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Verflixte Buslinien

Flix-Bus-Nutzer sind meist jung und weiblich.
Flix-Bus-Nutzer sind meist jung und weiblich. FOTO: dpa
Cottbus. Einst wurde Cottbus von drei Linien angesteuert und so mit Berlin verbunden. Übrig geblieben ist der Flixbus. Am Flughafen Schönefeld fährt er vorbei. Peggy Kompalla

Cottbus ist die zweitgrößte Stadt Brandenburgs mit einer Autobahn in die Hauptstadt und einem stündlich fahrenden Regionalexpress, der allerdings zu oft auf dem Weg nach Berlin - oder zurück - Verspätungen sammelt. Die Liberalisierung des Fernbusmarktes bescherte Cottbus unverhofft Alternativen: Plötzlich gab es mit dem Postbus, dem BerlinLinienBus und dem Flixbus gleich drei zusätzliche Verbindungen zwischen Cottbus und Berlin. Die waren auch noch deutlich günstiger als die Bahn. Doch der harte Wettbewerb hinterließ Spuren: Übrig geblieben ist der Marktführer Flixbus. Der geht allerdings nur von Donnerstag bis Montag einmal auf Hauptstadt-Tour. Von Berlin nach Cottbus fährt der Flixbus nur von Mittwoch bis Sonntag.

Deshalb sagt Verkehrsexperte Jens Krause von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus: "Nach wie vor wird das Potenzial an Fernbusreisenden in Cottbus nicht ausgeschöpft. Dafür wären täglich verkehrende Linien nach Berlin notwendig. Und das nicht nur an einzelnen Wochentagen." Auch die Abfahrtzeiten sollten aus Sicht des Verkehrsexperten mehr auf die Berufspendler ausgerichtet werden. Nach Kenntnis der IHK machen sich täglich 6000 Menschen aus der Lausitz auf den Weg zur Arbeit in Berlin. Hinzu komme die wachsende Zahl der Arbeitnehmer am Flughafen Schönefeld. Mittlerweile sind es Krause zufolge mindestens 200 Lausitzer, die am Flughafen arbeiten. "Die bilden Fahrgemeinschaften, weil sie sonst nicht direkt nach Hause kommen, da sie im Schichtbetrieb arbeiten", sagt Krause.

Dabei ist für die IHK der Flixbus die große Hoffnung für eine Direktverbindung zum Flughafen. Die Bahn bietet sie nicht an - auch nicht auf absehbare Zeit. Es ist immer der Umstieg in Königs Wusterhausen nötig. Das macht die Bahnverbindung nach Schönefeld - respektive BER - für Flugreisende mit viel Gepäck unattraktiv. "Da wäre der Flixbus eine wirkliche Alternative."

Susanne Hintermayr hat da allerdings schlechte Nachrichten. Die Unternehmenssprecherin von Flixbus erklärt: "In der nahen Zukunft ist eine Verbindung von Cottbus zum Berliner Flughafen Schönefeld nicht geplant." Sie fügt an: "Es finden jedoch kontinuierlich Prüfungen statt, inwieweit das Streckennetz ausgebaut werden kann." Soll heißen: Flixbus will diese Verbindung nicht gänzlich ausschließen. Denn das Unternehmen müsse in die Streckenplanung auch Anfahrtwege sowie Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer einrechnen. Daran ist sind dem Verkehrsexperten Krause zufolge auch die Bemühungen gescheitert, den größten polnischen Fernbusanbieter PolskiBus für Cottbus zu erwärmen. Das Unternehmen verkehrt mehrmals täglich zwischen Berlin, Breslau und Krakau. "Damit hätte sich nicht nur eine schnelle Verbindung von Cottbus nach Polen ergeben, sondern auch die Möglichkeit, mit Polskibus täglich zu unterschiedlichen Zeiten nach Berlin zu fahren", erklärt Jens Krause. Die Prüfungen scheiterten schließlich an einer simplen Sache: Der Fahrzeitverlängerung aufgrund des weit von der Autobahn entfernt gelegenen Busbahnhofs.

In dem Zusammenhang blickt Jens Krause positiv in die Zukunft: "Die wirklichen Effekte eines attraktiven Fernbushalts in Cottbus werden sich erst mit der Fertigstellung des neuen Bahnhofsvorplatzes mit dem zentralen Fernbusbahnhof bieten." Der wird 2020 fertig.

Zum Thema:
Nach Informationen des Fernbusanbieters Flixbus ist die große Mehrheit der Fahrgäste zwischen 18 und 29 Jahren alt - also Studenten und Berufsanfänger. Sie machten etwa 60 Prozent aus. Trotzdem nutzten auch Senioren das Angebot des Unternehmens. Rund 60 Prozent der Fahrgäste sind Flixbus zufolge Frauen. Europaweit machen Geschäftsreisende demnach zehn Prozent aus.