, die vergangen ist, besäßen diese Bilder noch immer einen gesellschaftlichen Mehrwert, der vor allem auch unterschiedlich interpretierbar sei, so der Geschichtsstudent.

Bei den jetzt in der Synagoge ausgestellten Exponaten handelt es sich um Originale aus verschiedenen Jahrzehnten. Dabei ist zu beachten, dass jeder ehemalige DDR-Bezirk sein eigenes Plakat anlässlich des 8. Mai gestalten ließ. Der künstlerische Anspruch hat, unabhängig von der ideologischen Botschaft, auch heute noch Bestand. Sorgfältig gepflegt und aufbewahrt wirken die Plakate auf Sonja Newiak sehr vertraut, "aber dennoch mit einem zeitlosen Ewigkeitswert." Denn trotz der ideologischen Prägung transportieren die ausgestellten Exponate die Botschaft von Frieden und die gleichzeitige Ablehnung jeder Art von Krieg. Unter diesen Vorzeichen ist der Ausstellungsort, die Synagoge Cottbus, deren Originalbau 1938 dem Faschismus zum Opfer fiel, nahezu prädestiniert für eine solche Gedenkveranstaltung.

"Die Zukunft entwickelt sich aus der Geschichte und daraus, wie wir mit ihr umgehen", sagt Tobias Bank mit einem Verweis auf die nachfolgende Generation. Denn Bilder wirken besser als Bücher und würden demnach auch jüngere Schüler schneller ansprechen und zum Nachdenken anregen.

Bis zum 18. Mai kann die Ausstellung in der Synagoge jeweils montags, dienstags und donnerstags von 10 bis 14 Uhr sowie mittwochs von 10 bis 16 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.